14:25 12 Dezember 2019
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    US-Verteidigungsminister, James Mattis und Generalstabschef des Heeres in Afghanistan, John Nicholson in Kabul (Archivbild)

    Pentagon-Chef nun für Afghanistan zuständig – Rätselraten um Truppenverstärkung

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    US-Präsident Donald Trump hat das Verteidigungsministerium (Pentagon) beauftragt, die Zahl der Soldaten festzulegen, die für die Förderung der Sicherheit in Afghanistan nötig wären. Das schreibt die Zeitung Nesawissimaja Gaseta am Donnerstag.

    Das Pentagon hat bereits ähnliche Vollmachten in Bezug auf die Einsätze in Syrien und im Irak. Das hatte Trump bereits Ende April beschlossen. Pentagon-Chef James Mattis räumte gestern im Senat ein, dass die US-Truppen am Hindukusch Schwierigkeiten haben.

    „Aktuell können wir nicht sagen, wir würden in Afghanistan gewinnen“, betonte er. „Aber wir sind bereit, diese Situation so schnell wie möglich zu verbessern.“

    Zugleich stellte Mattis fest, dass die Taliban-Bewegung mittlerweile viel stärker als noch vor einem Jahr geworden sei. Zuvor hatte auch der Befehlshaber der US- bzw. Nato-Truppen am Hindukusch, General John Nicholson, die aktuelle Situation in Zentralasien als „Sackgasse“ bezeichnet.

    Experten stimmen solchen Einschätzungen im Allgemeinen zu. „Die Behörden in Kabul unternehmen zwar etwas, aber ein beträchtlicher Teil des Territoriums des Landes bleibt immer noch unter Kontrolle der Taliban“, sagte P.J. Crowley, der einstige Assistent der ehemaligen US-Außenministerin Hillary Clinton, gegenüber der "Nesawissimaja Gaseta". „Deshalb lässt sich der Konflikt in kurz- oder sogar mittelfristiger Perspektive kaum regeln.“ 

    General Nicholson und General Joseph Votel, der Chef des Zentralen US-Kommandos, bestehen auf der Entsendung von „mehreren Tausenden Soldaten“ nach Zentralasien. Zuletzt wurden Zahlen zwischen 2000 und 5000 Militärs genannt. Derzeit befinden sich am Hindukusch etwa 8400 US-Soldaten sowie weitere 5000 Militärs aus anderen Nato-Ländern. Während des seit 2001 andauernden Afghanistan-Einsatzes sind etwa 2000 US-Soldaten ums Leben gekommen. Die afghanische Regierungsarmee verlor in dieser Zeit etwa 5000 Mann.

    Trumps Pläne zur Entsendung eines neuen Kontingents nach Afghanistan stehen im Widerspruch zu den Initiativen seines Vorgängers Barack Obama, der die US-Truppen vom Hindukusch vollständig abziehen wollte. Nach Auffassung von Trumps Vorgänger sollte die afghanische Armee und Polizei die Verantwortung für die nationale Sicherheit übernehmen.

    Experten in US-Medien vermuten, dass Obamas Plan großenteils deswegen gescheitert ist, weil die afghanischen Kräfte nicht qualifiziert genug sind, um den Taliban und dem so genannten "Islamischen Staat" (IS) zu widerstehen.

    Im US-Kongress sind übrigens viele darüber besorgt, dass Washington keine klare Strategie für die Fortsetzung des Afghanistan-Einsatzes hat. „Wir können so nicht weitermachen“, empörte sich der republikanische Senator John McCain. „Unsere Strategie war in den letzten acht Jahren die folgende: ‚Nur nicht verlieren!‘ Wir sehen ja, dass sie keine positiven Folgen gebracht hat.“ Falls die Regierung bis zum Herbst keinen konkreten Plan zum Vorgehen in Afghanistan vorlege, werde der Senat gegen den Haushalt für 2018 stimmen, warnte McCain.

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    Tags:
    Truppenentsendung, Afghanen, Taliban, Pentagon, NATO, Barack Obama, Hillary Clinton, Donald Trump, Joseph Votel, John Nicholson, James Mattis, Irak, Syrien, Afghanistan, USA