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01:04 23 September 2019
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    Ölpumpe in Nord Dakota, USA (Archivbild)

    Öl hat noch neun Monate Zeit

    © AP Photo / Eric Gay
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    Die OPEC und weitere zehn Länder haben beschlossen, das Abkommen zur Beschränkung der Ölförderung um weitere neun Monate zu verlängern, und zwar bis Ende März 2018, schreibt die "Rossijskaja Gaseta" am Freitag.

    Am Vortag hatte der Beobachtungsausschuss, an dem mehrere Minister aus den OPEC-Ländern und der russische Energieminister Alexander Nowak beteiligt sind, allen am „Ölpakt“ beteiligten 22 Ländern dazu geraten, wie der saudi-arabische Energieminister Haled al-Faleh dieser Tage mitteilte.

    Nach dieser Nachricht rutschte der Ölpreis abrupt ab: Ein Barrel der Ölsorte Brent schrumpfte nach wochenlangem Anstieg auf einmal von 54,6 auf weniger als 51 Dollar.

    Haled al-Faleh ist der Meinung, dass sich Nachfrage und Angebot bis zum ersten Quartal 2018 ausgleichen sollten. Das stimmt grundsätzlich mit den Einschätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) und des russischen Energieministeriums überein. Für Ende November sei ein weiteres Treffen des Beobachtungsausschusses anberaumt – parallel mit einer OPEC-Sitzung, kündigte der saudi-arabische Minister an. Dabei solle entschieden werden, ob zusätzliche Maßnahmen nötig seien, um den Markt zu beeinflussen.

    Inzwischen haben Länder wie Ägypten und Turkmenistan ihr Interesse an der Beteiligung am „Ölpakt“ zum Ausdruck gebracht. Zuvor hatte der ägyptische Minister für Öl und Naturressourcen, Tarek El-Mullah, erläutert, sein Land könnte nur ein Beobachter sein, der kein Öl exportieren würde – anders als die OPEC. Wie aber der Energieminister Ecuadors, Carlos Perez, gestern sagte, könnten sich im November mehrere Länder dem „Ölpakt“ anschließen, und die ersten Anwärter seien dabei geradeÄgypten und Turkmenistan.

    Von den Verpflichtungen zur Beschränkung der Ölförderung wurden Libyen und Nigeria wegen der instabilen politischen und wirtschaftlichen Situation vorerst befreit. Der Iran darf seine Ölförderung ausbauen, allerdings höchstens bis auf 90 000 Barrel pro Tag.

    Seit Anfang dieser Woche gab die OPEC zu verstehen, dass die Verlängerung des „Ölpaktes“ möglich wäre, und zwar höchstens sogar bis Ende 2018, doch dies bleiben nur Gerüchte. Die Marktteilnehmer glaubten nicht mehr an sie, seitdem der saudi-arabische Minister vor dem Treffen mit den Nicht-OPEC-Ländern mitgeteilt hatte, dass eine weitere Kürzung der Ölförderung nicht mehr nötig wäre und die aktuellen Ölpreise für den Rückgang der globalen Ölvorräte auf den fünfjährigen Durchschnitt, also unter drei Milliarden Barrel, ausreichend wären.

    „Es ist sehr bedauernswert, dass die OPEC keine weiteren Maßnahmen zur Ausbalancierung des Marktes ergriffen hat“, sagte der Petromatrix-Analyst Oliver Jacob. „Die Verlängerung des Abkommens um neun Monate war schon in den aktuellen Preisen berücksichtigt. Diese Reaktion bedeutet, dass die OPEC für den Markt nichts mehr tun kann.“ Viele Experten finden aber, dass das größte Risiko selbst bei der Verlängerung des „Ölpakts“ der gleichzeitige Aufschwung der Ölförderung in den USA wäre. Laut Wood Mackenzie könnte sie bis Frühjahr 2018 um weitere 0,95 Millionen Barrel täglich auf 10,3 Millionen Barrel wachsen. Das würde die Bemühungen der OPEC+ zunichtemachen.

    Manche Branchenkenner finden, dass sich die Situation auf dem Markt schneller stabilisieren würde, wenn es überhaupt keinen „Ölpakt“ gegeben hätte. Aber vorerst ist die Situation so, dass US-amerikanische Schieferölunternehmen sehr intensiv ihre Förderung ausbauen, so dass die Ölpreise wieder schrumpfen könnten. Die OPEC+ hofft jedoch, dass die Nachfrage groß bleiben wird, so dass es nicht zum neuen Preisverfall kommt.

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    Tags:
    Abkommen, Ölförderung, OPEC, Ägypten, Iran, Saudi-Arabien, Russland