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09:20 23 Oktober 2019
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    Russlands Präsident Wladimir Putin und der japanische Premier Shinzo Abe

    Abe braucht Inseln, Putin - japanische Investitionen

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    Moskau und Japan haben den Friedensvertrag bis auf einige Punkten abgestimmt. Beim heute beginnenden Moskau-Besuch des japanischen Premiers Shinzo Abe wird er allerdings noch nicht unterzeichnet, schreibt die russische Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Donnerstag.

    Abe hat demnach kaum Chancen, den russischen Präsidenten Wladimir Putin von der Lockerung seiner strikten Haltung zu den Südkurilen-Inseln zu überzeugen. Deswegen wolle der japanische Premier seine Anstrengungen auf ihre gemeinsame Erschließung und Besuche durch Japaner richten. Dies würde Tokio zufolge den Weg zur künftigen Übergabe der Inseln ebnen. Moskau sei seinerseits an der Teilnahme des Nachbarn an der Entwicklung des Fernen Ostens interessiert, merkt das Blatt an.

    Wie die Zeitung „Nikkei Asian Review“ indes berichtet, besteht der Sinn des Kurses Tokios darin, die Verhandlungen zur territorialen Frage durch die Vertiefung der bilateralen Wirtschaftskooperation zu fördern. Es sollen 20 Vereinbarungen zu staatlichen und privaten Projekten unterzeichnet werden.

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    Im Dezember 2016 bestimmte die japanische Seite bei Putins Japan-Besuch acht Kooperationsprojekte. Die Memoranden, die diesmal unterzeichnet werden sollen, sind vor allem mit der Stadtentwicklung und Pharmazie verbunden. Ein Projekt betrifft die Regelung der Verkehrsströme in Woronesh. Der Signalanlagen-Hersteller Kyosan Electric wird ein vorläufiges Abkommen mit den lokalen Behörden darüber unterzeichnen, wie man Staus auf den Straßen reduzieren kann. Es werden Kontrollmechanismen implementiert, die den Verkehrsstrom automatisch regeln sollen, wodurch die Staus um 20 Prozent abnehmen können.

    Die Staatliche Universität Woronesh und der Baustofflieferant Nice werden Partner bei der Förderung von energiesparenden Materialien im Wohnungsbau.

    Im Bereich Pharmazie soll der Konzern Mitsui&Co ein Memorandum  mit der russischen Firma R-Pharm unterzeichnen. Mitsui kauft einen Anteil der russischen Firma, um das eigene Apothekennetz im Ausland zu erweitern. Der Anteil der japanischen Seite wird auf rund 90 Millionen US-Dollar geschätzt.

    Wie die „Deutsche Welle“ berichtet, belastet der Territorialstreit die bilateralen Beziehungen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und verhindert die Unterzeichnung eines Friedensvertrags. Doch während Putin in Bezug auf die Souveränität unnachgiebig sei, habe Abe mehr Chancen, ihn in Bezug auf die gemeinsame wirtschaftliche Erschließung der Inseln zu beeinflussen.

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    Laut dem russischen Fernost-Experten Viktor Pawljatenko soll der Text des Vertrags de facto vorbereitet sein. Allerdings gebe es Kontroversen bei einigen Punkten, die den Abschluss des Vertrags behindern. „Das Thema der bevorstehenden Verhandlungen kann in zwei Blöcke geteilt werden – bilateral und international. Im bilateralen Block soll es wohl um Öl und Gas gehen. Seit langem wird die Verlegung einer Sachalin-Japan-Pipeline besprochen, die am Flüssiggaswerk Sachalin-2 beginnen soll. Aber wollen die Japaner dieses Projekt wirklich umsetzen? Derzeit stehen Japan und China in einem harten Wettbewerb um den Bau eines Flüssiggaswerks in Malaysia“, so Pawljatenko.

    In Bezug auf eine gemeinsame Erschließung der Kurilen-Inseln sei kein Fortschritt zu erwarten. Es werde wohl nur eine Fluglinie zwischen Japan und den Kurilen-Inseln im Rahmen eines humanitären Projekts eröffnet, damit die Gräber der ehemaligen japanischen Einwohner von ihren Verwandten besucht werden können, so Pawljatenko.

    Was die internationalen Themen betrifft, so wird offenbar Nordkorea im Mittelpunkt stehen. Die Japaner befürchten, dass Nordkorea große Fortschritte beim Bau von Raketentriebwerken erreicht hat. Japan will Russland zur Regelung der Korea-Krise mit heranziehen. Laut Tokio ist Russland eine ebenso wichtige Kraft wie China und sollte deshalb die Stabilisierung der Lage fördern, so der Experte.

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    Wladimir Putin, Shinzo Abe, Kurilen, Japan, Russland