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    Peking umspinnt halbe Welt mit chinesischer Seide

    CC BY-SA 2.0 / Bridget Coila / silk
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    In der kommenden Woche findet bei Peking ein Gipfeltreffen zum Thema „One Belt – One Road“ unter Beteiligung von hochrangigen Politikern aus mehr als 100 Ländern statt, schreibt die Zeitung "Iswestija" am Freitag.

    Russland wird dabei Präsident Wladimir Putin persönlich vertreten.

    Dieses Projekt, das auch als „Neue Seidenstraße“ bezeichnet wird, hatte der chinesische Staatspräsident Xi Jinping im Herbst 2013 initiiert. Dabei geht es um die Entwicklung einer globalen Verkehrsinfrastruktur auf dem Territorium von etwa 60 Ländern in Asien, Europa und Afrika. Dadurch sollten die internationalen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen sowie das multilaterale humanitäre Zusammenwirken gefördert werden. Laut Quellen in Peking haben bereits 47 chinesische Großunternehmen ihre Bereitschaft bekundet, sich an mehr als 1600 Projekten in verschiedenen Ländern zu beteiligen.

    Vor allem verfolgen die Chinesen das Ziel, den Export ihrer Produkte in andere Länder voranzubringen, sodass sich das Reich der Mitte als wichtigster Integrationspol auf der Welt vor dem Hintergrund der antiglobalistischen Stimmungen in den USA etablieren könnte.

    Allerdings werden auch andere Länder dabei wichtige Rollen spielen, unter anderem Russland. Moskau war seinerseits mit der Initiative zur gegenseitigen Anpassung der Eurasischen Wirtschaftsunion und der „Neuen Seidenstraße“ aufgetreten. Im Mai 2015 wurde im Rahmen eines Russland-Besuchs Xi Jinpings eine gemeinsame Erklärung zum Kooperationsausbau auf diesem Gebiet unterzeichnet, und später äußerten Moskau und Peking mehrere gemeinsame Initiativen. Es wurde auch die zuständige bilaterale Kommission gebildet, deren russischer Co-Vorsitzender Vizepremier Igor Schuwalow ist.

    Moskau und Peking planen künftig die Einrichtung einer gegenseitigen Freihandelszone. Zudem könnte auch ein „Wirtschaftskorridor“ zwischen China, der Mongolei und Russland entstehen. Zudem sei die Errichtung von zwei großen Verkehrshubs in der russischen fernöstlichen Küstenregion geplant.

    „Wir brauchen die Integration“, sagte eine Quelle im russischen Außenministerium. „Alle wollen Teilnehmer eines Marktes sein, dessen Regeln unter Berücksichtigung ihrer Meinung festgelegt werden. Bei dem chinesischen Projekt geht es nicht um Expansion, wovor viele früher Angst hatten, sondern um die objektive Realität, denn der Integrationsprozess ist unvermeidlich, und wir müssen uns ihm anpassen.“

    Seit 2015 haben Russland und China im Rahmen der Anpassung der beiden Integrationsprojekte mehrere Kooperationsabkommen auf Gebieten wie Energiewirtschaft, Rohstoffverarbeitung, Öl- und Chemieindustrie, High-Tech, IT und Flugzeugbau unterzeichnet. Unter anderem arbeiten die Seiten an einem neuen Passagierflugzeug und einem schweren Hubschrauber, sagte der China-Experte vom russischen Institut für Fernoststudien, Alexander Larin.

    Bei dem bevorstehenden Gipfel werden die Teilnehmer unter anderem das Thema weiterer chinesischer Investitionen in die Modernisierung der Transsibirischen Eisenbahn und der Baikal-Amur-Magistrale (BAM) in Russland erörtern, vermutete der Experte.

    Obwohl die Chinesen behaupten, es handele sich bei „One Belt – One Road“  ausschließlich um ein Wirtschaftsprojekt, so ist dessen politischer Kontext kaum zu übersehen. So wird der Ministerpräsident Indiens, der gegenüber dem Bau der „Seidenstraße“ durch das umstrittene Gebiet Kaschmir sehr misstrauisch gestimmt ist, dem Gipfel fernbleiben. Auch die westlichen Länder bleiben bezüglich des chinesischen Projekts eher zurückhaltend. So wird Italien das einzige G7-Land sein, dessen Premier am Treffen bei Peking teilnehmen wird.

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    Tags:
    Handel, Wirtschaft, Gipfel, Wladimir Putin, Russland, China