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    Russisch-amerikanische Kontroversen können al-Qaida und IS zusammenbringen

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    Die terroristischen Gruppierungen "Islamischer Staat" und al-Qaida versuchen, ein Bündnis zu schmieden. Die Konsequenz daraus wäre, dass die Terrorgefahr weltweit steigt. Davor warnte der amtierende Generalsekretär der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS), Valeri Semerikow, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag.

    Zuvor hatte der irakische Vizepräsident Ayad Allawi mitgeteilt, dass Vertreter des IS-Führers Abu Bakr al-Baghdadi über die mögliche Vereinigung mit der al-Qaida verhandeln, an deren Spitze aktuell Aiman az-Zawahiri steht.

    Die Chancen auf die „Wiedervereinigung“ sind in der Tat aber eher gering, denn zwischen beiden Gruppierungen gibt es vor allem ideologische Widersprüche.

    Die al-Qaida wird als „Dschihad-Lager“ angesehen, weil sie vor der Zerrüttung  der aktuellen Weltordnung nie die Gründung eines eigenen Staates beansprucht hatte und bereit war, jahrzehntelang für ihre Ziele zu kämpfen, indem sie die Einwohner dieser oder jener Gebiete zur Kooperation nicht zwang, sondern überredete.

    Erwähnenswert ist, wie der Konflikt zwischen der al-Qaida und dem IS begann. Ursprünglich war die syrische al-Nusra-Front quasi die Fortsetzung des IS und wurde von ihm vollständig finanziert. Al-Baghdadi hatte Angst, die Kontrolle über die al-Nusra-Front zu verlieren, rief den „Islamischen Staat im Irak und in der Levante“ aus und schickte zusätzliche Kräfte nach Syrien. Zugleich verlangte er von der al-Nusra-Front, ihm die Treue zu schwören. Der al-Nusra-Führer al-Schulani schwor aber unmittelbar az-Zawahiri die treue – und nicht al-Baghdadi. Das löste die Feindseligkeit zwischen den beiden aus.

    Die al-Qaida suchte allerdings öfter nach Möglichkeiten zur Versöhnung mit dem selbsternannten „Kalifat“. So wurde im Januar 2014 eine solche Initiative geäußert, doch der IS lehnte sie ab, weil der entsprechende Plan keine Unterschiede zwischen den Scharia-Anhängern und der Opposition vorsah, was für den IS aber prinzipiell wichtig wäre.

    Der IS gab also – anders als die al-Nusra-Front – zu verstehen, dass er zur aggressiven und schnellen Eroberung von neuen Territorien neigt. Die al-Qaida blieb weiterhin überzeugt, dass Morde aus religiösen Gründen dem Dschihad nur schaden und Muslime von der Gruppierung abstoßen. Es ist also kein Wunder, dass für unterdrückte Sunniten, die Gegner einer konkreten Macht und Anhänger des „reinen Glaubens“ waren, die einfache und effiziente IS-Ideologie nahe und verständlich war. Zudem verbreitete das „Kalifat“ seine Propaganda sehr erfolgreich im Internet.

    Für die Vereinigung der beiden Terrorgruppierungen gibt es derzeit keine realen militärischen Voraussetzungen. Dennoch ist sie nicht ganz ausgeschlossen. Die entscheidende Rolle könnte die reale Gefahr ihrer Vernichtung spielen, vor allem im Irak und in Syrien. Dazu könnte es kommen, wenn Russland und die USA aus ihren früheren Fehlern die richtigen Schlüsse ziehen und maximal effizient gegen die Terroristen kämpfen werden.

    Zu diesem Zweck müssten Moskau und Washington aber einander vertrauen oder wenigstens der Welt zeigen, dass sie einander vertrauen. Im Grunde sollten sie sich vor allem um eine langfristige Waffenruhe unter Beteiligung der syrischen Oppositionskräfte bemühen, sehr präzise Luftschläge gegen die Stellungen der al-Qaida-Filiale im Westen Syriens versetzen sowie die so genannten „gemäßigten“ Oppositionellen zum selbstständigen Kampf gegen die Radikalen sowie zur gemeinsamen Suche nach Kompromissen stimulieren. Nur so könnte man die sunnitische Bevölkerung unterstützen und auf die eigene Seite ziehen. In allen anderen Fällen werden die Radikalen diesen Kampf gewinnen.

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    Terror, Terrorist, Terrorismus, Al-Nusra-Front, Islamischer Staat, Terrormiliz Daesh, Al-Qaida, Syrien, Irak, USA, Russland