16:28 17 Februar 2020
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    Sollte der von Moskau und Ankara anvisierte Raketendeal letztlich wirklich zustande kommen, ist das eine politische Sensation. Dies schreibt die russische „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan soll sich Anfang Mai in Sotschi mit seinem russischen Amtskollegen Präsident Wladimir Putin treffen. Auf der Tagesordnung steht natürlich auch die Syrien-Regelung. Allerdings wird bei dem Treffen auch ein weiteres Thema besprochen – der Kauf von russischen Abwehrraketen des Typs S-400 für die türkische Armee.

    Die Beziehungen zwischen der Türkei und Russland wandeln sich in letzter Zeit in eine pragmatische Partnerschaft zur Regelung regionaler Probleme, wie die Zeitung weiter schreibt. Dies werde durch das angespannte Verhältnis zwischen Erdogan und den EU-Staats- und Regierungschefs außerdem weiter forciert.

    S-400-Deal: Türkei integriert russische Abwehrraketen nicht in Nato-Schild

    Beim jüngsten Verfassungsreferendum sendete Erdogan ein eindeutiges Signal an die EU und vor allem an Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass Ankara auch noch einen weiteren Volksentscheid abhalten könnte – über die künftige Ausrichtung der Türkei: weiter im Westen oder eine Kehrtwende gen Osten. Vor diesem politischen Hintergrund erscheint die Frage über einen möglichen Erwerb russischer S-400-Systeme besonders interessant.

    Bekannt ist, dass die Türkei keine Langstrecken-Flugabwehr hat – seit 1952 ist die Türkei Nato-Mitglied, die Flugabwehrsysteme der Allianz schützen das Land vor äußeren Bedrohungen. Unter Erdogan allerdings änderte sich die Situation.

    2015 kündigte Ankara erstmals die Pläne der Ankäufe von Flugabwehrsystemen und taktischen Raketenkomplexen an. Damals zeigte die Türkei Interesse an chinesischen Angeboten der Firma CPMIEC, es wurde eine Ausschreibung gestartet. Dennoch kam es zu Problemen bei der Übergabe der Technologien, zudem stand die Firma wegen Kooperation mit Syrien, dem Iran und Nordkorea auf der Sanktionsliste der Nato. Die Ausschreibung wurde gestoppt.

    Das Problem des Aufbaus eines eigenen nationalen Flugabwehrsystems spitzte sich im August 2015 zu, als Deutschland und die USA ohne Angabe von Gründen ihre Patriot-Raketen aus der Türkei abzogen. Die südliche Grenze der Türkei blieb ungeschützt. Ankara bezeichnete das Vorgehen der Verbündeten Deutschland und USA als unfreundlich.

    Mehr zum Thema: Erdogan will mit Putin persönlich über Kauf von S-400-Raketen sprechen

    Nach den tragischen Ereignissen vom 24. November, als ein russischer Su-24 an der Grenze zu Syrien abgeschossen wurde, brauchte die Türkei dringend ein Flugabwehrsystem gegen eine mögliche russische Bedrohung. Das türkische Verteidigungsministerium wandte sich an Deutschland mit der Bitte, bei der Beschaffung zu helfen. Allerdings nutzte Berlin diese Bitte nur als Möglichkeit, um die türkischen Führung politisch zu erpressen. Die Türkei verlor daraufhin alle Illusionen – es lag auf der Hand, dass sich die Situation stark geändert hat und die Nato kein Sicherheitsgarant mehr ist.

    Nach dem Putschversuch am 15. Juli wurde bekannt, dass an der Verschwörung Offiziere und Generäle des Nato-Luftwaffenstützpunktes in Incirlik beteiligt waren und der Putsch angeblich von der Administration des damaligen US-Präsidenten Barack Obama unterstützt wurde. Erdogan bekam die Gelegenheit, die Beziehungen zu Russland zu normalisieren. Mittlerweile wird dieser Prozess abgeschlossen, zwischen Ankara und Moskau entsteht eine strategische Partnerschaft.

    Am 10. März trafen sich Erdogan und Putin in Moskau. Damals erklärte der türkische Präsident erstmals offiziell die Bereitschaft, russische S-400-Systeme zu kaufen. Der Generaldirektor der russischen Staatskorporation Rostec, Sergej Tschemesow, teilte daraufhin mit, dass Moskau und Ankara über einen Kredit für den Kauf russischer Waffen verhandeln, darunter die neuesten Flugabwehrsysteme des Typs S-400 Triumph. Danach berichtete der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik, dass die russischen Flugabwehrsysteme nicht in das Nato-System integriert werden.

    Infografik: Technische Daten der S-400-Abwehrraketen

    Falls der Deal zustande kommt, wird das eine wahre politische Sensation. Bekannt ist, dass der Kreml diese Flugabwehrsysteme bislang niemandem außer China verkauft hat.

    Aber warum sollte Russland dann nun S-400-Komplexe an Ankara verkaufen? Erstens ist es ein starker Zug in der Propaganda gegen die Nato. Zudem wird Moskau damit Voraussetzungen für eine strategische Kooperation mit der Türkei im militärtechnischen Bereich schaffen, was eine Herausforderung für die Allianz darstellen werde.

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    Tags:
    S-400, Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan, Türkei, Russland