21:14 15 Juli 2020
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    Der russische Außenminister Sergej Lawrow ist am Dienstag in die USA gereist, wo er sich mit US-Außenminister Rex Tillerson treffen und an einer Sitzung des Arktischen Rates teilnehmen wird, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Die Arktis bleibt eine der wenigen Regionen, in denen Moskau und Washington die Kooperation trotz der akuten Krise in den bilateralen Beziehungen fortsetzen. Dabei werfen sich beide Seiten gegenseitig vor, die Militarisierung der Region anzustreben, obwohl sich Experten sicher sind, dass es nicht zu einem realen Zusammenstoß jenseits des Polarkreises kommen wird.

    Am Donnerstag findet in Fairbanks in Alaska ein Außenministertreffen des Arktischen Rates statt, zu dem neben Russland die USA, Kanada, Norwegen, Dänemark, Schweden, Finnland und Island gehören. Russland wird von Außenminister Sergej Lawrow vertreten, der am Dienstag in die USA gereist ist. Bei einem Zwischenstopp in Washington trifft er sich am Mittwoch mit US-Außenminister Rex Tillerson. Die Chefdiplomaten werden bilaterale Fragen sowie die wichtigsten internationalen Themen (vor allem Syrien) besprechen. In Fairbanks sollen dann die Probleme der Arktis-Region erörtert werden.

    Laut dem Sprecher des US-Staatssekretärs für internationale Zusammenarbeit im Bereich der Umwelt und Wissenschaft, David Balton, halten die USA trotz Meinungsverschiedenheiten bei anderen Fragen die Kooperation mit Russland in der Arktis für erfolgreich. Als Beweis führt Balton die Tatsache an, dass die Außenamtschefs in Fairbanks ein Abkommen über Wissenschaftskooperation annehmen wollen. 2015 weigerte sich der damalige Vorsitzende des Arktischen Rates, Kanada, wegen Auseinandersetzungen um die Ukraine, mit Russland ein rechtlich verbindliches Regierungsabkommen zur Bekämpfung der Ölverschmutzung in der Arktis zu unterzeichnen. Bei den zwei früheren Ratssitzungen (in Island 2011 und in Schweden 2013) waren entsprechende Kooperationsabkommen verabschiedet worden. Somit wird das für Fairbanks vorbereitete Dokument bereits das dritte Arktis-Abkommen sein.

    Allerdings hindert die Kooperation im Arktischen Rat Moskau und Washington nicht daran, sich gegenseitig das Streben nach einer Militarisierung der Arktis vorzuwerfen. Der Commandant of the Coast Guard, Paul Zukunft, sagte am 3. Mai, dass die US-Behörden über die wachsende russische Militärpräsenz hinter dem Polarkreis besorgt sind. Dabei verglich er das Kräfteverhältnis in der Arktis mit einem Schachbrett, und beklagte sich, dass sich die Situation nicht zugunsten der USA entwickeln würde. „Moskau hat alle Figuren auf dem Brett, und wir nur einen Bauern und vielleicht noch einen Turm. Wenn man sich diese Arktis-Partie ansieht, dann setzen sie uns bereits zu Beginn der Partie schachmatt“, sagte Zukunft und erinnerte daran, dass die USA über zwei Eisbrecher (wobei nur einer in der Arktis einsetzbar sei) verfügen würden, Russland indes aber 40 derartige Schiffe besitze.

    Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte einige Tage zuvor darauf verwiesen, dass die Nato ihre Militärinfrastruktur an die russische Grenze in der Arktis vorrückt. „Im Norden Norwegens wurde unmittelbar nahe der russischen Grenze ein Gelände eingerichtet, wo auf Rotationsbasis Nato-Truppen stationiert werden“, so Schoigu. Für Beunruhigung in Moskau sorgen ebenfalls die sich häufenden Militärübungen in der Region. Das nächste großangelegte Manöver soll vom 22. Mai bis 2. Juni in Norwegen stattfinden, an ihm werden 100 Flugzeuge und mehr als 1000 Militärs aus zwölf Ländern teilnehmen. Russland führt seit einigen Jahren auch regelmäßig große Militärübungen im  Polargebiet durch und errichtet dort Militärstützpunkte.

    Allerdings sind Experten der Meinung, dass das Risiko eines ernsthaften Konflikts in der Arktis-Region derzeit gering sei. „Die Arktis wird wirtschaftlich nur gedeihen können, wenn es dort Frieden geben wird. Falls sie sich in ein Konfliktgebiet verwandelt, können ihre wirtschaftlichen Aussichten untergraben werden. Das ist allen Arktis-Anrainerstaaten klar“, sagte Professor Paul Berkman von der Tufts University (USA).

    „Zwischen einigen Mitgliedern des Arktischen Rates gibt es zwar wirtschaftliche und politische Auseinandersetzungen, alle Mitglieder verstehen jedoch, dass die Probleme der Region nur durch Kooperation gelöst werden können“, sagte Professor Douglas Nord von der Universität Umeå (Schweden).

    Mit einem guten Willen der arktischen Staaten rechnen auch die Finnen, die nach dem Treffen in Fairbanks den zweijährigen Vorsitz im Arktischen Rat übernehmen werden. „Bislang wurde nicht zugelassen, dass sich Konflikte in anderen Teilen der Welt auf die Arktis ausdehnen. Die gemeinsamen Anstrengungen sollten darauf gerichtet werden, dass die Arktis in der Zukunft als Gebiet mit einem geringen Konfliktpotential erhalten bleibt“, hieß es im finnischen Außenministerium.

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    Militärbedrohung, Verteidigungsministerium Russlands, NATO, Westen, Arktis, Finnland, Russland