04:49 03 Juni 2020
SNA Radio
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    1510
    Abonnieren

    Der Ausgang der Präsidentschaftswahl in Südkorea war voraussagbar – gewonnen hat der Mitte-Links-Kandidat Moon Jae-in. Die Rechten, die ehemalige Regierungspartei, wurden durch einen Skandal der vorherigen Administration kompromittiert und wechseln nun in die Opposition, wie am Donnerstag die Zeitung „Kommersant“ schreibt.

    Wie wird der Wahlsieg von Moon Jae-in die Beziehungen zwischen Südkorea und den Nachbarn beeinflussen? In Bezug auf Russland sind kaum Veränderungen zu erwarten. Von allen Ländern der Asien-Pazifik-Region, die eindeutig als US-Verbündeten gelten, ist Südkorea Moskau gegenüber am freundschaftlichsten gestimmt. Nach den Krim-Ereignissen nahm Seoul eine neutrale Position im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine ein, seit 2014 gilt Visafreiheit zwischen Russland und Südkorea. Das südkoreanische Außenministerium plant zudem ein Freihandelsabkommen mit Russland. Im Falle einer entsprechenden Initiative zwischen Moskau und Seoul könnte die Visafreiheit von aktuell zwei Monaten auf drei Monate verlängert werden. Im Ganzen werden die Beziehungen ruhig und freundschaftlich bleiben.

    Für die USA ist Moon Jae-in nicht der bequemste Präsident. Bekannt ist seine Äußerung, dass Südkorea lernen müsse, den USA auch mal „Nein“ zu sagen. Zudem ist er gegen die Stationierung des US-Raketenabwehrsystems THAAD in Südkorea.

    In den Beziehungen zu Japan wird es wohl zur Zuspitzung kommen. Die südkoreanischen Linken sind nationalistischer als die Konservativen im Land gestimmt und werden von Japan offenbar Entschuldigungen für den Kolonialismus fordern.

    In den Beziehungen zu Nordkorea wird es wohl zum Tauwetter kommen. Moon Jae-in ist ein Anhänger der Politik der „sonnigen Wärme“, der Kooperation mit Pjöngjang, die darauf gerichtet ist, den eisernen Vorhang einen Spalt weit zu öffnen, der Nordkorea von der restlichen Welt trennt. Doch angesichts der Tatsache, dass gegen Nordkorea umfassende internationale Sanktionen verhängt wurden und Pjöngjang nicht auf sein Raketen- und Atomprogramm verzichten will, wird Moon Jae-in nicht viel unternehmen können. Das positivste Szenario ist jetzt die Wiederaufnahme der Reisen von Südkoreanern in die Grenzgebiete Nordkoreas.

    Was in den Beziehungen zu China passieren wird, ist schwer vorauszusagen, obwohl ein wahrscheinlicher Verzicht Seouls auf die THAAD-Raketensysteme und die Zuspitzung zwischen Peking und Pjöngjang zur Annäherung zwischen Seoul und Peking führen könnten.

    Zusammenfassend kann man sagen, dass Moon Jae-in ein guter Kandidat für Peking, ein nicht sehr guter für Washington und ein Kopfschmerz für Tokio ist. Moskau hat indes weder Anlass zu besonderer Freude noch zu großer Besorgnis.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Neuer südkoreanischer Präsident will Nordkorea besuchen
    Putin gratuliert Moon Jae-in zum Amtsantritt als Präsident Südkoreas
    Südkorea: US-THAAD-Raketenschild schon einsatzbereit – Pentagon
    Nordkorea droht USA und Südkorea mit „verheerendem Schlag“
    Tags:
    Politik, Änderung, Präsidentenwahl, Luftabwehrsystem THAAD, Moon Jae-in, Nordkorea, Südkorea