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    Chinesischer TV-Journalist auf dem Tian'anmen-Platz in Peking

    China und Nordkorea im hitzigen Medienkrieg

    © AFP 2019 / Nicolas Asfouri
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    Kommersant
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    Die führenden Medien Chinas und Nordkoreas werfen sich gegenseitig „Sinnlosigkeit“ und „Verrat“ vor. Darin bestehe der aktuelle Medienkrieg der beiden Länder, schreibt die russische Zeitung „Kommersant" am Freitag.

    Die nordkoreanische Zentrale Nachrichtenagentur (KCNA) veröffentlichte jüngst auf ihrer Website einen Beitrag, in der Chinas führende Medien wie „People’s Daily“ und „Global Times“ beschuldigt werden, „zu einer hinterlistigen Verletzung der Unabhängigkeit, der legitimen Rechte und höchsten Interessen Nordkoreas aufzurufen“. In Peking sei man „einfach mit der intensiven Entwicklung des Atomprogramms Nordkoreas unzufrieden. China – nicht Nordkorea – aber war derjenige, der mehrmals die Interessen seines Partners gemein verriet.“

    Das ist bereits der dritte derartige KCNA-Beitrag, in dem chinesische Medien für deren verbale Angriffe gegen Pjöngjang kritisiert wurden, aber der erste, in dem sie konkret benannt wurden. Zum unmittelbaren Anlass wurde ein Artikel von „People’s Daily“, in dem am 30. April Pjöngjang aufgefordert wurde, seine nuklearen Ambitionen aufzugeben, „die in der Region eine tödliche Gefahr für die Sicherheit auslösen“. Zwar wurde gleichzeitig unterstrichen, dass auch die USA und Südkorea zum Teil daran schuld seien, aber vor allem wurde Pjöngjang kritisiert.

    „Beiträge mit Kritik an Nordkorea erscheinen in letzter Zeit fast jeden Tag, und die Antwort der KCNA zeugt davon, dass die Nordkoreaner sie sehr ernst nehmen“, kommentierte der russische Experte von der Universität zu Seoul, Fjodor Tertizki. „Selbst in den 1960er-Jahren, als es zwischen Nordkorea und China an der Grenze richtige Auseinandersetzungen gab, kam es zu keinen medialen Debatten.“

    Die KCNA verwies in ihrem Beitrag darauf, dass es sich die Chinesen nicht gefallen lassen würdem, dass Pjöngjangs Atomtests weniger als 100 Kilometer von der gemeinsamen Grenze entfernt stattfinden, was das Leben der Einwohner der angrenzenden chinesischen Provinzen gefährde. „Aber die USA hatten ihre Strategie zur Dominanz im Asien-Pazifik-Raum viel früher umgesetzt, als Nordkorea den Zugang zu Atomwaffen erhielt, und das Ziel dieser Strategie ist ausgerechnet China.“

    Peking sollte nun ehrlich zugeben, „dass Nordkorea einen riesigen Beitrag zur Verteidigung des Friedens und der Stabilität in China geleistet hat“. Zudem wurden die Chinesen davor gewarnt, „die Stütze der chinesisch-nordkoreanischen Beziehungen unvernünftig zu zerstören und den USA zu gehorchen“, denn dies könnte zu „schrecklichen Folgen“ führen.

    Professor Andrej Lankow von der südkoreanischen Universität Kookmin vermutete seinerseits, dass man diese verbalen Angriffe nicht überschätzen sollte: „Seitens Chinas könnte das eine Aktion für die USA gewesen sein, die Peking mangelhaften Druck auf Pjöngjang vorwerfen. „Andererseits kann ich mich an solche Auseinandersetzungen in der ganzen Geschichte der Beziehungen zwischen beiden Ländern nicht erinnern“, räumte der Experte ein.

    Mitte Februar hatten die chinesischen Behörden den Kohleimport aus Nordkorea verboten, was die im März 2016 verabschiedete Resolution 2270 des UN-Sicherheitsrats vorsieht.  Das führte zu einem wesentlichen Anstieg der Benzinpreise in Nordkorea.

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    Internationale Beziehungen, Informationskrieg, Medien, Global Times, die Agentur KCNA, Nordkorea, China