13:55 15 Dezember 2019
SNA Radio
    Shanghai, China

    Blick aus dem All zeigt: Chinas Wachstum höher als offizielle Zahlen

    © REUTERS / Aly Song
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    11129
    Abonnieren

    Viele Wirtschaftsexperten vertrauen den offiziellen statistischen Angaben Chinas nicht und meinen, dass die Behörden das Wirtschaftswachstum überbewerten. Drei Wirtschaftsexperten kamen jedoch nun zu dem Schluss, dass die Angaben hingegen unterbewertet sind, schreibt die Zeitung „Wedomosti“.

    Mithilfe nächtlicher Satellitenaufnahmen zwischen 1992 und 2013 haben Hunter Clark und Maxim Pinkovskiy von der Federal Reserve Bank of New York und Xavier Sala-i-Martin von der Columbia University die Beleuchtung in verschiedenen Regionen des Landes gemessen. Eine hohe Beleuchtung hängt eng mit einem hohen Bruttoregionalprodukt zusammen. Auf Grundlage der erhaltenen Angaben und statistischen Informationen zu 20 Punkten (aus jeder chinesischen Region) zwischen 2004 und 2013 haben die Wirtschaftsexperten ein eigenes Modell entwickelt.

    Demnach hat sich die Wirtschaft Chinas Ende 2015 zwar deutlich verlangsamt, das Wachstumstempo könne allerdings höher als offizielle Angaben sein. Laut dem Modell befindet sich die Wirtschaft in einer horizontalen und keiner Abschwächungstendenz. Den Experten zufolge wird in statistischen Angaben wohl der wachsende Dienstleistungssektor falsch eingeschätzt.

    Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft wird sich in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr von 6,7 auf 6,6 Prozent verlangsamen, so der Internationale Währungsfonds (IWF). Im ersten Quartal stieg das chinesische BIP um 6,9 Prozent. Das ist das beste Ergebnis seit anderthalb Jahren und vor allem mit einer massiven Kreditexpansion verbunden. Doch das Wachstum der Kredite und der Kapitalabfluss bewegen die Volksbank Chinas zur Verschärfung der Kreditvoraussetzungen, heißt es in einem Bericht der russischen Zentralbank.

    Die Unterschiede bei der Einschätzung der chinesischen Wirtschaft sind groß – von vier bis zu sieben Prozent. Es gebe keine Zahlen, denen man vertrauen könne, behauptet Alexander Gabujew vom Moskauer Carnegie-Zentrum. Der Staatsrat Chinas verschärfe jetzt die Anforderungen an statistische Angaben vor Ort. Einige Provinzen versuchten, die Überbewertungen der vergangenen Jahre zu korrigieren – damit erklären viele den Wirtschaftsrückgang 2015-2016 im Nordosten des Landes, vor allem in der Provinz Liaoning.

    Dem Ministerpräsidenten Li Keqiang wird die Kritik an den offiziellen statistischen Angaben zum BIP-Wachstum zugeschrieben (bereits 2007, als er die Provinz Liaoning leitete). Er nannte sie „künstlich“ und gab zu, dass sie nur für Auskünfte genutzt würden und die Lage in der Wirtschaft mithilfe eines Indexes analysiert werde, der aus Angaben über Stromverbrauch, Eisenbahnfrachtverkehr und neue Krediten bestehe.

    Die Ratingagentur Moody’s hat im Mai erstmals seit fast 30 Jahren die Bonitätsnote Chinas von Aa3 auf A1 wegen der Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und wachsenden Schuldenbergs herabgestuft. Die Prognose wurde von stabil auf negativ korrigiert.

    Andauernde Reformen werden anscheinend zur Umwandlung der Wirtschaft und des Finanzsystems Chinas führen, jedoch kaum ein großes Wachstum der Schulden verhindern. Diese werden zum Jahr 2018 bei 40 Prozent des BIP und zum Ende des Jahrzehnts bei etwa 45 Prozent liegen, so Experten von Moody’s.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Neue Amur-Brücke bringt Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und China auf Trab
    Trump redet an der Sache vorbei: US-Wirtschaft gegen Kurswechsel in Ein-China-Politik
    Trump kritisiert Wirtschafts- und Militärpolitik Chinas
    China investiert mehr denn je in US-Wirtschaft
    Peking umspinnt halbe Welt mit chinesischer Seide
    Tags:
    Bevölkerungszahl, Wachstum, IWF, China