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    US-Präsident Trump in Saudi-Arabien

    Mit saudischen Augen: Trump übernimmt antischiitische Allianz

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    Geht es nach US-Präsident Donald Trump, kommt der Iran niemals in den Besitz von Nuklearwaffen. Diese Position des Weißen Hauses thematisiert die russische Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Trump bezeichnete den Abschluss des Atomdeals mit Teheran durch die vorherige US-Administration als schrecklich. Die iranischen Behörden sollten Obama dankbar sein, so Trump bei einem Treffen mit dem Premier Israels, Benjamin Netanjahu, in Jerusalem. Zuvor hatte Trump Saudi-Arabien besucht, wo Maßnahmen zum Kampf gegen den internationalen Terrorismus besprochen wurden.

    Die Ergebnisse der ersten – saudischen – Etappe der Auslandstour Trumps sind laut dem russische Blatt beeindruckend. Trump hat mit den Saudis nicht nur Rüstungsverträge im Wert von bis zu 350 Milliarden US-Dollar abgeschlossen, sondern leitete auch das Projekt einer neuen militärpolitischen Allianz im Nahen Osten ein – der so genannten „Arabischen Nato“. Die USA gehören zwar formell nicht zu dieser Allianz, leiten sie aber de facto, indem sie Ziele und Aufgaben des neuen Bündnisses bestimmen, welches das Kräfteverhältnis in der Region und das existierende System der Checks und Balances ändern kann.

    Zur „Arabischen Nato“ sollen mehr als 40 Staaten gehören – nicht nur arabische, sondern auch solche regionale Schwergewichtler wie das nukleare Pakistan. Anders ausgedrückt: Diese Allianz ist eine Art „islamische“ oder „sunnitische Nato“, denn das Hauptziel der Organisation ist die Bekämpfung des schiitischen Islams.

    Der Berater des US-Präsidenten für Nationale Sicherheit, Herbert McMaster, bezeichnete die Mission der neuen Allianz als „Kampf gegen den Islamischen Staat, Al-Qaida, den Iran und das Assad-Regime“.

    Damit wird Teheran, mit dem der frühere US-Präsident Barack Obama verhandelte und der sich allmählich aus der internationalen Isolierung befreite, für Trumps Team erneut ein potentieller Gegner. Das Land wird mit der Terrormiliz Islamischen Staat (IS, auch Daesh) und der Al-Qaida auf eine Stufe gestellt, die vor 16 Jahren die Anschläge auf die New Yorker Zwillingstürme verübt hatte.

    Das aber war kein schiitischer Terrorismus, sondern sunnitischer – genauer gesagt saudischer. Am 11. September 2001 waren 15 der 19 Flugzeugentführer Staatsbürger Saudi-Arabiens, das heute der Hauptverbündete Trumps in der Region ist. Allerdings erinnert sich Washington nicht gerne an diesen Umstand – ebenso wie an die Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien. Dazu gehört auch der Krieg mit vielen zivilen Opfern, der von Saudi-Arabien im Jemen entfacht wurde.

    Aus der Sicht Trumps hat dieser Krieg ein gerechtfertigtes Ziel – den Einfluss schiitischer Aufständischer und des hinter ihnen stehenden Teherans einzuschränken. Auch in Syrien besteht dasselbe Ziel. Assad ist der Feind, weil er in einem Lager mit den iranischen Ayatollahs stecken soll.

    Unter Trump betrachtet Washington den Nahen Osten mit saudischen Augen. Für Saudi-Arabien ist der größte geopolitische, ideologische, existentielle Konflikt – die Bekämpfung des schiitischen Islams. Jetzt traten die USA de facto in diesen Krieg ein und inspirierten und führen die antischiitische Militärallianz an.

    Diese von der US-Außenpolitik forcierte Entwicklung im Nahen Osten wird wohl nichts Gutes bringen. Wie auch die russisch-amerikanischen Beziehungen. Moskau erwies sich im syrischen Konflikt wie im Nahen Osten im Ganzen  de facto im schiitischen Lager, zusammen mit Teheran und Damaskus. Das bedeutet, dass eine Situation entstehen kann, bei der Moskau dem neuen US-Präsidenten Widerstand leisten muss. Das wird die Verbesserung der Beziehungen noch mehr erschweren.

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    Tags:
    Waffenlieferungen, Al-Qaida, Terrormiliz Daesh, Donald Trump, Israel, USA, Saudi-Arabien