22:22 18 Juli 2018
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    Anti-NATO-Aktion vor der deutschen Botschaft in Moskau (Archivbild)

    Nato verliert ihre Russisch-Kenntnisse

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    Nesawissimaja Gaseta
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    Der Vorsitzende des Nato-Militärkomitees, Petr Pavel, hat bestätigt, dass die Allianz keine Vertreter zu der für diese Woche in Moskau angesetzten Konferenz für internationale Sicherheit schicken wird, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Dienstag.

    Solche Konferenzen werden vom russischen Verteidigungsministerium jedes Jahr seit 2012 organisiert. Sie sind traditionell dem Meinungsaustausch über wichtige Aspekte der globalen und regionalen Sicherheit und den Maßnahmen zur Förderung der gegenseitigen Vertrauensmaßnahmen gewidmet. Bis zuletzt schickten Russlands westliche Partner ihre Beobachter zu solchen Konferenzen. Diesmal werden sie sie offenbar total ignorieren.

    Persönlichen Gesprächen scheint die Nato die Kommunikation in sozialen Netzwerken vorzuziehen: General Pavel veröffentlichte seine Mitteilung auf Twitter. Die stellvertretende Nato-Generalsekretärin, Rose Gottemoeller, präzisierte ihrerseits, Moskaus Einladung sei abgelehnt worden, weil solche Konferenzen dafür bekannt seien, dass ausländische Teilnehmer dabei „unfair behandelt“ werden.

    Eigentlich zeugen die Erfahrungen der vorigen Jahre davon, dass die Teilnehmer auf keine Weise beschränkt werden und ihre Meinung frei äußern dürfen, selbst wenn diese mit der Meinung der Gastgeber nicht übereinstimmt. Doch freier Meinungsaustausch scheint der Nordatlantischen Allianz nicht mehr zu passen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Sie hat einfach kaum überzeugende Argumente, um ihre Meinung zu verteidigen, und hält ihre Position für die einzig richtige.

    Das passt im Grunde in den im Westen seit mehreren Jahren vorherrschenden Trend: Man will einfach nicht nach Berührungspunkten mit Moskau suchen. Kennzeichnend ist die Ermittlung der Umstände der MH-17-Katastrophe im Juni 2014. Gleich nach dem Abschuss der malaysischen Boeing-777 in der Nähe von Donezk  behauptete der Westen, sie wäre von einer russischen Rakete getroffen worden. Moskaus Argumente, die es mit den Ergebnissen von entsprechenden Tests belegte, wurden von der niederländischen Staatsanwaltschaft schlicht ignoriert.

    Auch nach der jüngsten Giftgasattacke in der syrischen Provinz Idlib warf der Westen die Anwendung der Chemiewaffen der Regierung des Präsidenten Baschar al-Assad und indirekt auch Russland vor. Moskaus Initiative zur Entsendung von OPCW-Experten nach Syrien, die die Situation unmittelbar in der Stadt Chan Scheichun und auf dem syrischen Flugplatz Schairat überprüfen sollten, wurde abgelehnt. Ignoriert wurde auch die Forderung, dass die Mitglieder des zuständigen OPCW-Ermittlungsgremiums aus verschiedenen Ländern der Welt kommen sollten, so dass sich daran nicht nur westliche Vertreter beteiligen.

    Das alles lässt schlussfolgern, dass es nicht nur in der Nato, sondern auch in anderen internationalen Strukturen, die de facto von den USA kontrolliert werden, kaum noch Spezialisten gibt, die in der Lage sind, frei zu denken und ihre eigene Meinung zu haben.

    Zudem wurde jüngst aus Quellen in Brüssel bekannt, dass in der Nato inzwischen Experten mit guten Russisch-Kenntnissen bzw. mit Kenntnissen über Russland im Allgemeinen nicht gerade willkommen sind. In Brüssel scheint man zu glauben, dass sie sich sonst der „russischen Propaganda“ leichter aussetzen ließen.

    Angesichts dessen ist es vielleicht auch nicht so schlecht, dass Nato-Vertreter zur Moskauer Sicherheitskonferenz nicht kommen werden. Denn es hat wohl kaum Sinn, mit jemandem zu sprechen, der gar nicht daran interessiert ist, die Gegenseite zu verstehen.

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    Tags:
    Widerstand, Konflikt, Militarisierung, OPCW, NATO, USA, Westen, Russland
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