05:53 25 April 2019
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    Nato-Gipfel (Archivbild)

    USA schmieden eine Art Nato für Golf-Region - Russland ist skeptisch

    © AFP 2019 / Jean-Christophe Verhaegen
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    Moskau betrachtet die Pläne der USA zum Aufbau einer neuen Allianz im Nahen Osten skeptisch, schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Mittwoch.

    Russland hält die Idee der Schaffung einer „arabischen Nato“ für absurd – einer Allianz, die von den USA als Gegengewicht zum Iran gefördert wird. Experten zufolge wird es angesichts des religiösen Faktors äußerst schwierig werden, die arabischen Länder gegen Teheran zu vereinigen.

    Die Pläne des US-Präsidenten Donald Trump, eine neue militärpolitische Allianz gegen den Iran ins Leben zu rufen, die in den Medien bereits als „arabische Nato“ bezeichnet wird, sind zwar ambitioniert, sollten jedoch nicht ernsthaft betrachtet werden, so eine russische diplomatische Quelle.

    „Es handelt sich de facto nicht um eine arabische Nato, sondern um eine sunnitische Nato“, so die Quelle. „Das Problem besteht darin, dass in mehreren arabischen Ländern, darunter mit sunnitischen Regimes, auch Schiiten leben. In diesem Zusammenhang können jegliche aggressiven militärische Handlungen gegen den Iran, der als Pfeiler des Schiismus gilt, zu einer Eskalation in mehreren Ländern führen, die potentiell zu dieser Allianz gehören sollen“, so die Quelle.

    Die offizielle Position Russlands zur „arabischen Nato“ hatte der russischen Außenminister Sergej Lawrow am 18. Mai geäußert. „Sie kennen unsere negative Haltung dazu, wenn Fragen der internationalen Sicherheit, die alle betreffen, durch enge, geschlossene militärpolitische Allianzen gelöst werden“, so Lawrow.

    Die ersten Berichte über die Pläne Trumps, eine neue militärpolitische Allianz im Nahen Osten aufzubauen, tauchten im Februar auf. Damals schrieb das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Quellen, dass Saudi-Arabien, die VAE, Ägypten und Jordanien zu dieser Allianz gehören sollen. Am 21. Mai hat Trump diese Idee auf einem Gipfel in Riad verkündet, an dem Vertreter von 43 Ländern teilnahmen. Neben den erwähnten Ländern sollen der Allianz die Türkei, Pakistan, Malaysia und muslimische Länder Afrikas beitreten. Damit wird dies keine arabische, sondern eine „islamische Nato“ sein. Insgesamt wurden rund 30 Länder eingeladen.

    Laut dem Politologen Juri Sinin macht die religiöse Grundlage, auf der die USA die neue Allianz aufbauen wollen, sie aussichtslos.

    „Das wird eine sunnitische militärpolitische Allianz sein. Sie wird den Schiiten entgegengesetzt, was zur Spaltung und zu einem Wachstum der Widersprüche führt. Die Situation sieht wie ein Versuch aus, diese Widersprüche zu nutzen und die Situation in der Region zu destabilisieren“, so der Experte.

    Viele Schiiten gibt es in Ländern wie der Libanon, Jemen, Kuwait, Katar, die VAE. Auch in Saudi-Arabien, das die Führung der „arabischen Nato“ übernehmen soll, leben zehn bis 15 Prozent Schiiten. Es wäre naiv zu glauben, dass sie den Versuchen, den Iran zu schwächen, tatenlos zusehen werden.

    Laut dem Direktor des Arabischen Zentrums für Forschungen und Analysen in Genf, Riyad as-Saydaui, ist die neue Allianz nur eine Tarnung für die Umsetzung der Ziele der USA. „Die USA müssen Waffen verkaufen und Spannungen zwischen den Saudis und ihren Verbündeten einerseits und mit Teheran andererseits schüren. Sie tun dies erfolgreich mit der Einschüchterung der Golf-Monarchien, indem sie von einer iranischen Bedrohung sprechen. Eine Bestätigung dafür ist der jüngste Besuch Trumps mit milliardenschweren Deals“, so der Experte.

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