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16:45 19 Oktober 2019
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    Nachrichtenausgabe im südkoreanischen Fernsehen

    Seoul duckt sich vor US-Angriff auf Pjöngjang

    © REUTERS / Kim Hong-Ji
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    Pjöngjang ist noch nicht in der Lage, Amerika anzugreifen, wie der gescheiterte Raketentest am Sonntag zeigte. Allerdings verstärkt Washington den politischen und militärischen Druck auf Nordkorea, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    In Pjöngjang fand am Samstag eine große Militärparade anlässlich des 105. Jahrestags der Geburt des nordkoreanischen Staatsgründers Kim Il Sung im Beisein vieler ausländischer Reporter statt. Am nächsten Tag scheiterte der Test einer ballistischen Rakete an der Ostküste des Landes.

    Wie das Pazifikkommando der US-Marine berichtete, wurde die Rakete gegen 6 Uhr morgens Ortszeit gestartet. Sie explodierte unmittelbar nach dem Start, was die Bestimmung ihrer Reichweite und Größe erschwert. Allerdings festigt der gescheiterte Raketentest die Zweifel westlicher Experten an den Verkündigungen Pjöngjangs, es könne eine nukleare Antwort auf einen Angriff der USA geben.

    Experten waren von der Zahl der neuen Raketen beeindruckt, die bei der Parade in Pjöngjang gezeigt wurden. Zuvor waren auf solchen Paraden zwei Typen von Interkontinentalraketen gezeigt worden – KN-08 und KN-14. Am Samstag bewegten die Fahrzeuge größere Kontainer, die sowohl alte als auch neue Raketen oder auch gar nichts enthalten haben können.

    Der Raketentest erfolgte zu einem Zeitpunkt, als US-Vizepräsident Mike Pence in Alaska zum Abflug nach Seoul ins Flugzeug stieg. Nach Angaben der „Washington Post“ hätte er dort eine Warnung für Nordkorea aussprechen sollen.

    Pence wird in Südkorea wohl kaum herzlich begrüßt. Die Südkoreaner befürchten, dass der unberechenbare US-Präsident Donald Trump die syrische Variante mit einem Raketenangriff auf die Koreanische Halbinsel wiederholen könnte.  Die Folgen wären katastrophal für das Land. Wie die Zeitung „Korea Herald“ schreibt, haben Japan und China bereits Maßnahmen ergriffen, um ihre Bürger für den Fall einer militärischen Konfrontation zu schützen. Die Zivilisten in Südkorea, die einen großen Schaden im Falle von US-Präventivangriffen gegen Nordkorea erleiden werden, sind auf ein solches Szenario gar nicht vorbereitet. Dabei würden die US-Truppen in Südkorea kaum davon betroffen sein. Das Ballungsgebiet Seoul mit 25 Millionen Einwohnern liegt aber in Reichweite der nordkoreanischen Artillerie.

    Will China sich nicht in einen potentiellen Militärkonflikt in Korea einmischen? Laut dem Fernost-Experten Wassili Kaschin können die Chinesen sich nicht vorstellen, dass jemand mit Vernunft auf die Idee kommen könnte, Nordkorea anzugreifen. Nordkorea und Syrien sind zwei verschiedene Welten. Syrien werde seit vielen Jahren von Israel bombardiert, darauf folge nichts. Die durch Israel verursachten Verluste waren größer als die durch die Tomahawk-Angriffe. Nordkorea sei etwas anderes, so der Experte.

    Die Chinesen werden unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Amerikaner auch kaum etwas Radikales unternehmen werden, keine radikalen Maßnahmen ergreifen. Es sei kaum wahrscheinlich, dass China Nordkorea schützen und den alten Verträgen folgen werde, so Kaschin. China und Nordkorea schlossen 1961 einen Vertrag ab, der Beistand für die jeweils andere Vertragsseite im Falle eines Angriffs vorsah. Chinesische Publizisten betonen heute, dass Nordkorea diesen Vertrag selbst gebrochen habe, indem es Atomtests entgegen den Beschlüssen der Uno durchführe. Deswegen müsse sich China nicht an diesen Vertrag halten.

    Gleichzeitig ist Peking weiterhin daran interessiert, durch gemeinsame Anstrengungen mit Russland  die Verhandlungen zu Korea wiederzubeleben. Der chinesische Außenminister Wang Yi sagte in einem Telefongespräch mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow, dass Peking seine Handlungen mit Moskau eng koordinieren und eine schnellstmögliche Deeskalation und Förderung der Wiederaufnahme des Dialogs zwischen allen Seiten voranbringen wolle.

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    Tags:
    Verschärfung, Konflikt, Pentagon, Mike Pence, Donald Trump, Kim Jong Un, Pjöngjang, Seoul, Südkorea, Nordkorea, USA