22:33 25 September 2020
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    Die USA nehmen anscheinend Abstand von der Idee eines Präventivschlags gegen Nordkorea und setzen nun auf einen wirtschaftlichen und politischen Druck gegen das Regime in Pjöngjang, wie am Freitag die Zeitung „Iswestija“ schreibt.

    Am Mittwoch fand im Weißen Haus eine geschlossene Sitzung zu Nordkorea unter Teilnahme von 100 Senatoren, US-Außenminister Rex Tillerson, Verteidigungsminister James Mattis, dem Direktor der Nationalen Nachrichtendienste, Dan Coats, und  dem Vorsitzenden des Vereinigten Generalstab der Streitkräfte, Joseph Dunford, statt. Über einen Präventivschlag wegen der Raketen- und Atomtests Nordkoreas, mit denen Washington Kim Jong-un noch vor kurzem drohte, wurde bei dem Treffen nicht gesprochen. Stattdessen setzt die Trump-Administration nun „auf die Taktik der Verschärfung von Wirtschaftssanktionen und auf die Umsetzung diplomatischer Maßnahmen mit den Verbündeten und regionalen Partnern“, um Nordkorea unter Druck zu setzen.

    Das passt wohl zur Logik der Erklärungen, die Tillerson in Moskau machte. Nach Angaben von „Iswestija“-Quellen sicherte Tillerson während seines jüngsten Russland-Besuchs zu, dass Washington keinen Präventivschlag gegen Nordkorea plane, aber Provokationen seitens Pjöngjangs nicht dulden werde.

    Laut Jenny Town, der stellvertretenden Direktorin des US-Korea-Institutes der Johns Hopkins School of Advanced International Studies, ist die Gefahr eines solches Schlags für alle offensichtlich, darunter auch für Washington. „Die US-Administration sagt zwar, dass die strategische Geduld am Ende sei, man versteht aber, wie riskant ein Präventivschlag gegen Nordkorea ist. Ich denke nicht, dass die US-Administration auf diese Risiken eingehen wird“, so Town.

    Allerdings können die Amerikaner auch nicht untätig sein. Pjöngjang spricht offen von Arbeiten an einer ballistischen Interkontinentalrakete, in deren Aktionsradius das Territorium der USA liegen soll.

    Bereits im Januar sagte Trump, dass die USA in Bezug auf das Nordkorea-Problem alleine vorgehen werden, falls China bei der Lösung des Raketen- und Atomproblems Nordkoreas nicht helfen wird. Danach wurde von einem möglichen Präventivschlag gegen Pjöngjang gesprochen, wonach ein US-Flugzeugträger vor die Koreanische Küste verlegt wurde. Das alles erfolgte vor dem Hintergrund der Spekulationen um einen baldigen sechsten Atomtest Nordkoreas.

    „Die Amerikaner wollen die Nordkoreaner einschüchtern, wobei die nordkoreanischen Methoden der gut inszenierten Hysterie genutzt wird. Zudem sollen auch die Chinesen Angst bekommen, die in der Region drei Prioritäten haben – Stabilität, Teilung der Koreanischen Halbinsel und ihre Entnuklearisierung. Sie wollen keinen Konflikt auf der Koreanischen Halbinsel“, sagte der Experte der Kookmin University in Seoul, Andrej Lanjkow.

    Der Kalkül der USA hat wohl funktioniert. Pjöngjang führte keinen neuen Atomtest durch, obwohl Satelliten bereits Anfang April  fixiert haben, wie Geschosse in ein Silo gebracht wurden. Der Test hätte wohl zum Jahrestag der Geburt von Kim il-Sung am 15. April oder zum 85. Jahrestag der Gründung der Koreanischen Volksarmee in dieser Woche durchgeführt werden sollen.

    Darüber hinaus hat sich China offenbar dazu entschlossen, Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea zu verhängen – es geht unter anderem um ein Energie-Embargo.

    In den vergangenen zehn Tagen wurden die Brenn- und Schmierstoffe in Nordkorea um 80 Prozent teurer. Demnach gibt es große Probleme mit den Lieferungen aus China. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass die nordkoreanischen Tankschiffe, die Dieselkraftstoff und Benzin aus China brachten, in letzter Zeit im Nachbarland nicht mehr aufgetaucht waren.

    Es sei zu erwarten, dass Nordkorea den Weg der Entwicklung von Atomwaffen weiter beschreiten werde, solange die Situation in der Region angespannt bleibe und von Verhandlungen keine Rede sein könne. Wahrscheinlich sei auch die Durchführung des sechsten Atomtests, doch der genaue Zeitpunkt sei nicht bekannt, so Town.

    Laut dem russischen Außenministerium sollte Pjöngjang weiterhin unter Druck gesetzt werden, um das Problem auf friedlichem Wege zu lösen. Zudem werde angestrebt, die Senkung der militärischen Aktivitäten der USA und ihrer Partner in dieser Region zu erwirken.

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