21:33 22 November 2017
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    Seeadler in der Gebiet Kaliningrad (Archivbild)

    Geld für russischen Gas-Transit einheimsen? - Seeadler kommen Kiew zur Hilfe

    © Sputnik/ Evgeniya Novozhenina
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Die Situation um den Bau der russischen Gasleitung Nord Stream 2 spannt sich an, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Mittwoch.

    Ansprüche auf die Kontrolle über die Pipeline hat jetzt die EU-Kommission geäußert, die zu Verhandlungen mit dem russischen Energiekonzern Gazprom und den russischen Behörden bevollmächtigt ist.

    Moskau und Berlin, die an dem Projekt besonders interessiert sind, verteidigen es als günstigsten Weg für die Gasbeförderung aus Russland nach Europa. Aber Nord Stream 2 hat auch Gegner, die den Bau stoppen oder zumindest behindern wollen. Unter anderem verlangt man von Russland, dass es weiterhin die Ukraine für den Gastransit bezahlt.

    Die zu Gazprom gehörende Gesellschaft Nord Stream 2 veröffentlichte gestern eine Presseerklärung, in der die Ansprüche der EU-Kommission auf die Billigung einer speziellen juristischen Klausel für die neue Pipeline zurückgewiesen wurden. Ein internationales Abkommen zwischen der EU und Russland sei überflüssig, denn in Europa gebe es eine entsprechende Rechtsbasis. Und die Ansprüche der EU-Kommission seien politisch motiviert, so die Gazprom-Tochter.

    Im Grunde stimmt das auch, denn die Europäer verlangen von Russland de facto eine weitere Finanzierung der Ukraine, obwohl es dafür weder wirtschaftliche noch juristische Gründe gibt. Manche europäische Politiker sagen offen, dass sie nach Mitteln im Kampf gegen den Nord-Stream-2-Bau suchen.

    Überraschend wehren sich auch Umweltschützer gegen die neue Gasleitung. Sie verweisen darauf, dass im Kurgalski-Naturschutzpark im russischen Gebiet Kaliningrad im vorigen Jahr ein Seeadlernest entdeckt worden sei. Ausgerechnet durch diese Gegend soll die Pipeline gebaut werden. Noch schlimmer sei, dass dort die totale Abholzung geplant sei. Das bedeutet, dass entweder die Brutstätte der Vögel vernichtet werden müsste oder die Vögel diesen Ort verlassen werden.

    Die etwa vier Kilometer lange Gasleitung soll im südlichen Teil des Naturschutzparks verlegt werden, der als besonders wertvoll gilt. Hier gibt es beispielsweise einen großen Urwald, eine relikte Düne, ein einmaliges Moor sowie etwa 250 Vogelarten, von denen viele auf der Roten Liste stehen.

    Hinzu kommt, dass für dieses Naturschutzgebiet gleich zwei internationale Konventionen gelten.

    Den Umweltaktivisten zufolge war ursprünglich geplant, dass die Nord-Stream-2-Leitung parallel zur ersten verlegt werden sollte. Niemand hatte etwas dagegen einzuwenden. Aber später verkündeten Gazprom und Nord Stream 2, dies sei unmöglich, und deshalb müsste die Pipeline durch den Kurgalski-Naturschutzpark verlegt werden.

    „Es ist zweifelhaft, dass es solche Pläne überhaupt gibt: Der Bau einer Pipeline mitten in einem Naturschutzgebiet würde sowohl russischen als auch internationalen Umweltnormen widersprechen“, sagte Professor Iwan Potrawny von der Russischen Wirtschaftsuniversität „Georgi Plechanow“. „Erst im April 2017 hat Präsident Wladimir Putin die russische Strategie der Umweltsicherheit bis 2025 gebilligt.“

    Michail Krejndlin von Greenpeace Russia teilte der „Nesawissimaja Gaseta“ jedoch mit, dass in Russland Gasleitungen nicht zum ersten Mal durch Naturschutzgebiete verlegt werden. „Die erste Nord-Stream-Pipeline wurde im Naturschutzpark ‚Krebsseen‘ (Gebiet Leningrad) gebaut, allerdings in einem Korridor einer zuvor gebauten Gasleitung.“

    Der Greenpeace-Aktivist verwies darauf, dass in Naturschutzgebieten laut Gesetz keine Gasleitungen gebaut werden dürfen. Deshalb müssten entweder der Status des jeweiligen Naturschutzparks oder das Gesetz verändert werden. Eben darum bemühe sich die Gesellschaft Nord Stream 2, zeigte sich Krejndlin überzeugt.

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    Tags:
    Naturschutz, Abkommen, Pipeline, Umwelt, Nord Stream-2, Greenpeace, Europa, Russland, Ukraine
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