13:09 15 November 2018
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    Международная космическая станцияder amerikanische Kosmonaut Jack Fischer (l) und der russische Kosmonaut Fyodor Yurchikhin (r) in Kasachstan (Archivbild)

    Ende der ISS-Ära: Warum Russen und Amerikaner im Weltraum auseinanderlaufen

    © NASA . © AP Photo / Dmitri Lovetsky
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Das Zusammenwirken Russlands und der USA im Orbit könnte bald ein Ende finden, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag.

    Der russische Vizepremier Dmitri Rogosin, der unter anderem für die Weltraumforschung zuständig ist, erklärte unlängst, die Raumfahrtbehörde Roskosmos sollte die Zweckmäßigkeit der weiteren Beteiligung am ISS-Projekt erwägen.

    „Künftige bemannte Raumflüge sollten diskutiert werden, aber wir sollten dabei nicht nur für den Prozess, sondern auch für die Ergebnisse eine Verantwortung übernehmen“, betonte er.

    Dabei berief sich Rogosin auf die Meinung des Mitglieds der Russischen Akademie der Raumfahrt Andrej Ionow, der zuvor die Meinung geäußert hatte, Russland werde wegen der internationalen Wirtschaftssanktionen auch im Rahmen des ISS-Projekts beeinträchtigt.

    Die wahren Gründe für solche Äußerungen und potenzielle Entscheidungen könnten allerdings ganz anders sein, und dabei geht es um die praktischen Beiträge der an dem großen Raumforschungsprojekt beteiligten Länder.

    Die US-amerikanische Firma NanoRacks mit Hauptsitz in Houston (Texas) hat bereits die Entwicklung einer Schleuse begonnen, die an die ISS gekoppelt werden und dem Aussetzen von kleinen, bis zu zwei Kilogramm schweren Satelliten (CubeSats) ins All unmittelbar von der Raumstation genutzt werden könnte.

    „Wir wollen die ISS maximal geeignet für Geschäftszwecke machen und dadurch neue private Initiativen im erdnahen Weltraum fördern“, sagte der Leiter der bemannten NASA-Programme, Sam Scimemi.

    Die Montage der neuen Schleuse könnte schon 2019 beginnen. Aber das ist ein Einzelfall, und im Allgemeinen geht es vor allem um Geld. Damit gab es von Anfang an Schwierigkeiten. Ursprünglich hatte die NASA damit gerechnet, dass die Entfaltung der ISS bis 2002 beendet werden und 17,4 Milliarden Dollar kosten würde. Tatsächlich aber passierte das jedoch erst 2011 und kostete 75 Milliarden Dollar. Und größtenteils wurden diese Mittel gerade von den Amerikanern bereitgestellt.

    Es gefällt ihnen gar nicht, dass sie bei Raumflügen auf die russischen „Sojus“-Raumschiffe angewiesen sind, nachdem  die Raumfähre Columbia 2003 abgestürzt und das Space-Shuttle-Programm 2010 geschlossen worden war. Jetzt werden US-Astronauten nur mit russischen Raumschiffen zur ISS gebracht, und ein Sitz an Bord der „Sojus“ kostet Washington 70,3 Millionen Dollar.

    Und schließlich ist die ISS gar nicht so, wie die Amerikaner sie sich vorgestellt hatten. 2014 sagte der russische Raumfahrtexperte Juri Karasch dazu:

    „Ursprünglich hatte man geplant, die ISS würde kein übliches Forschungslabor, sondern auch eine Art Orbitalfabrik und auch ‚Startplatz‘ für andere Forschungsmissionen sein. Das hat jedoch nicht geklappt.“

    2004 beschloss die US-Regierung unter Präsident George Bush Jr., den erdnahen Weltraum, darunter auch die ISS, privaten Unternehmen zu überlassen, während sich die NASA mit globalen Fragen der Weltraumforschung befassen sollte.

    Frappant fand man in Moskau einen Auftritt des damaligen NASA-Chefs Michael Griffin im Juni 2008, als er klar zu verstehen gab, dass die Kooperation mit Russland für die Amerikaner keine Priorität sei, und plötzlich Frankreich als wichtigsten und engsten Partner der USA bei der Weltraumforschung bezeichnete. Dabei berief er sich auf statistische Angaben, dass die NASA gerade mit Frankreich die meisten gültigen Kooperationsverträge hätte.

    Also träumen die Amerikaner offensichtlich davon, von den russischen Raumschiffen nicht mehr abhängig zu sein. Im Oktober 2016 erklärte NASA-Vizechef William Gerstenmaier, der bis 2018 geltende Vertrag mit Roskosmos werde nicht verlängert.

    Die Situation wird auch dadurch belastet, dass die russische Raumfahrtbehörde bisher nur mit der NASA verhandelt hat. Künftig müsste sie aber mit privaten Unternehmen wie Space-X Gespräche führen. Und wie dieser Dialog verlaufen könnte, steht in den Sternen.

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    Kooperation, Weltraum, die Internationale Raumstation ISS, NASA, Roskosmos, Dmitri Rogosin, USA, Russland