18:32 11 Dezember 2019
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    Syrische Offizierschüler in Homs

    Moskau braucht neue Nahost-Verbündete

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    Aus Syrien kommen widersprüchliche Informationen: Einerseits gibt es Fortschritte im Kampf der Regierungstruppen und kurdischen Volksverteidigung gegen den IS, andererseits schwindet die Pufferzone. Entstanden ist eine ambivalente Situation, wie die russische Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag schreibt.

    Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), syrische Opposition und die hinter ihnen stehenden USA mit ihrer Koalition könnten die reale Möglichkeit bekommen, alle Kräfte beim Kampf gegen Baschar Assad in die Waagschale zu werfen. In diesem Fall sind automatisch auch russische Militärs in Syrien betroffen. 

    Ist eine Variante möglich, bei der die syrische Opposition und die Koalitionskräfte nicht gegen Damaskus kämpfen werden? Die YPG pflegen freundschaftliche Beziehungen zu Moskau. Sie sind der kampffähigste Teil der Gruppierungen. Doch wenn es um den Schutz der Autonomie des Syrischen Kurdistans gehen sollte, werden sie natürlich gegen Damaskus vorgehen. Es kommt sicher der Zeitpunkt, an dem Teilung und Zerfall Syriens unvermeidlich werden. Die Frage der Fortsetzung der Kampfhandlungen wird vor allem mit dem Wunsch der Seiten zusammenhängen, ein entsprechendes Gebiet zu bekommen. Die Kurden beanspruchen die nördlichen syrischen Gebiete. Dagegen stemmt sich die Türkei, die die nördlichen syrischen Gebiete besetzte.

    Der Iran und Israel haben wiederum eigene geopolitische Interessen in der Region. Riad und die Liga arabischer sunnitischer Staaten streben danach, dass sie Sunniten den größten Teil des Landes bekommen, und erklären dies damit, dass sie den größten Teil der Bevölkerung ausmachen. Das bedeutet, dass der Syrien-Krieg auch nach der Zerschlagung des IS fortgesetzt wird.

    Teheran erklärte vor kurzem seine Bereitschaft, Friedensgespräche mit den sunnitischen Staaten zu führen, doch bislang ist unklar, wohin dieser Schritt führen wird. In Bezug auf Israel hat Teheran nach wie vor eine unversöhnliche Position. Soll sich Moskau unter diesen Bedingungen weiter gemäß der geopolitischen Interessen des Irans verhalten oder seine Politik in der Region ändern? Teheran könnte in Zukunft ein harter Konkurrent Russlands auf dem Kohlenwasserstoffmarkt sein. Zudem zeigte der Iran mehrmals, dass er eine Außenpolitik ausschließlich im eigenen Interesse verfolgt.

    Die Annäherung an Israel könnte hingegen Russland helfen, mehrere Probleme zu lösen, unter anderem die Beziehungen zum Westen verbessern.

    Laut dem israelischen Militärexperten Yakov Kedmi haben beide Länder in vielerlei Hinsicht ähnliche Interessen in der Region. Russland würde ein einheitliches, stabiles, säkulares Syrien gefallen, wo die Opposition eine eigene politische Rolle unter der Bedingung bekommt, dass sie auf bewaffneten Kampf gegen die Regierung verzichtet. Dabei sollen alle Extremistengruppierungen aus dem Lande vertrieben werden. Darüber hinaus will Moskau die Stützpunkte in Tartus und Hmeimim beibehalten, was die Militärpräsenz in der Mittelmeerregion gewährleisten würde.

    Israel würde ebenfalls ein einheitliches, stabiles Syrien passen, jedoch ohne Militärpräsenz des Irans. Das betrifft vor allem die Golanhöhen. Die Israelis sind gegen eine Kooperation zwischen Damaskus und der Hisbollah, nicht an der Schaffung von Pufferstaaten interessiert und bevorzugen, sich nicht in die inneren Angelegenheiten ihrer Nachbarn einzumischen.

    Die Militärpräsenz der russischen Luftstreitkräfte und Schiffe in Syrien beunruhigt natürlich Israel, weil das Vorhandensein von russischen Raketen- und Flugabwehrsystemen, elektronischer Beobachtungs- und Aufklärungsmittel in der Zukunft die Möglichkeiten der Fliegerkräfte der israelischen Armee im Libanon und Syrien einschränkt. Doch falls Moskau Israel Freundschaftsbeziehungen garantiert, wird es keine Anlässe für diese Besorgnisse geben.

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    Tags:
    Regulierung, Verbündete, Konfliktlösung, kurdische Selbstverteidigungskräfte YPG, Terrormiliz Daesh, Arabische Liga, Nahost, Iran, Israel, Russland, Syrien