16:00 23 Februar 2020
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    Der türkische Stützpunkt Incirlik, von dem Flugzeuge der Nato-Länder Flüge über die Türkei und den Irak starten, könnte in Zukunft an Bedeutung verlieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel erwägt die Verlegung der Flugzeuge der Bundeswehr von diesem Standort, schreibt die russische Zeitschrift „Expert“ am Mittwoch.

    Damit wird dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ein klares Signal gesendet: Der Westen ist möglicherweise des Strebens Erdogans, ständig Zugeständnisse mit Forderungen und Drohungen herauszuschlagen, überdrüssig, so die Zeitschrift.

    Neben diesen Auseinandersetzungen gibt es zudem Probleme zwischen der Türkei und ihren Nato-Verbündeten um die Situation in Syrien. Für den 1. Juni ist der Beginn der Erstürmung der IS-Hochburg Rakka geplant. Erdogan hat es trotz aller Anstrengungen nicht geschafft, die USA und ihre Verbündeten von der Notwendigkeit einer Einbeziehung der türkischen Truppen in diese Operation zu überzeugen. Die Erstürmung Rakkas mit Unterstützung der Nato-Luftwaffe wird von der Koalition „Demokratische Kräfte Syriens“ angeführt, deren Kern die kurdische Gruppierung YPG bildet, zu der Ankara offen feindlich eingestellt ist.

    Als mögliche Alternative für den Luftwaffenstützpunkt Incirlik betrachte Merkel Jordanien. Laut Berichten haben Vertreter der Bundeswehr bereits acht entsprechende Objekte besichtigt, und zwar drei Stützpunkte in Jordanien, drei in Kuwait und zwei auf Zypern.

    Die Zypern-Variante würde Deutschland am wenigsten passen. Das Land ist kein Nato-Mitglied, gehört nicht zur Koalition gegen den IS, weshalb Deutschland nur zwei britische Stützpunkte in Zypern nutzen kann – Akriotiri und Paphos. Doch das kann zu politischen Schwierigkeiten führen – Zypern gehört zwar nicht der Nato, jedoch der EU an. Das kann Deutschland gewisse Schwierigkeiten wegen des Versuches bereiten, das Land gegen seinen Willen in Kampfhandlungen hineinzuziehen.

    In Kuwait befindet sich ein großer US-Luftwaffenstützpunkt, den die Deutschen nutzen könnten. Doch dieses Land ist weiter entfernt von Syrien als Jordanien. Die jordanische King Hussein Air Base  befindet sich nicht weit von der syrischen Grenze, nahe der Stadt Al Mafraq. Die jordanischen Behörden sind auch deutlich flexibler als die türkischen. Das Land hat keine geopolitischen Ambitionen wie bei Erdogan. Die jordanische Variante gilt wohl als die  aussichtsreichste, falls die Nato auf Incirlik verzichten sollte.

    Rein technisch ist es nicht schwer, die Flugzeuge der Bundeswehr aus der Türkei nach Jordanien zu verlegen. Bis zum 1. Juni könnte das geschafft werden. In Incirlik sind einige deutsche Aufklärungsflugzeuge Tornado und 260 deutsche Soldaten stationiert. Der Abzug der Einheiten anderer Nato-Länder wird mehr Zeit in Anspruch nehmen. Zudem wird Incirlik seit langem als Hub für die US-Streitkräfte genutzt.

    Die USA und ihre Verbündeten würden ihn noch brauchen. Zudem wird der Krieg in Syrien mit dem Fall Rakkas noch lange nicht beendet sein. Es steht noch der Kampf um Deir ez-Zor bevor, in diesem Gebiet sind 40 Prozent des syrischen Öls konzentriert. Falls die Assad-Truppen es schaffen, die Stadt vor den US-Verbündeten einzunehmen, kann Assad seine Positionen festigen. Unter diesen Bedingungen würde Washington die militärische und politische Unterstützung Erdogans brauchen. Allerdings sei eine Nutzung von Incirlik als Druckinstrument nicht möglich, so Merkel.

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    Tags:
    Streit, Truppenabzug, Mandat, Verlängerung, NATO, Recep Tayyip Erdogan, Angela Merkel, Incirlik, Jordanien, Zypern, Türkei, Deutschland, USA