04:13 23 September 2017
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    Jagdbomber Su-22 syrischer Luftwaffe auf dem Militärflugplatz in der Nähe von Homs (Archivbild)

    „Rote Linie“ für US-Luftwaffe: Nächste Krise durch Kampfjet-Abschuss in Syrien?

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    In Syrien ist es jüngst zu einem Zwischenfall gekommen, der die russisch-amerikanischen Beziehungen wesentlich belasten könnte, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Dienstag.

    Am Sonntagabend wurde eine syrische Su-22 etwa 40 Kilometer südlich von Rakka, nahe der Stellungen der so genannten Demokratischen Kräfte Syriens (DKS), von einem Kampfjet der von den USA angeführten internationalen Koalition abgeschossen. Der Pilot konnte sich retten und wurde laut Medienberichten von den syrischen Regierungstruppen entdeckt und evakuiert

    Der Stab der US-Koalition behauptete, sich bei seinen Handlungen auf die „Prinzipien der kollektiven Selbstverteidigung“ zu stützen. Die Position der DKS erklärte deren Sprecher Talal Selo:

    „Die Kräfte des Regimes (des Präsidenten Baschar al-Assad) setzen Flugzeuge, Artilleriewaffen und Panzer in den Gebieten ein, die unsere Kämpfer schon vor drei Monaten befreit hatten.“ Diese Angriffe verfolgen nach seinen Worten das Ziel, den Einsatz zur Befreiung Rakkas (vom IS) zu behindern, so dass die DKS „den syrischen Soldaten widerstehen müssen, indem sie auf ihr legitimes Recht auf Selbstverteidigung zurückgreifen werden“.

    Der Zwischenfall um die Su-22 ist großenteils die Folge der schwierigen militärstrategischen Situation in der Provinz Rakka. Je weiter die Regierungstruppen in den Süden von Rakka, der selbsternannten IS-Hauptstadt, vordrängen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit ihrer Auseinandersetzungen mit den kurdischen Abteilungen und den US-Amerikanern, die ihre Präsenz in Syrien ausbauen und die DKS unterstützen. Möglicherweise griffen die Assad-Kräfte tatsächlich die IS-Stellungen an (das behauptet Damaskus) und haben quasi zufällig auch einen Schlag gegen die Kurden versetzt, was eben die Antwort der US-Amerikaner auslöste.

    Der Abschuss des syrischen Kampfjets rief eine beispiellos harte Reaktion in Moskau hervor. Das russische Verteidigungsministerium verkündete, das Zusammenwirken mit den Amerikanern im Rahmen des bilateralen Memorandums über Vorbeugung von Zwischenfällen im Rahmen des Syrien-Einsatzes einzustellen, das noch im Oktober 2015 vereinbart worden war. „Die Vernichtung eines syrischen Flugzeugs durch die US-Fliegerkräfte ist eine zynische Verletzung der Souveränität dieses Landes“, heißt in der entsprechenden Erklärung Ministeriums. Die „zahlreichen Einsätze der US-Fliegerkräfte unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung gegen die legitimen Streitkräfte eines UN-Mitgliedslandes“ seien „eine äußert grobe Verletzung des Völkerrechts und de facto eine militärische Aggression“.

    Laut dem russischen Militär befanden sich am Sonntagabend mehrere russische Flugzeuge in der Luft über Südsyrien, doch die Koalitionskräfte hätten den bestehenden Kommunikationskanal zwischen den Militärstützpunkten der Koalition in Al Udeid (Katar) und Russlands in Hmeimim (Syrien) nicht eingesetzt.

    Die Koalitionsvertreter behaupteten jedoch ihrerseits, am 18. Juni diesen Kanal mehrmals eingesetzt zu haben, „der seine Effizienz bewiesen hat“.

    Das russische Verteidigungsministerium verlangte von den USA „eine gründliche Ermittlung (dieses Zwischenfalls) und Veröffentlichung ihrer Ergebnisse“. Es  warnte: „In den Gebieten, wo die russische Luftwaffe in Syrien ihre Aufgabe erfüllt, werden alle Flugobjekte, darunter Flugzeuge und Drohnen der internationalen Koalition, die westlich des Euphrats entdeckt werden, von den russischen Raketenabwehrkräften verfolgt und als Luftziele betrachtet“. De facto hat Moskau damit die „rote Linie“ bestimmt, die die US-Luftwaffe und deren Verbündete nicht verletzen dürfen.

    „Die größte Gefahr des Syrien-Konflikts besteht darin, dass er zufällig einen viel größeren Konflikt auslösen könnte, und zwar zwischen Russland und den USA“, warnte Wladimir Sotnikow vom russischen Institut für Orientalistik. „Leider nähern wir uns immer mehr einem solchen Szenario. (…) Einige Politiker und Militärs drohen sogar mit Gegenmaßnahmen gegen die US-Luftwaffe, indem sie auf die russischen S-300- und S-400-Komplexe in Syrien verweisen. Das ist eine gefährliche Rhetorik. Ich bin sicher, dass weder der Kreml noch das Verteidigungs-, noch das Außenministerium daran interessiert sind. Diesen Zwischenfall sollte man eindämmen und seine Folgen minimieren und keineswegs auftreiben.“

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    Folgen, Abschuss, Su-22, Demokratische Kräfte Syriens (SDF), Terrormiliz Daesh, Baschar al-Assad, Rakka, Syrien, Russland, USA