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    Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich

    Frankreichs gespaltene Linke

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    Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich 2017 (131)
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    Drei Wochen vor Beginn der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich hat sich eines der Schwergewichte der Sozialistischen Partei, der frühere Premier Manuel Valls, für den Kandidaten Emmanuel Macron stark gemacht, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Macrons Rivalen, besonders im Stab des sozialistischen Kandidaten Benoit Hamon, sind empört darüber, dass das Team des amtierenden sozialistischen Präsidenten Francois Holland sich auf die Seite des 39-jährigen Favoriten des Wahlrennens gestellt hat. Präsident Hollande sagte in Bezug auf die bevorstehenden Wahlen, dass sein Nachfolger Emmanuel Macron werden sollte.

    Seine Sympathie für Macron äußerte auch der frühere Premier und Sozialist Manuel Valls. Er sagte im TV-Sender BFMTV, dass er für Macron stimmen werde, der sich „weder als Linker noch als Rechter“ bezeichnet. Allerdings erinnern Macrons Rivalen ständig daran, dass er aus dem Team von Hollande kam, bei dem er zunächst Berater und dann Wirtschaftsminister war. Die Regierung war damals von Valls geleitet worden.

    Laut dem Kandidat der Partei „Die Republikaner“, Francois Fillon, zeigt die Unterstützung Macrons durch Valls, dass die Politik des ehemaligen Wirtschaftsministers dem Kurs des amtierenden Präsidenten ähnelt. „Das gesamte Team von Hollande stellte sich auf die Seite Macrons. Das ist, wovon ich ständig sprach – Emmanuel Macron ist Francois Hollande“, zitiert „Figaro“ Fillon.

    Valls hatte im Dezember seinen Rücktritt erklärt, um an den Vorwahlen der Sozialisten teilzunehmen, und sagte, dass er bei einer Niederlage den Gewinner unterstützen wird. Bei der Vorwahl gewann unerwartet Hamon. Valls sagte Anfang März, dass er Hamon nicht unterstützen werde, und ruft jetzt zur Stimmabgabe für Macron auf. Seine Wahl begründete er damit, dass unter den jetzigen Bedingungen nur Macron imstande ist, Le Pen zu bekämpfen.

    Macron bedankte sich bei Valls im Radiosender Europe 1 und distanzierte sich erneut von seiner sozialistischen Vergangenheit. Er hob hervor, dass er für einen Wechsel der Akteure und der Methoden sei.

    „Das alles bedeutet eine tiefe Krise unter den französischen Sozialisten“, sagt der russische Europa-Experte Sergej Fjodorow. „Die Kandidatur Hamons, der bei der Vorwahl der Sozialisten unerwartet gewann, war von vornherein nicht durchsetzbar. Sein Programm mit solchen Punkten wie dem Übergang zur 32 Stunden Arbeitswoche und der Legalisierung von leichten Drogen kann kaum als attraktiv bezeichnet werden. Dass ein nicht charismatischer Politiker auf Platz vier im Ranking liegt, ist schon gut, doch die Sozialistische Partei ist gespalten. Ein bedeutender Teil, darunter amtierende Minister, äußert seine Unterstützung für Macron. Hollande bestätigte mit seinen Andeutungen, dass er die Macht Macron übergeben wird, dass er seine Kreatur ist“, so der Experte.

    Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts BVA wird Macron in der ersten Runde 26 Prozent der Stimmen bekommen und damit vor Le Pen (25 Prozent) liegen. Auf Platz drei wird Fillon mit 17 Prozent landen, dessen Umfragewerte nach dem Skandal um die zweifelhaften Beschäftigungsverhältnisse seiner Ehefrau deutlich gesunken sind.

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    Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich 2017 (131)
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    Benoit Hamon, Marine Le Pen, Emmanuel Macron, Manuel Valls, François Hollande, Frankreich