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02:27 21 Juli 2019
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    Am Ort des Terroranschlags gegen ägyptische Kopten

    Außen- und Verteidigungsminister Russlands zu Erkundungsbesuch in Ägypten

    © REUTERS / Mohamed Abd El Ghany
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Der russische Außenminister Sergej Lawrow und Verteidigungsminister Sergej Schoigu reisen am Montag zu einem Arbeitsbesuch nach Kairo, um den Ausbau der Kooperation in allen Bereichen der bilateralen Beziehungen und die Hauptprobleme mit Schwerpunkt Naher Osten und Nordafrika zu besprechen. Das schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    Geplant sind Treffen mit Präsident Abdel Fattah el-Sisi, getrennte Gespräche mit dem ägyptischen Außenamtschef und Verteidigungsminister sowie Beratungen im „2+2-Format“. Die Situation in Ägypten sowie in der Region im Ganzen ist alles andere als einfach. Kurz vor dem Besuch Lawrows und Schoigus haben Al-Qaida-Extremisten in der Provinz Minja einen Terroranschlag gegen Kopten verübt, bei dem 35 Menschen ums Leben kamen und mehr als 30 verletzt wurden. Als Antwort flogen ägyptische Kampfflugzeuge einige Bombenangriffe gegen Terroristenlager.

    Der Antiterrorkampf ist von vorrangiger Bedeutung für Ägypten. Seine größte Front hat sich auf der Sinai-Halbinsel gebildet. Angegriffen werden kleine Garnisonen, Polizeireviere, Machtorgane, friedliche Bevölkerung. Terroristen bekommen Unterstützung durch Finanzmittel und Kämpfer unter anderem aus Libyen. Als über der Sinai-Halbinsel im November 2015 ein russisches Flugzeug in die Luft gesprengt wurde, gingen die Einnahmen Ägyptens deutlich zurück. Die Hotels sind bis heute nur zu einem Drittel gefüllt.

    Die Kooperation beim Antiterrorkampf führte zur Annäherung der politischen Positionen Russlands und Ägyptens. Kairo unterstützte die Syrien-Resolutionen Moskaus und zeigte eine ausgewogene Position in Bezug auf den Iran. Es tauchten neue Projekte im Bereich wirtschaftliche und militärtechnische Kooperation auf. Russische Luftlandetruppen nahmen an gemeinsamen Übungen in Ägypten teil. Es wurden der Bau eines AKWs mit Hilfe Russlands, der Zugang der russischen Kriegsschiffe zu ägyptischen Marinestützpunkten und der Ankauf neuer russischer Waffen besprochen. Über den Kauf russischer Hubschrauber für ägyptische Mistral-Schiffe wird verhandelt.

    Allerdings sind die Möglichkeiten Ägypter, die ständig riesengroße Finanz- und Wirtschaftsschwierigkeiten haben, eine völlig selbstständige Politik durchzuführen, begrenzt. Kairo muss zu politischen Manövern greifen, lavieren, nach Kompromissen suchen, um die Hilfe nicht zu verlieren und zugleich eigene Ziele zu erreichen sowie dabei das Gesicht eines der zwei Anführer der arabischen Welt zu wahren.

    Kairo verheimlichte nicht die Freude, sich über die normalisierten Beziehungen zu den USA zu freuen, denen große Bedeutung beigemessen wurde. Neben der Finanzhilfe aus Washington gemäß Camp-David-Abkommen, bekommt Kairo amerikanische politische Unterstützung, die dabei helfen wird, wenn auch nicht der größte, so doch einer der Anführer der arabischen Welt zu werden. Zugleich gefällt es Kairo nicht, dass es in eine neue militärpolitische Allianz hineingezogen werden kann, über deren Schaffung seit mehreren Jahren gesprochen wird. Die praktische Grundlage der Allianz wurde erst bei dem vor kurzem zu Ende gegangenen arabisch-muslimischen Gipfel in Riad gelegt.

    Ägypten wird zweifellos in diese Allianz einbezogen. Kairo hat zu große Bedeutung für die USA und ihre regionalen Verbündeten. Die US-Amerikaner beobachteten immer sehr eifrig, wie sich die Beziehungen zwischen Kairo und Moskau entwickeln. Eine andere Sache ist aber, ob sich etwas Sinnvolles aus der Idee einer „regionalen Nato“ angesichts zahlreicher Widersprüche unter arabischen und muslimischen Ländern ergeben wird. Ägypten wird dann jedenfalls zur Arena eines erbitterten Kampfes um Einfluss zwischen Washington und Moskau.

    In diesem Zusammenhang stellt sich Frage, wie sich Kairo unter diesem Druck verhalten wird. Anscheinend werden Lawrow und Schoigu in Ägypten versuchen, zu erkunden und zu klären, wie weit die Ägypter bei Zugeständnissen gegenüber dem Weißen Haus gehen würden.

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    Tags:
    Rivale, Besuch, Verteidigungsministerium Russlands, Außenministerium Russlands, Sergej Schoigu, Sergej Lawrow, USA, Russland, Ägypten