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    Nato-Truppen in Afghanistan

    Warums sich Moskau und Washington Afghanistans Sicherheit nicht teilen

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    Von Kommersant
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    Zwischen Russland und den USA ist es in letzter Zeit zu einem verbalen Schlagabtausch wegen der Situation in Afghanistan gekommen, wie die russische Zeitung "Kommersant" am Freitag schreibt.

    Im Rahmen der am Donnerstag in Moskau zu Ende gegangenen internationalen Sicherheitskonferenz räumte der Leiter des russischen Auslandsnachrichtendienstes (SWR), Sergej Naryschkin, ein, dass es zwischen den Seiten große Kontroversen wegen der Ereignisse am Hindukusch gebe.

    Zum jüngsten Abwurf der so genannten „Mutter aller Bomben“ der USA auf die afghanische Provinz Nangarhar, die dem Pentagon zufolge gegen Stellungen des so genannten „Islamischen Staates" (IS, auch Daesh) gerichtet gewesen sei, sagte Naryschkin, er habe Zweifel daran, dass diese Superbombe ihre Ziele erreicht hätte. „Was wir in Afghanistan bislang sehen, ist lediglich eine mit niemandem abgesprochene Demonstration der Stärke“, betonte er.

    Außenminister Sergej Lawrow hatte zuvor bei der Eröffnung der Konferenz dem US-Militär „lügnerische und unprofessionelle Erklärungen“ vorgeworfen, nachdem Washington behauptet hatte, Moskau hätte insgeheim die Taliban mit Waffen versorgt.

    Der Chef der Hauptaufklärungsverwaltung im russischen Generalstab, Igor Korobow, verwies seinerseits darauf, dass die Amerikaner während ihrer mehr als 15-jährigen Kriegskampagne am Hindukusch  die Terroristen nicht bezwingen konnten, aber de facto den Afghanen „schwierige innenpolitische Probleme, eine zerstörte Wirtschaft, ein schwaches Sozialwesen und den zigfach gewachsenen Drogenumsatz hinterlassen haben“.  „Ob die ursprünglich gestellten Ziele erreicht wurden? Nein – in vielerlei Hinsicht ist die Situation nur noch schlimmer geworden“, so der hochrangige Militär. Zugleich führte er an, dass 2016 in Afghanistan mehr als 10.000 Militärs und mehr als 11.000 Zivilisten ums Leben gekommen seien. 

    Korobow räumte ein, dass sich die Situation am Hindukusch in absehbarer Zeit nicht verbessern werde, unterstrich aber, dass Russland immer die Zentralregierung in Kabul unterstützt habe und dies auch weiterhin tun werde.

    In den letzten Wochen hatten sich US-Vertreter gleich mehrere antirussische Eskapaden geleistet. So lehnte Außenminister Rex Tillerson während seines Moskau-Besuchs die Einladung zu einer internationalen Konferenz zu Afghanistan ab, die am 14. April in Moskau stattfand. Dabei wurde ausgerechnet an diesem Tag die „Mutter aller Bomben“ auf Afghanistan abgeworfen.

    Danach besuchten der Sicherheitsberater Trumps, Herbert McMaster, und Pentagon-Chef James Mattis innerhalb von wenigen Tagen Kabul, wobei sie Moskau vorwarfen, die Taliban mit Waffen zu versorgen. Diesen Beschuldigungen schloss sich auch der Befehlshaber der US- und Nato-Kräfte am Hindukusch, General John Nicholson, an.

    Auffallend ist, dass die Amerikaner unter dem ehemaligen Präsidenten Barack Obama Russland niemals so etwas wie die Unterstützung der Taliban vorgeworfen hatten. Damals galt Moskau als Partner der USA bzw. der Nato beim Afghanistan-Einsatz. Nun aber scheint sich die Situation verändert zu haben.

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    Tags:
    Konfliktlösung, Moskauer Sicherheitskonferenz, NATO, USA, Russland, Afghanistan