02:49 18 August 2018
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    Donald Trump bei dem Treffen mit Jens Stoltenberg am 12. April

    Nato-Tag in Brüssel: Trump untersucht die Ängste der Allianz

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    Nesawissimaja Gaseta
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    In Brüssel beginnt am Donnerstag ein Nato-Gipfel, der unter schwierigen Umständen verlaufen wird, wie die russische Zeitung „Nesawissimaja Gaseta" am Donnerstag schreibt.

    US-Präsident Donald Trump
    © REUTERS / Kevin Lamarque
    Die Tagesordnung werden höchstwahrscheinlich der jüngste Anschlag in Manchester sowie der gestrige Versuch der Türkei, die Kooperation des Bündnisses mit Österreich zu blockieren, beherrschen. „Die Teilnahme an den Nato-Programmen sieht vor allem die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zu den Mitgliedsländern der Allianz vor“, sagte eine diplomatische Quelle in Ankara gegenüber der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. „Aber Wien ignoriert seit einiger Zeit dieses Prinzip, indem es auf einer voreingenommenen und destruktiven Position gegenüber der Türkei im Rahmen verschiedener internationaler Strukturen, darunter der EU, steht.“ Allerdings gab die Nato-Führung bereits zu verstehen, dass die Kooperation mit Österreich trotz des türkischen Vetos fortgesetzt werde.

    Die größte Frage des Gipfels ist aber, inwieweit sich US-Präsident Donald Trump, der zu den Teilnehmern gehört, positiv zum Bündnis verhalten wird. Die Befürchtungen der Nato-Mitglieder sind ja auch nicht nur mit den Verpflichtungen der USA verbunden, sondern auch mit der Involvierung der Allianz in diverse langfristige Kriegseinsätze im Ausland. So fürchten Deutschland und Frankreich laut AFP-Quellen, dass die Irak-Kampagne sich in die Länge ziehen könnte. Unklar ist auch die Situation in Afghanistan, wo Washington sein Kontingent auf eigene Initiative ausbauen will.

    Laut einer Umfrage der US-amerikanischen Forschungsfirma Pew unter 10.000 Einwohnern der USA, Kanadas, Deutschlands, Frankreichs, der Niederlande, Polens, Spaniens und Großbritanniens rechnen die europäischen Nato-Mitglieder nach wie vor damit, dass die Amerikaner ihre Partner im Falle eines potenziellen Konflikts mit Russland unterstützen würden. In Deutschland und Frankreich beispielsweise zeigten sich jeweils 65 und 60 Prozent der Befragten davon überzeugt. In Polen lag diese Zahl bei 57 Prozent.

    Auffallend ist allerdings, dass nur 40 Prozent der deutschen Bundesbürger begrüßen würden, wenn ihr Land im Falle des Konflikts mit Russland militärische Gewalt anwenden würde, um einen Verbündeten im Rahmen der Nato zu unterstützen. In Frankreich und Polen antworteten jeweils 53 und 62 Prozent positiv auf diese Frage.

    „Nato-Beamte machen sich Sorgen darum, was Trump sagen und tun wird“, sagt der Direktor des Zentrums für militärpolitische Analysen beim Hudson-Institute, Richard Weitz. „Unter anderem erwarten sie, dass Trump ihnen erzählt, dass sie mehr Geld für Verteidigungszwecke ausgeben sollten. Allerdings sehen sie ein, dass Trump nach seinem Präsidentschaftswahlsieg näher zur Allianz gerückt ist, dass er die Nato nicht mehr als veraltet bezeichnet und nicht mehr sagt, die Amerikaner würden ihre Verpflichtungen im Sicherheitsbereich zwecks Verteidigung ihrer Verbündeten nicht erfüllen.“

    „Die Nato-Partner der USA haben Angst vor Trump“, meint seinerseits Professor Anders Aslund von der Georgetown University. „Sie vertrauen ihm tatsächlich nicht, obwohl niemand das laut sagt. Stattdessen versuchen sie, Trump zu überzeugen, dass sie gute Freunde und zuverlässige Verbündete sind, ohne ihm zu widerstehen. Die Nato-Länder wissen den US-Verteidigungsminister James Mattis, den Sicherheitsberater des Präsidenten, Herbert McMaster, und den US-Außenminister Rex Tillerson sehr zu schätzen und bemühen sich um gute Beziehungen mit diesen Personen. Aber sie wissen auch, dass ausgerechnet der Präsident am Ende des Tages alles entscheidet.“

    Tags:
    NATO-Gipfel, NATO, Donald Trump, Brüssel, USA
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