06:12 15 November 2019
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    ein Soldat an der Grenze zwischen Indien und Pakistan

    Feindschaft zwischen Indien und Pakistan überschattet Gipfel in Astana

    © AFP 2019 / Narinder Nanu
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    In Kasachstan beginnt heute ein Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ). Höhepunkt wird die Aufnahme Indiens und Pakistans in das Bündnis, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

    Damit wird auf die SOZ nahezu die Hälfte der Weltbevölkerung entfallen, und sie wird zu einer der größten regionalen Organisationen der Welt.

    Allerdings warnen manche Experten, dass die SOZ wegen der langjährigen Kontroverse zwischen Delhi und Islamabad ihre Effizienz teilweise verlieren könnte. Nicht umsonst wird es im Rahmen des Gipfels kein Treffen der Ministerpräsidenten beider Länder geben.

    Sowohl in Islamabad als auch in Delhi glaubt man, dass die SOZ-Erweiterung die „geopolitische Landschaft“ in Süd- und Zentralasien verbessern wird. So zeigte sich Aziz Ahmed Khan, Ex-Mitarbeiter des pakistanischen Außenministeriums, überzeugt, dass Pakistan und Indien unter Mitwirkung ihrer neuen SOZ-Partner ihre gegenseitigen Kontroversen vom Tisch räumen und beiderseitig nützliche Beziehungen pflegen könnten.

    Auch Indiens Ex-Botschafter in Kirgisien, Phunchok Stobdan, meint, dass die SOZ eine positive Rolle für die gegenseitige Annäherung Delhis und Islamabads spielen könnte, nicht zuletzt weil Peking an der Stabilität in Südasien interessiert sei. Denn nur dann könnte es sein Projekt der „Neuen Seidenstraße“ umsetzen. Auch könnten Delhi und Islamabad Professor Stobdan zufolge Informationen der Geheimdienste über Terroristen austauschen und sogar gemeinsame Übungen organisieren.

    Die einflussreiche indische Zeitung „Hindustan Times“ schrieb jedoch jüngst, dass die Feindseligkeit zwischen Indien und Pakistan in letzter Zeit immer größer werde, was den Gipfel in Astana belasten könnte. Nach Kasachstan kommen die beiden Ministerpräsidenten, Narendra Modi und Nawaz Scharif. Vor zwei Jahren hatten sie sich am Rande eines SOZ-Gipfels in Ufa getroffen, und damals wurde ein Plan zur Normalisierung der gegenseitigen Beziehungen entwickelt, der jedoch auf dem Papier blieb. De facto haben sich die Beziehungen nur noch weiter angespannt.

    Der Professor der Moskauer Hochschule für internationale Beziehungen, Sergej Lunjow, stellte fest, dass die Aufnahme Indiens die SOZ zwar verstärken werde.

    „Andererseits aber bleiben die Kontroversen zwischen Indien und Pakistan weiter akut. Man hat keinen Grund zu erwarten, dass ihre Konfrontation nur dank der SOZ vom Tisch geräumt wird“, betonte der Experte.

    In bilateralen Beziehungen habe Indien nie ausländische Vermittler gebraucht, so Lunjow weiter. Da habe es eine einzige Ausnahme gegeben, und zwar bei der Verabschiedung der so genannten Deklaration von Taschkent im Jahr 1966, als der indisch-pakistanische Krieg wegen Kaschmir ein Ende fand. Das sei ein großer Sieg der sowjetischen Diplomatie gewesen, aber diesmal werde Delhi nicht akzeptieren, dass sich irgendwelche Vermittler einmischen.

    „Deshalb werden die Kontroversen auch nach dem SOZ-Beitritt Indiens und Pakistans akut bleiben“, schlussfolgerte der Politologe.

    Andererseits könnte ihre SOZ-Mitgliedschaft positive Folgen für die Situation in Afghanistan haben. Denn Russland, Indien und China stehen auf sehr ähnlichen Positionen zur Lage am Hindukusch: Sie alle wollen, dass dort Stabilität einkehrt. Auch Pakistan spreche davon. Das Problem sei aber, dass sich damit normalerweise zivile Regierungen beschäftigen, während in Pakistan die Macht de facto dem Militär gehöre. Und das sei für seine Kontakte mit terroristischen Organisationen bekannt und habe zudem die al-Qaida quasi gegründet.

    In Peking sei man darüber sehr besorgt, denn islamistische Gruppierungen handeln auch in China, nämlich in Xinjiang, fuhr Lunjow fort. Pakistan selbst befinde sich in einer sehr schwierigen Lage, und chinesische Investitionen im Rahmen des „Seidenstraße“-Projekts könnten sehr hilfreich sein. Peking habe dafür etwa 60 Milliarden Dollar versprochen. Es sei also nicht ausgeschlossen, dass es Islamabad unter Druck setzen und dadurch die Normalisierung der Situation voranbringen wird, ergänzte der Experte.

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    Tags:
    Islamisten, Dialog, Stabilität, Geopolitik, SOZ, Afghanistan, Russland, Kasachstan, Südasien, Pakistan, Indien