14:10 22 Juni 2017
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    In Libyen herrschen seit der Nato-Intervention 2011 Chaos und Gewalt.

    Libyen-Konflikt: Tripolis fordert internationale Intervention

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    Iswestija
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    Der libysche Ministerpräsident Fayiz as-Saradsch fordert angesichts der jüngsten Eskalation bei Sebha verschiedene internationale Organisationen zur Einmischung in die Situation in diesem Land auf, schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Freitag.

    In seinem Appell an die Uno, die EU, die Arabische Liga und andere internationale und regionale Organisationen verwies Sarradsch darauf, dass die Aktivitäten der libyschen Armee im Süden des Landes „mit der Terrorbekämpfung nichts zu tun haben“, und warnte vor einem „unbefristeten Bürgerkrieg“.

    Das libysche Parlament, das in Tobruk sitzt, erkennt Saradschs Regierung aber nicht an, obwohl sie von der Weltgemeinschaft akzeptiert wird.

    Der Vizevorsitzende des auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat (Parlamentsoberhaus), Andrej Klimow, sagte dazu, wenn diese oder jene Länder auf Saradschs Aufruf reagieren und sich in die Situation einmischen, würde die Legitimität ihres Vorgehens Fragen hervorrufen.

    „In Libyen gibt es sehr viele Machtzentren, und die Stämme machen einen sehr großen Faktor aus. Der Westen hat dieses Land de facto zerfallen lassen. Dabei wäre eine internationale Einmischung nur mit Zustimmung des UN-Sicherheitsrates oder auf Einladung der legitimen Regierung möglich“, betonte der Senator. 

    Die libyschen Streitkräfte, die mit dem Parlament einig und gegen das Kabinett in Tripolis eingestellt sind, hatten am 16. April die Positionen der Regierungstruppen angegriffen. Unter anderem kamen bzw. kommen dabei Artillerie, Panzer und Kampfjets zum Einsatz. Wie eine dem Kommando der Streitkräfte nahestehende Quelle verriet, werden diese Gefechte im Rahmen des Einsatzes „Treibsand“ geführt, die im März zwecks Verdrängung der Terroristen aus dem Süden des Landes begonnen hatte.

    „Bei Sebha befindet sich die so genannte Dritte Abteilung, die der Regierung loyal ist. Ihr gehören Kämpfer der so genannten ‚Muslimbrüder‘ sowie Söldner von den Oppositionskräften im Tschad an“, so der Insider. „Die Einwohner und das libysche Kommando verlangten von den Islamisten, dieses Territorium zu verlassen. Als sie das verweigerten, wurden Artillerie- und Fliegerkräfte eingesetzt.“

    Die Gegend um Sebha ist nach seinen Worten strategisch wichtig für Saradschs Regierung. Denn hier liegen die Routen, auf denen afrikanische Migranten sowie Drogen, Gold und Waffen nach Europa befördert werden. Das Vorgehen der Armee betreffe gewissermaßen auch die Interessen Saradschs selbst, weshalb er seinen Appell veröffentlichen musste, fügte der Insider hinzu.

    „Der Ministerpräsident (Saradsch) wird weder vom Parlament noch von den Militär noch vom größten Teil der libyschen Bevölkerung akzeptiert“, sagte der libysche Politologe Abdelaziz Engniya gegenüber „Iswestija“. „Er stützt sich lediglich auf die Unterstützung des Westens. Und jetzt versucht Saradsch, ausländische Truppen in die libyschen Ereignisse zu verwickeln. Sonst wären seine politischen Perspektiven sehr fraglich.“

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    Tags:
    Intervention, Konfliktlösung, Krieg, Arabische Liga, EU, Andrej Klimow, Libyen
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