13:02 12 Dezember 2019
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    Trump-Erdogan-Treffen in Washington

    Streitthemen Kurden und Gülen: Erdogan blitzt bei Trump ab

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    Mit seinem Besuch in den USA hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan seine Auslandstour, bei der er auch nach Russland und China reiste, abgeschlossen. Obwohl die Türkei ein Verbündeter der USA ist, war der Dialog mit US-Präsident Donald Trump am schwierigsten, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Erdogan rief Trump dazu, die Unterstützung für die Kurden zu verringern, bekam allerdings keine positive Antwort. Auch mit seiner zweiten Forderung blitzte Erdogans ab – den Prediger Fethullah Gülen auszuliefern,

    Das erste Treffen Erdogans mit Trump war sehr kurz – 20 Minuten. „Uns stehen sehr lange und schwierige Gespräche bevor“, sagte Trump. „Doch ich weiß, dass sie erfolgreich sein werden. Wir hatten sehr gute Beziehungen und wir werden sie noch besser machen. Deswegen steht uns ein sehr prinzipielles und grundsätzliches Gespräch bevor.“ Eine Woche vor dem Treffen wurde berichtet, dass die USA schwere Waffen an kurdische Einheiten in Syrien liefern wollen – sehr zum Entsetzen der Türkei.

    Kurdische Einheiten aus der US-geführten Koalition rücken zurzeit in Richtung Rakka vor. Doch für die Türkei, die eine eigene Operation in Syrien durchführt, ist es unannehmbar, wenn die Kurden zu den Befreiern der Stadt gehören. Ein solches Szenario würde bedeuten, die kurdischen Volksverteidigungseinheiten zu legitimieren, die von Ankara als Terroristen eingestuft werden.

    Vor diesem Hintergrund machte Erdogan vor der Abreise nach Washington eine äußerst scharfe Äußerung und gab zu verstehen, dass die Zukunft der amerikanisch-türkischen Beziehungen aufs Spiel gesetzt wird. „Uns steht das entscheidende Treffen bevor, nach dem wir einen endgültigen Beschluss treffen werden“, sagte Erdogan in Peking. „Wenn wir strategische Partner sind, müssen wir abgestimmte Beschlüsse treffen.“ Er warf der früheren US-Administration den „Verrat der Türkei“ vor und äußerte die Hoffnung, dass dieses Kapitel der Geschichte zusammen mit dem Team Trumps beendet wird.

    „Wir unterstützen die Türkei, die sich an der vorderen Linie des Antiterrorkampfes befindet und gegen Terrorgruppen wie der IS und die Arbeiterpartei Kurdistans kämpft“, sagte Trump nach den Verhandlungen. Als Zugeständnis Trumps an Erdogan lässt sich dies kaum bezeichnen – die USA haben bereits vor langer Zeit die in der Türkei verbotene Arbeiterpartei PKK als Terrororganisation eingeordnet. Trump sprach das Thema Kurden nicht an und ließ keine Zweifel aufkommen, dass Washington Waffen an syrische Kurden liefern wird. Auch die Auslieferung des in den USA lebenden türkischen Predigers Gülen wurde nicht thematisiert.

    „Die Spannungen in den bilateralen Beziehungen gingen zwar nach dem Treffen der Anführer der USA und der Türkei zurück, doch die wichtigste Forderung Ankaras – die syrischen Kurden aufzugeben – ist für Washington nicht umsetzbar“, kommentierte der Politologe Juri Roguljow. „Die Volksverteidigungseinheiten sind eine der kampffähigen Kräfte, die gegen IS kämpfen können. Präsident Erdogan sollte sich damit abfinden, dass das Weiße Haus auch weiter auf sie setzen wird“.

    Der Politologe Wiktor Nadein-Rajewski schätzte ein: „Der USA-Besuch des türkischen Präsidenten führte zwar nicht zum Scheitern, es gab jedoch auch keinen Durchbruch.“ Donald Trump habe zu verstehen gegeben, dass er der türkischen Interpretierung der kurdischen Frage nicht zustimmen wird, die darin bestehe, dass die Arbeiterpartei Kurdistans und die syrischen Kurden die Glieder einer Kette sind.

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    Tags:
    Konflikt, Kurden, Waffenlieferungen, Recep Tayyip Erdogan, Fethullah Gülen, Donald Trump, Syrien, USA, Türkei