16:36 05 August 2020
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    Pjöngjang hat im Nervenkrieg mit Washington einen Zwischensieg errungen, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

    Trotz Warnungen feierte Nordkorea den 105. Jahrestag der Geburt des Staatsgründers Kim Il-sung mit dem Start einer ballistischen Rakete. Allerdings war der Start ein Misserfolg. Aber auch die Amerikaner setzten ihren Flugzeugträger „Carl Vinson“, der voll gespickt ist mit Tomahawk-Marschflugkörpern, nicht ein. Statt eines kleinen erfolgreichen Raketen- und Atomkriegs versprach Washington, Pjöngjang weiterhin unter Druck zu setzen, was vermuten lässt, dass Donald Trump einfach bluffte.

    Als der Flugzeugträger „Carl Vinson” samt Begleitschiffen zur koreanischen Halbinsel geschickt wurde, wurde die Weltgemeinschaft von alarmierenden Gefühlen erfasst. Trump ist ein politischer Neuling, kaum jemand konnte hundertprozentig garantieren, dass er keinen Raketen- und Atomkrieg entfesselt.

    Alles klärte sich, als auf dem Höhepunkt der Drohgebärden US-Vizepräsident Mike Pence in Seoul eintraf. Als er südkoreanischen Boden betrat, atmete die ganze Welt auf – man kann wohl von Trump vieles erwarten, doch er würde kaum seinen Stellvertreter opfern. In Seoul wurde Pence über den misslungenen Start der nordkoreanischen Rakete informiert. Anschließend schickte er die Mitteilung nach Washington: „Wir müssen keine Mittel für den Kampf gegen Raketentests ausgeben. Wir waren davon nicht überrascht und haben dies vorausgesehen.“

    Falls dies vorausgesehen wurde, wozu musste man dann die halbe Welt alarmieren? Die Antwort auf diese Frage steckt Experten zufolge innerhalb Amerikas – in der Situation, in der sich die jetzige Administration erweist. Donald Trump soll mit dem Säbelrasseln begonnen haben, um der inneren Opposition zu beweisen, dass er mutiger als seine Vorgänger ist, die mehrmals Waffen in Gang setzten (Jugoslawien, Irak, Libyen u.a.), es jedoch nicht wagten, gefährliche Spiele mit den Staaten zu spielen, die über Raketen- und Atompotential verfügen. Kim Jong-un verfügt über solche Waffen – bei der Parade in Pjöngjang wurden 60 ballistische Raketen verschiedener Typen gezeigt.

    Allerdings würde die radioaktive Wolke wohl Südkorea, Japan und anderen nahegelegenen Ländern ausreichen, um die Folgen der Ambitionen und Phobien des US-Präsidenten im vollen Ausmaß zu genießen. Das haben Trump und seine Berater verstanden. Daraus ergibt sich die Schlussfolgerung – niemand beabsichtigte ernsthaft, einen Krieg gegen „den nuklearen Kim“ zu entfachen. Das Hauptziel Trumps war der politische Sieg über Pjöngjang. Deswegen wurde versucht, Kim Jong-un einzuschüchtern, wobei nicht nur das Pentagon, sondern auch Hollywood-Technologien eingesetzt wurden – demonstrative Raketenangriffe auf den Flugplatz Schairat, der Abwurf der „Mutter aller Bomben“ GBU-43 auf einen Tunnelkomplex des IS in Afghanistan und Einschüchterungsaktionen durch die Tests der modifizierten Atombombe B-61-12 im US-Bundesstaat Nevada.

    Allerdings versteht wohl auch das Pentagon, dass Pjöngjang ebenfalls eine Antwort auf die B61-12 hat – beispielsweise die Pukkuksong-2. Trump hat sein Ziel nicht erreicht. Kim Jong-un wurde nicht eingeschüchtert, sondern freut sich darüber, dass er über ein Raketen- und Atompotential verfügt. Zudem wird es nach einem psychologischen Sieg Pjöngjangs beim Widerstand gegen die stärkste Atommacht mehr Länder geben, die sicherheitshalber eine eigene Atombombe beschaffen wollen.

    Kim Jong-un zeigte stärkere Nerven als Donald Trump. Diese Niederlage wird die amerikanische Opposition dem US-Präsidenten nicht verzeihen. Deswegen ist ein Atomkrieg gegen Nordkorea nicht ausgeschlossen.

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    Tags:
    Verschärfung, Krise, Konflikt, Donald Trump, Kim Jong Un, Nordkorea, USA