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19:34 15 Oktober 2019
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    Der wiedergewählte iranische Präsident Hassan Rohani begrüsst seine Anhänger vor einer TV-Pressekonfernez

    Überraschend klarer Sieg: Iraner wählen Rohani

    © AFP 2019 / Atta Kenare
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    Der Ausgang der Präsidentschaftswahlen im Iran war wider Erwarten ziemlich eindeutig. Gerechnet wurde mit einem erbitterten Kampf und einer Stichwahl, doch Reformer Hassan Rohani gewann mit großem Abstand gegen den Konservativen Ebrahim Raisi, wie die Zeitung „Kommersant“ am Montag schreibt.

    Vor 20 Jahren, im Sommer 1997, stimmte der Iran bei der Präsidentschaftswahl zum ersten Mal dafür, sich nicht als belagerte Festung zu fühlen, den Westen nicht mehr zu reizen und sich über Sanktionen zu freuen nach dem Prinzip – „Wir werden geschlagen und werden stärker“. Damals hatten die Iraner erstmals überraschend für den Theologen und Reformer Mohammad Chatami gestimmt. Sein Sieg wurde zunächst als Zufall und Anomalie, als Ergebnis eines Systemfehlers wahrgenommen.

    Heute ist die Erwähnung des Namens des ehemaligen Präsidenten Chatami de facto verboten – Politiker und führende Medien erinnern kaum noch daran. Die Bewahrer der iranischen geistlichen Traditionen aus der Revolutionsgarde und anderer Institutionen taten alles, um eine Wiederholung des iranischen Umbaus zu verhindern.

    Die iranischen Konservativen hatten wohl alle Chancen auf eine Revanche. Hassan Rohani erreichte zwar während seiner ersten Amtszeit 2015 den historischen Atomdeal mit der Sechser-Gruppe, seine schwache Stelle war aber die Wirtschaft. Seine Amtszeit war gekennzeichnet durch Armut, Mangel an Arbeitsplätzen, hohe Inflation und eine grassierende Korruption.

    Der unter Rohani erreichte Erfolg (Atomdeal) in der internationalen Arena ist zwar wichtig, doch satt wird man davon nicht. Zumal der neue US-Präsident Donald Trump im Iran keine Veränderungen sieht und versucht, die alte amerikanische These wiederzubeleben, dass alle Probleme der Welt mit dem Iran verbunden sind. Diese These erwies sich als ziemlich lebendig seit der Islamischen Revolution 1979, als iranische Studenten die US-Botschaft in Teheran stürmten und die Supermacht weltweit demütigten. Es scheint, dass dieses Land in dieser Situation einen starken Anführer braucht, der die Wirtschaft in Ordnung bringen und dem äußeren Feind eine Abfuhr erteilen kann, indem man wieder zum Motto „Tod für Amerika“ greift.

    Allerdings stimmten die Iraner wieder für Hassan Rohani. Das Land, das die Dogmen der islamischen Revolution fallen lässt, will nicht die historische Perspektive verlieren und in die belagerte Festung zurückkehren.

    Der Iran stimmte dafür, anders zu sein – nicht wie ihn die islamischen Konservativen und Präsident Trump sehen.

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    Sieg, Kommentar, Präsidentenwahl, Hassan Rohani, Iran