13:02 03 Dezember 2020
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    Die Kurden aus der Koalition „Demokratische Kräfte Syriens“ (DKS) haben mit der Erstürmung von Rakka, der so genannten Hauptstadt des „Islamischen Staates“ (IS), begonnen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Die Offensive wurde vom Sprecher der Koalition, Talal Silo, verkündet. Nach seinen Worten werden die DKS die Stadt aus drei Richtungen angreifen und dabei Unterstützung der US-Fliegerkräfte bekommen.

    „Rakka steht eine blutige Schlacht bevor“, räumte der Sprecher ein. Der Befehlshaber der internationalen Anti-Terror-Operation in Syrien, US-General Stephen Townsend, nannte die Offensive bei Rakka „den entscheidenden Schlag gegen den IS“ und vermutete ebenfalls, dass diese Schlacht „lange dauern und schwer sein“ werde.

    Allerdings stellen sich in diesem Kontext nicht nur rein militärische, sondern auch politische Fragen, die nicht weniger schwer sein werden. Vor allem geht es um die Spaltung der Anti-Terror-Koalition in Bezug auf den künftigen Status von Rakka. Dass die Amerikaner die Offensive ausgerechnet den Kurden anvertraut haben, fand die Türkei empörend, weil der dortige Präsident Recep Tayyip Erdogan die syrischen Kurden für Verbündete der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hält, die in der Türkei als terroristische Gruppierung gilt.

    Jede Stärkung der Kurden in Syrien betrachtet Ankara als Gefahr für seine lebenswichtigen Interessen. Außerdem verweisen die Türken darauf, dass in Rakka vor dem Krieg überwiegend Sunniten lebten, so dass es keinen Grund gebe, die Stadt jetzt den Kurden zu überlassen.

    „Was die Befreiung Rakkas angeht, so wollen die Türken nicht, dass die Kurden dort die Führung übernehmen“, sagte der Experte des Internationalen Diskussionsklubs „Waldai“, der israelische Ex-Diplomat Zvi Magen. „Deshalb müssen wir dieses ‚Tauziehen‘ beobachten, das der Sache schadet: Idealerweise sollte man Rakka gemeinsam und aus verschiedenen Richtungen angreifen. Doch das ist vorerst unmöglich.“

    Auch die Behörden in Damaskus sind dagegen, dass die DKS die Führungsrolle bei der Offensive auf Rakka übernehmen. Allerdings versteht Präsident Baschar al-Assad, dass seine Truppen nicht in der Lage sind, die IS-„Hauptstadt“ aus eigener Kraft zu erobern.

    Was die Kurden selbst angeht, so könnte ihnen bei der Offensive die Kräfte fehlen. Wie der seit Oktober 2016 andauernde Einsatz bei Mossul zeigte, beherrschen die IS-Kämpfer die Taktik der Straßenschlachten nahezu perfekt, wobei die irakische Armee dem IS zahlenmäßig stark überlegen ist. Die humanen Ressourcen der DKS sind wesentlich geringer, und das kann nicht einmal die Unterstützung der US-Luftwaffe ausgleichen.

    Vor dem Krieg und der Eroberung durch den IS hatten in Rakka mehr als 200.000 Menschen gelebt. Nach Angaben der von den USA angeführten Anti-Terror-Koalition wird die IS-„Hauptstadt“ von bis zu 4000 Kämpfern verteidigt.

    Stanislaw Iwanow vom russischen Zentrum für internationale Sicherheit beim Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen vermutete, dass die Kurden darüber hinaus „Motivationsprobleme“ haben könnten: „Sie sind einfach nicht bereit zu einer blutigen Schlacht um Rakka, weil sie es nicht für ihre Stadt halten“, so der Experte.

    Ähnlich äußerte sich auch Hüseyin Bağcı von der Technischen Universität Ankara. „Ich denke nicht, dass die Kurden dieses Territorium unter ihrer Kontrolle behalten können. Am Ende des Tages werden die USA und Russland entscheiden, wer dieses syrische Gebiet kontrollieren wird“, betonte der Politologe.

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    Tags:
    Hauptstadt, Offensive, Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Demokratische Kräfte Syriens (SDF), Terrormiliz Daesh, Recep Tayyip Erdogan, Türkei, USA, Rakka, Syrien