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16:25 19 Oktober 2019
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    Börse in Doha, Katar

    Die Große arabische Spaltung

    © REUTERS / Stringer
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    Die arabische Welt ist von einem politischen und diplomatischen „Erdbeben“ erschüttert worden, das es wohl seit dem Boykott Ägyptens nach dessen Camp-David-Abkommen mit Israel im Jahr 1979 nicht mehr gegeben hat, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

    Während damals eines der größten und einflussreichsten Länder zum Paria wurde, ist das jetzt Katar passiert. Saudi-Arabien, die VAE, Ägypten, Jemen, Libyen und Bahrain haben die diplomatischen Beziehungen mit Doha abgebrochen, den Flugverkehr eingestellt und alle katarischen Diplomaten ausgewiesen. Es sieht nach einem richtigen Krieg gegen das Emirat aus.

    Kairo wirft Doha die Unterstützung der so genannten „Muslimbrüder“ und der Terroristen vor, die auf der Halbinsel Sinai und in anderen Regionen handeln. Bahrain sprach jüngst von „groben Verstößen gegen das Völkerrecht“ und von der Finanzierung terroristischer Gruppierungen, die die Sicherheit des Königreichs gefährden.

    Riad wirft Doha noch Schlimmeres vor, und zwar Kontakte mit dem IS und al-Qaida und sogar mit dem Iran, dem größten ideologischen Gegner der sunnitischen Monarchien. Angesichts dessen ist es kaum überraschend, dass Katar aus der Anti-Terror-Koalition in Syrien und im Irak ausgeschlossen wurde.

    Aber unabhängig davon, was Doha vorgeworfen wird, ist der wichtigste Grund des aktuellen Skandals die geopolitische Rivalität zwischen Katar und Saudi-Arabien. Dohas große Ansprüche werden durch seine riesigen Gasvorkommen und Al Jazeera, den einflussreichsten Fernsehsender der arabischen Welt, untermauert.

    Seit einiger Zeit führen die katarischen Behörden ihr eigenes Spiel im Nahen Osten, ohne Rücksicht auf Riad zu nehmen, was sich dieses unmöglich gefallen lassen konnte. Die größten Kontroversen entstanden zwischen den beiden während des „arabischen Frühlings“, als Doha in Ägypten die „Muslimbrüder“ und deren Präsidenten Mohammed Mursi unterstützte, während Riad auf die Militärs setzte, die am Ende Mursi stürzten und Präsident Abdel-Fattah as-Sisi an die Macht brachten.

    Auch in anderen Ländern, darunter in Syrien, Libyen, im Irak, im Jemen und sogar in Palästina, kam es zu Interessenkonflikten zwischen Riad und Doha. Am Ende beschloss der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman, der gleichzeitig Verteidigungsminister und wohl der einflussreichste Politiker im Königreich ist, dass es an der Zeit sei zu handeln. Das geschah bald nach seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Riad und sechs Tage nach seiner eigenen Reise nach Moskau. Es ist kaum vorstellbar, dass er den bevorstehenden Affront nicht mit der Führung der beiden Großmächte besprochen hätte.

    Was die Folgen sein werden, ist vorerst schwer zu sagen. Es ist unwahrscheinlich, dass es zu einem militärischen Konflikt kommt. Saudi-Arabien steckt im Jemen-Konflikt, und es ist auch unwahrscheinlich, dass die USA einer Gewaltanwendung gegen ihren formellen Verbündeten Doha zustimmen würden. In einigen Regionen (vor allem in Syrien), wo Katar oppositionelle, darunter auch radikale, Gruppierungen sponsert, könnte sich die Situation jedoch verändern.

    Interessant ist außerdem, wie sich unter diesen Umständen Teheran verhalten wird, genauer: Ob es versuchen wird, von der Spaltung der Ölmonarchien zu profitieren. Auch das weitere Vorgehen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan könnte eine wichtige Rolle spielen, wenn man seine engen Kontakte mit Katar bedenkt.

    Im Allgemeinen kann man wohl feststellen, dass die arabische (und die ganze islamische) Welt, die ohnehin seit sechs Jahren sehr turbulent ist, sich auf neue Prüfungen gefasst machen muss.

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    Tags:
    die arabische Welt, Arabischer Frühling, Beziehungen, IS, Al-Qaida, Mohammed bin Salman al-Saud, Donald Trump, Recep Tayyip Erdogan, Vereinigte Arabische Emirate (VAE), Bahrain, Ägypten, Jemen, Katar, Libyen, USA