03:08 20 Februar 2020
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    Die diplomatische Krise zwischen Katar und vielen anderen Monarchien der Golfregion sowie die jüngsten Terroranschläge im Iran haben deutlich gezeigt, dass die wohl letzten „Zentren der Stabilität“ im Nahen Osten ebenfalls in Gefahr schweben, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Donnerstag.

    Die Verantwortung für die Terrorangriffe in Teheran, bei denen mehr als zehn Menschen getötet wurden, übernahm der so genannte „Islamische Staat“ (IS). Die Anschläge könnten aus der in den letzten Monaten immer intensiveren antiiranischen Propaganda resultieren, finden manche Experten. Denn beispielsweise gleich mehrere jüngste Ausgaben der dschihadistischen Zeitschrift „Rumiya“ waren gerade diesem Thema gewidmet. Aber die Situation um den Iran spannen nicht nur die Terroristen, sondern auch Teherans Gegner im Kampf um die regionale Führung an. Die diplomatische Blockade Katars lässt sich nämlich auf die Absicht dieses Emirats zur Ausbalancierung der Beziehungen mit der Islamischen Republik zurückführen.

    Spannungen zwischen Doha und seinen Nachbarn und Verbündeten waren auch schon viel früher zu beobachten gewesen, aber zum letzten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, wurde die Meldung einer katarischen Nachrichtenagentur, der Emir wollte seine Kontakte mit Teheran festigen.  Später wurde diese Meldung jedoch entfernt und als Hackerangriff dargestellt.

    „Die Katar-Krise widerspiegelt die sehr komplizierten und turbulenten regionale Prozesse im Nahen Osten, die auch zum Zerfall einiger regionaler Organisationen, zur Zuspitzung des Kampfes zwischen verschiedenen konkurrierenden politischen und religiösen Kräften führten“, findet Vitali Naumkin, der Leiter des russischen Instituts für Orientalistik. Unter den Gründen dieser Konflikte erwähnte er „den Kampf um die Kontrolle über Bodenschätze und die Voranbringung der geopolitischen Interessen globaler Akteure“.

    Die schwierige Situation im Nahen Osten ist nach Auffassung des Experten mit der aktuellen Identitätskrise der Nahost-Völker sowie mit dem Scheitern diverser Integrationsprojekte verbunden, darunter des Golf-Kooperationsrates. Die Anschläge im Iran zeugen davon, „dass die Stabilität selbst eines sehr ausbalancierten Landes der Region erodiert und es mit großen Herausforderungen zu tun hat“. „Das ist nicht mit der Katar-Krise verbunden, sondern eine Äußerung der sich zuspitzenden Rivalität gewisser fundamentaler Kräfte in der sunnitischen Welt auf der einen Seite und des Irans auf der anderen Seite, der die Basis des sunnitischen ‚Gürtels‘ bildet.“  Gleichzeitig zeigte sich der Experte überzeugt, dass die Eskalation nicht zuletzt durch den jüngsten Besuch des US-Präsidenten Donald Trump in Saudi-Arabien ausgelöst worden sei.

    Über seine Rolle in der Katar-Krise hat Trump neulich auf Twitter offen geschrieben. Nach seiner Auffassung bringt seine Nahost-Reise „ihre Früchte“. Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass die Finanzierung terroristischer Gruppierungen jetzt eingestellt werde. Dadurch zerstörte Trump aber die Bemühungen des US-Außenministeriums, das die Spannungen in der Golfregion sehr zurückhaltend kommentiert hatte.

    Amerikanische Sicherheitsexperten fürchten jetzt um die Perspektiven des US-Luftwaffenstützpunktes im katarischen Al Udeid sowie einen Aufschwung der antiamerikanischen Stimmungen in der ganzen arabischen Welt.

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    Tags:
    Geopolitik, Stabilität, Terroranschlag, Spannungen, IS, Golf-Kooperationsrat, Donald Trump, Vitali Naumkin, USA, Katar, Iran