23:24 18 September 2020
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    Die Tragödie im syrischen Chan Scheichun, wo vermutlich Giftgas eingesetzt wurde, könnte zu einer neuen, äußerst scharfen Krise in den russisch-amerikanischen Beziehungen führen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Nach dem Sieg Donald Trumps bei der US-Präsidentschaftswahl im November 2016 hatten viele auf einen „Neustart“ zwischen Moskau und Washington gehofft. Nach seinen gestrigen Äußerungen sind diese Hoffnungen so gut wie verschwunden. Dafür sind neue Besorgnisse aufgekommen, und zwar solche, die es unter dem vorhersagbaren ehemaligen Präsidenten Barack Obama gar nicht gegeben hatte. Sein Nachfolger ist im Vergleich zu ihm impulsiv, was sehr gefährlich werden könnte.

    Nach der Giftgas-Attacke gegen syrische Zivilisten in Chan Scheichun hat die US-Administration klar Stellung bezogen: Es handele sich um ein Kriegsverbrechen der Regierung von Baschar al-Assad. Moskaus Version, die syrische Luftwaffe hätte einen Angriff gegen ein Chemiewaffenlager der Oppositionskräfte geflogen, wies Washington sofort zurück und warf Russland zugleich die Unterstützung des „diktatorischen Regimes“ vor.

    Mehr zu Thema >>> „Entbehrt jeder Logik“: Giftgas-Attacke soll Assad in die Schuhe geschoben werden

    Das Drama in Chan Scheichun habe ihn gezwungen, seine Meinung zum Thema Syrien „stark zu ändern“, betonte Trump. Bis zuletzt hatte er sich relativ friedlich bezüglich Assads geäußert. Jetzt aber kam es zur 180-Grad-Wende. „Wenn Sie unschuldige Kinder mit Giftgas töten, dann werden sofort viele Grenzen überschritten – neben der ‚roten Linie‘ auch viele andere Grenzen“, betonte er. Ähnlich hatten sich die Amerikaner 2003 vor dem Irak-Krieg über Saddam Hussein geäußert.

    Auf einer Pressekonferenz nach den Verhandlungen mit dem jordanischen König Abdallah ging Trump faktisch zu Drohungen über: „Was unsere Armee angeht, so mag ich es nicht, vorher zu sagen, wohin wir gehen und was wir tun werden“, sagte er auf eine Reporterfrage. „Sie werden es schon sehen.“

    Die US-Botschafterin bei der Uno, Nikki Haley, sagte, dass die US-Behörden „manchmal gezwungen sind, einseitige Schritte in der internationalen Arena zu unternehmen“, wenn „keine kollektive Lösung“ gefunden werden könne.
    Diese Andeutung ist klar: In der Vergangenheit hatten die USA tatsächlich oft „einseitig“ gehandelt, wenn sie den Irak, Libyen oder den Sudan mit Bomben bewarfen.

    Mehr zu Thema >>> Obama provozierte Giftgasangriffe in Syrien – russischer UN-Botschafter

    Der Unterschied zu den damaligen Situationen besteht darin, dass in Syrien russische Truppen und Raketenabwehrsysteme stationiert sind. Sollte Trump impulsiv vorgehen, könnte das im schlimmsten Fall zu einem bewaffneten Konflikt zwischen beiden Atomgroßmächten führen, wovon unter dem „antirussischen“, aber vorsichtigen und vorhersagbaren Barack Obama nie die Rede war.

    Es gibt allerdings die Hoffnung, dass Trump nicht über die scharfen Äußerungen hinausgeht. Und falls er sich zu praktischen Schritten entscheiden sollte, würde ihn dabei die bürokratische Maschinerie in Washington stoppen, gegen die er kämpfen wollte und die auch in Moskau in letzter Zeit oft kritisiert wurde.

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    Tags:
    Beziehungen, Neustart, Giftgas, Saddam Hussein, Baschar al-Assad, Donald Trump, Russland, Syrien, USA