20:49 21 Juli 2017
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    Versprochen: Franzosen erwartet Präsidentschaftswahl mit Überraschung

    © AFP 2017/ Joel Saget
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    Nesawissimaja Gaseta
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    In wenigen Tagen findet die Präsidentschaftswahl in Frankreich statt, aber deren Ausgang ist immer noch offen, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Donnerstag.

    Laut Meinungsumfragen liegen gleich vier Kandidaten vorne und dürften mit jeweils etwa 20 Prozent der Stimmen rechnen. So etwas gab es in der Fünften Republik noch nie.

    Den Ton im Vorfeld der Abstimmung bestimmt der scheidende Präsident Francois Hollande: „Die gesamte Wahlkampagne stinkt“, sagte er in einem Interview für die Zeitung „Le Monde“. Seine Einschätzung ist gar nicht überraschend, denn es ist ja unklar, was die Behörden tun würden, wenn am 7. Mai die Chefin der Front National, Marine Le Pen (das steht so gut wie fest), und der temperamentvolle ultralinke Kandidat Jean-Luc Melenchon die Stichwahl erreichen würden.

    Die beiden treten bekanntlich für den Austritt Frankreichs aus der EU und der Eurozone auf und lassen sich den aktuellen Status quo in der internationalen Marktwirtschaft generell nicht gefallen. 

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    „Ich glaube an die Weisheit der Franzosen“, sagte Hollande, der offenbar sich selbst beruhigen wollte. Böse Zungen behaupten, dass er voll und ganz auf seinen früheren Wirtschaftsminister Emmanuel Macron setzt, der ihm im Falle seines Wahlsiegs eine ruhige Stelle versprochen haben soll.

    Aber eigentlich sollte Hollande die aktuelle und „schlecht riechende“ Situation nur sich selbst vorwerfen. Er räumte inzwischen ein, seinen Verzicht auf den Präsidentschaftswahlkampf zu bedauern. Aber auch ohne ihn haben die sozialistischen Wähler bei der Vorwahl im März gegen Benoit Hamon gestimmt, der laut Umfragen absolut untauglich als Kandidat war.

    Dass Macron im Wahlrennen vorne liegt, ist ein großer Verdienst der mit ihm befreundeten Geschäftskreise. So hatte er als Minister dem Milliardär Patrick Drahi geholfen, den Mobilfunkanbieter SFR zu kaufen, der ihm jetzt die Unterstützung der Medien ermöglicht. Drahi kontrolliert nämlich die Zeitschrift „Express“ und die Zeitung „Liberation“, den Funksender Radio Monte Carlo und den Sender BFM. Es ist also kein Wunder, dass zahlreiche kompromittierende Informationen über viele andere Kandidaten, aber nicht über Macron, verbreitet wurden.

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    Auch Meinungsforscher spielen eine wichtige Rolle, indem sie den Wählern ständig zu verstehen geben, dass ausgerechnet Macron die besten Siegchancen hätte.

    Hinzu kommt  die Unterstützung seitens der Mitglieder des aus dem Amt scheidenden Ministerkabinetts. Innenminister Matthias Fekl erklärte beispielsweise unlängst, dass die Ordnungskräfte unabhängig von den Wahlergebnissen „keine öffentlichen Unruhen zulassen“ würden. Mit anderen Worten würden im Falle des Wahlsiegs Le Pens landesweit Barrikaden aufgestellt, und sollte Melenchon gewinnen, dann würde Bankkapital unaufhaltsam in Steueroasen flüchten. Wer in Frankreich also ruhig und friedlich leben will, sollte nur für Macron stimmen. Eine Alternative wäre nichts als das Chaos.

    Für die öffentliche Ordnung in den 67.000 Wahllokalen werden am kommenden Sonntag etwa 50.000 Polizisten zuständig sein.

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    Tags:
    Präsidentschaftswahlen, Jean-Luc Mélenchon, François Fillon, Emmanuel Macron, Marine Le Pen, François Hollande, Frankreich
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