23:33 22 November 2019
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    Recep Tayyip Erdogan

    Erdogan erwartet von Trump Erklärung zu Kurden

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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wird bei seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump am 16. Mai in Washington offenbar diese Gelegenheit nutzen, um ihm unter vier Augen seine Bedenken und Forderungen im Zusammenhang mit der Syrien-Krise mitzuteilen, schreibt die russische Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Laut der Zeitung erfolgen diese Gespräche vor dem Hintergrund angespannter amerikanisch-türkischer Beziehungen, die durch die wiederaufgenommenen US-Waffenlieferungen an die syrischen Kurden belastet sind. Ankara betrachte sie als Sicherheitsbedrohung, was auch heftige Kritik seitens türkischer Abgeordneter provoziert habe.

    Das Mitglied der Republikanischen Volkspartei, Öztürk Yilmaz, sagte sogar, dass die Tatsache, dass der Beschluss Washingtons während des USA-Besuchs des türkischen Generalstabschefs Hulusi Akar und seines Kollegen zur Vorbereitung des USA-Besuchs Erdogans erfolgt sei, ein ausreichender Grund zur Absage des USA-Besuchs des türkischen Präsidenten wäre.

    Allerdings soll Erdogan entschieden haben, nicht auf die Möglichkeit zu verzichten, dem US-Präsidenten seine Forderungen persönlich mitzuteilen. Die türkischen Behörden haben bereits Drohungen an Washington geschickt. „Die USA haben noch die Chance, die für die Türkei sensiblen Aspekte zu berücksichtigen“, sagte der türkische Premier Binali Yildirim. „Andernfalls wird dies nicht nur die Türkei treffen“. Ein türkischer Beamte sagte gegenüber „The Washington Post“, dass sich Ankara angesichts der Bewaffnung der Kurden das Recht vorbehalte, sein militärisches Vorgehen im Norden Syriens zu intensivieren.

    Pentagon-Chef James Mattis bestätigte beim Treffen mit Yildirim in London die Bereitschaft, seinen Nato-Verbündeten zu schützen. Washington will den Austausch von Aufklärungsdaten mit Ankara im Rahmen des Antiterrorkampfes verstärken. Nach AP-Angaben wollen die USA auf diese Weise ihren Nato-Partner beruhigen.

    „Erdogan wird versuchen, von Trump Erklärungen zu den weiteren Waffenlieferungen an die syrischen Kurden zu bekommen“, sagte der Experte Kirill Semjonow. „Es ist bekannt, dass leichte Schusswaffen und Geräte für Infanteristen dorthin geschickt wurden. Zugleich handelt es sich um die Übergabe gepanzerter Fahrzeuge an diese Einheiten, wie dies bereits unter Obama der Fall war, als den syrischen Kurden Schützenpanzerwagen des Typs Guardian geschickt wurden.“

    Laut dem Experten soll diese Hilfe für die syrischen Kurden als Signal gedeutet werden. „Trump billigte eine weitere Tranche und zeigte damit dem türkischen Präsidenten, dass er trotz freundschaftlicher Beziehungen einem eigenen pragmatischen Kurs in Syrien folgen wird – ungeachtet der besonderen Beziehungen zur Türkei und der Gesten des guten Willens“, so Semjonow. Allerdings sei auch möglich, dass das Weiße Haus den Kurden vor den Gesprächen mit Erdogan absichtlich ausreichend Munition geliefert hat, um dann bei den Verhandlungen mit ihm ein Zugeständnis zu machen und formell auf die weitere Bewaffnung der Kurden im Norden zu verzichten.

    Dem Experten zufolge gibt es im neuen Syrien-Plan der USA Platz für die Türkei. „Doch das Problem besteht hier in der Türkei selbst – sie kann keine eindeutigen Garantien geben, wozu sie in Syrien bereit ist. Die Amerikaner waren bereit, als der Korridor noch offen war, auf die Demokratischen Kräfte Syriens im Rahmen der Operation zur Befreiung von Rakka zu verzichten, doch die Türken hatten es einfach nicht geschafft, dort eine notwendige Gruppierung aufzubauen und al-Bab rechtzeitig einzunehmen. Jetzt sagt die Türkei – ‘Lasst uns nach Rakka’ und schlägt vor, 10.000 bis 12.000 Aufständische dorthin zu schicken, obwohl bekannt ist, dass sich nahe der Stadt Rakka eine Gruppierung der Demokratischen Kräfte Syriens mit mindestens 25.000 Mann plus jeweils 10.000 an den Flanken befindet.“ Dem Experten zufolge sind der Plan und die Forderungen der Türkei in diesem Fall unrealistisch.

    Die militärische Führung der USA verstehe, dass die reale Aufgabe der türkischen Behörden darin bestehe, Dividenden aus der Operation zur Einnahme der syrischen IS-Hochburg herauszuschlagen. „Ihr ist klar, dass die Hauptaufgabe Ankaras der Schlag gegen den kurdischen Faktor in Syrien und nicht die Einnahme von Rakka ist“, sagte Semjonow.

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    Streit, Treffen, Kurden, Waffenlieferungen, Donald Trump, Recep Tayyip Erdogan, Türkei, Syrien, USA