17:29 23 Juni 2017
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    Präsident von Südkorea, Moon Jar-In (Archivbild)

    Blaues Haus vs. Weißes Haus: Südkoreas Präsident Moon fordert Trump heraus

    © REUTERS/ Jung Yeon-Je
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    Kommersant
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    In Südkorea geht die Vorbereitung auf den ersten USA-Besuch des Präsidenten Moon Jae-in zu Ende, der für Ende Juni angesetzt ist. Damit beschäftigt sich die Zeitung Kommersant am Freitag.

    Moons erstes Treffen mit dem amerikanischen Amtskollegen Donald Trump verspricht einen umständlichen Dialog über das größte Sicherheitsproblem im Fernen Osten, dessen Lösung Seoul um eine unbestimmte Zeit verschoben hat: die Aufstellung von amerikanischen Raketenabwehrsystemen THAAD.

    Laut der jüngsten Erklärung des US-Außenministeriums geht es bei den Verhandlungen mit den Südkoreanern um die „Bestätigung der Verpflichtungen als Verbündete und die weitere enge Koordinierung der Handlungen zur Förderung der Stabilität und des Gedeihens in der Region“. Als höchste Priorität gelten für Washington „koordinierte Antworten auf die Gefahren durch Nordkorea“

    Die Suche nach dem gemeinsamen Nenner wird aber immer schwieriger. Präsident  Moon, der sein Amt erst seit dem 10. Mai bekleidet, verfügte gleich danach, die Aufstellung der THAAD-Anlagen zu unterbrechen.

    „Wir werden die zwei bereits aufgestellten Startanlagen weiter stehen lassen, aber vor der Entfaltung der anderen Anlagen müssen wir die Ergebnisse einer Studie bezüglich ihres Einfluss auf die Umwelt abwarten“, erläuterte ein Sprecher des südkoreanischen Präsidialamtes.

    Dadurch zeigte sich Moon entschlossen, das „Erbe“ seiner Vorgängerin Park Geun-hye, die nach einem Amtsenthebungsverfahren zurücktreten musste, zu revidieren. Park war eine Anhängerin der Entfaltung des US-amerikanischen Raketenschutzschildes in Südkorea.

    Bei dem THAAD-System in Südkorea geht es um mindestens sechs Startanlagen mit insgesamt 48 Anti-Raketen-Raketen, die eventuelle Raketenschläge seitens Nordkoreas abwehren sollten. Noch vor dem Rücktritt Parks wurden zwei Anlagen aufgestellt. Um die restlichen vier wird zwischen verschiedenen Kräften in Seoul verbissen gekämpft.

    US-Raketenabwehrsystemen THAAD
    © REUTERS/ U.S. Department of Defense, Missile Defense Agency/Handout
    So stellte sich unlängst heraus, dass Verteidigungsminister Han Min-koo, der seinen Posten noch unter der Ex-Präsidentin inne hatte, nach dem Amtsantritt Moons die Einfuhr der vier THAAD-Anlagen bereits genehmigt hatte, ohne den neuen Staatschef darüber zu informieren. Als dies ans Licht kam, erklärte die neue Administration, die Aufstellung dieser Raketensysteme werde verschoben.

    Laut südkoreanischen Gesetzen müssen alle neuen Militärobjekte auf einer Fläche von mehr als 330 000 Quadratmeter zunächst einer Umweltexpertise unterzogen werden. Um diese Formalitäten zu vermeiden, wurden dafür 320 000 Quadratmeter zur Verfügung gestellt.

    Wie ein hochrangiger Sprecher des „Korea Institute for International Economic Policy“ gegenüber Kommersant sagte, besteht ein großes Risiko, dass die von den THAAD-Systemen ausgehende Strahlung negative Folgen für die Gesundheit der Südkoreaner haben könnte. Darüber hinaus setze die neue Führung in Seoul auf eine Diversifizierung der Außen- und Verteidigungspolitik und wolle deshalb die Kontakte mit China und Russland intensivieren, die sich die Pläne zur THAAD-Aufstellung im Süden der Halbinsel Korea nicht gefallen lassen.

    Hinzu kommt, dass Präsident Moon sich dafür ausspricht, die Beziehungen mit Pjöngjang zu verbessern. Eine wichtige Rolle könnte dabei ausgerechnet China spielen.

    „China leistet Nordkorea zwar vor allem wirtschaftliche und humanitäre Hilfe, aber Russland versteht besser das politische System Nordkoreas“, sagte vor einigen Tagen ein südkoreanischer Diplomat.

    In Washington macht man allerdings kein Hehl aus seiner Unzufriedenheit mit dem Vorgehen der neuen Führung in Seoul. Senator Dick Durbin, der Anfang Juni Seoul besucht und sich mit Präsident Moon getroffen hat, erzählte: „Ich habe ihm gesagt, dass wir in Washington schwere Zeiten wegen der Arbeit am neuen Haushalt erleben und viele Programme kürzen müssen. Falls Südkorea unser THAAD-System nicht braucht, könnten wir diese 923 Millionen Dollar anderswo anwenden.“

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    Tags:
    Militär, Umwelt, Raketenabwehr, Luftabwehrsystem THAAD, Treffen, Richard Dick Durbin, Donald Trump, Moon Jae-in, Nordkorea, Russland, China, USA, Südkorea
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