Widgets Magazine
18:10 20 September 2019
SNA Radio
    World Wide Web (Symbolbild)

    Konfrontation der Supermächte: Russland ruft zum Kampf gegen Internetkriminalität

    © AFP 2019 / Paul J. Richards
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    1321
    Abonnieren

    Die Zeitung „Kommersant“ schreibt in ihrer Freitagsausgabe von einem Entwurf der UN-Konvention über die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Informationskriminalität, die vom russischen Außenministerium zusammen mit anderen zuständigen Behörden ausgearbeitet wurde.

    In dieser Woche wurde der Entwurf in Wien bei einer geschlossenen Sitzung von UN-Experten zur allumfassenden Analyse der Cyberkriminalität erörtert. Laut Moskau soll dieses Dokument die Budapester Konvention gegen Internet-Kriminalität von 2001 ersetzen.

    Moskau erstellte das Dokument als Alternative zur Konvention gegen Internet-Kriminalität des Europarats, die 2001 in Ungarn unterzeichnet wurde. Sie wurde von 53 Ländern ratifiziert und von vier weiteren unterzeichnet, darunter von allen EU-Ländern, den USA, Japan, Australien und Israel. Das einzige Mitglied des Europarats, das die Konvention nicht unterzeichnete, ist Russland.

    Moskau stört sich an Paragraf 32 der Budapester Konvention „über den grenzübergreifenden Zugang zu Computerdaten“, der Geheimdiensten Operationen in den Computernetzen von Drittländern ohne offizielle Benachrichtigung ermöglicht. Laut den russischen Behörden bedroht die Bereitstellung solcher Informationen die Sicherheit und Souveränität des Landes.

    Russland ist am Ausbau der Kooperation mit anderen Staaten im Kampf gegen die Internetkriminalität interessiert. 2015 entgingen der russischen Wirtschaft wegen Internetkriminalität 203,3 Milliarden Rubel bzw. 0,25 Prozent des BIP. Der direkte finanzielle Schaden beläuft sich auf 123,5 Milliarden Rubel. Die Kosten für die Beseitigung betragen mehr als 79,8 Milliarden Rubel. Diese Angaben wurden in einer gemeinsamen Studie von Group-IB, dem Fonds zur Entwicklung von Internet-Initiativen, und Microsoft veröffentlicht.

    Der Entwurf der Konvention wird vom russischen Außenministerium als bahnbrechend und universell bezeichnet, wobei hervorgehoben wird, dass er viele Vorfälle bezüglich IT-Verbrechen seit 2001 berücksichtige und für alle UN-Mitgliedsstaaten annehmbar sei, nicht nur für die westlichen.

    Das 52 Seiten umfassende Dokument sieht keine Möglichkeiten zur Einmischung von fremden Geheimdiensten in die Netze anderer Länder vor, dafür enthält es aber einen Paragrafen über den Schutz der Souveränität.

    Das Hauptziel der Konvention ist das Ergreifen von Maßnahmen, die auf eine effektive Vorbeugung von Verbrechen und anderer Straftaten im IT-Bereich gerichtet sind.

    Laut dem Generaldirektor der Firma Group-IB, Ilja Satschkow, berücksichtigt die russische Konvention die Interessen aller Länder und antwortet auf neue Herausforderungen und Bedrohungen, darunter technologische.

    Wie groß die Chancen auf Annahme der russischen Initiative in der Uno sind, ist vorerst unklar. Der 2011 von Russland vorgestellte Entwurf der UN-Konvention zur „Gewährleistung der internationalen Informationssicherheit“ wurde von mehreren Ländern kritisiert. Die USA und die EU-Länder meinten, dass Russland die Festlegung der völligen Kontrolle einzelner Staaten über ihre nationalen Internetsegmente anstrebe. Viele Punkte der Konvention von 2011 wurden in Dokumente aufgenommen, die von der OVKS, GUS und SOZ verabschiedet wurden, doch die russische Initiative bekam keine umfassende internationale Unterstützung.

    Was die Aussichten der neuen russischen Konvention betrifft, wird auch hier Vieles von der Position der USA abhängen. Das US-Außenministerium nahm keine Stellung zu den Chancen auf Verabschiedung der neuen Konvention.

    Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte auf der Pressekonferenz nach dem Moskau-Besuch seines amerikanischen Amtskollegen Rex Tillerson am Mittwoch, dass die russischen Behörden den Cyberraum als Bereich betrachten, in dem eine Kooperation zwischen beiden Ländern möglich und notwendig ist. Lawrow zufolge ist Moskau weiterhin interessiert an einer Kooperation mit den USA im Kampf gegen Cyberkriminalität. Nach dem Gespräch mit Tillerson kam Lawrow zu dem Schluss, dass auch Washington dazu bereit ist.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Pixel statt Panzer: Von der Leyens Cyber-Armee – ein Witz ohne Pointe
    Der Cyberkrieg bedroht alle – Digitale Rüstungskontrolle statt Aufrüstung gefordert
    Cyber-Armee: Wie Ursula von der Leyen dem FBI ein Schnippchen schlägt
    Wie die Bundeswehr Berlin vor Cyber-Attacken schützen soll
    Tags:
    Kampf, Cyberkriminalität, UN, Rex Tillerson, Sergej Lawrow, USA, Russland