03:13 15 November 2019
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    Blick auf die Schlackenhalde vom Kohlebergwerk, Kurachowe Stadt, Donetsk (Archivbild)

    Trotz günstigerem Angebot: Kiew will keine Donbass-Kohle

    © AFP 2019 / Sergey Supinsky
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    Die Donbass-Region (Donezbecken) wäre bereit, die Ukraine weiterhin mit Kohle zu versorgen, schreibt die Zeitung "Iswestija" am Mittwoch.

    Zwar behaupten die Behörden in Kiew, die Donbass-Region bleibe Teil der Ukraine, dennoch sie dort keine Kohle kaufen und suchen nach alternativen Lieferanten, wobei sie für den Brennstoff viel mehr Geld zahlen müssen. Der Vorsitzende des Volksrats der selbsternannten Volksrepublik Donezk, Denis Puschilin, versicherte aber, das Donezbecken könnte den Kohlebedarf der Ukraine vollständig decken.

    „Für die Ukraine wäre das die beste Variante aus der Sicht der Logistik und der Kohlepreise“, betonte er. „Aber angesichts des politischen Aspekts beobachten wir Kiews oft erfolglose Versuche, den Brennstoff aus anderen Ländern zu bekommen, darunter aus Südafrika, Australien und jetzt auch aus den USA.“

    Puschilin zufolge sucht auch die Donezker Volksrepublik nach neuen Absatzmärkten, ist aber immer noch am ukrainischen Markt interessiert. Zudem behauptete er, dass Kiew in der Donbass-Region den Brennstoff kaufe, allerdings indirekt über Zwischenhändler.

    Mit einer solchen Politik schade aber Kiew seiner eigenen Wirtschaft und seinen Bürgern, denn es kaufe teurere Kohle nicht nur im so genannten „fernen Ausland“, sondern auch in der Donbass-Region, ergänzte Puschilin.

    Inzwischen zeigte Kiew Interesse an der Kohle aus den USA. Unter anderem soll bei den jüngsten Verhandlungen des Präsidenten Petro Poroschenko mit seinem US-Amtskollegen Donald Trump in Washington vereinbart worden sein, dass zwei Millionen Tonnen Kohle aus Pennsylvania in die Ukraine transportiert werden. Die USA sind damit der zweitgrößte (25,5 Prozent) Kohlelieferant Kiews nach Moskau (52 Prozent). Aber unter den Umständen, wenn der Kohleimport aus Russland unerwünscht und aus dem Donezbecken offiziell unmöglich ist, suchen die Behörden in Kiew nach Lieferanten in Südafrika und Australien.

    Die erste Kohlepartie aus Pennsylvania (120 000 Tonnen) erwarte die Ukraine im August, teilte der Berater des Energieministers, Maxim Beljawski, mit. US-Präsident Trump behauptete seinerseits, Poroschenko hätte bei Washington „Millionen Tonnen Kohle“ beantragt, weil ukrainische Kraftwerke einen großen Brennstoffmangel spüren.

    Laut Medienberichten betragen die Kohlevorräte in der Ukraine 636 000 Tonnen, und bis Ende des Jahres müssten noch 4,2 Millionen Tonnen gekauft werden. Der größte Teil davon soll ausgerechnet aus den USA kommen.

    Petro Poroschenko spricht vor Abgeordneten der Obersten Rada
    © Sputnik / Pressedienst des ukrainischen Präsidenten/Mikhail Palinchak
    Der Abgeordnete der Obersten Rada (Parlament), Jewgeni Balizki, zeigte sich überzeugt, dass solches Vorgehen der Behörden der nationalen Wirtschaft schaden und zudem die Kluft zwischen der Ukraine und dem Donezbecken noch tiefer machen. „Die nach dem ‚Maidan‘ gekommenen Machthaber zerstören alle Wirtschaftsverbindungen, die noch seit den Sowjetzeiten bestanden. Was jetzt vorgeht, ist eine Möglichkeit zur ‚Haushalts-Geldwäsche‘. Denn wenn man mit der Donbass-Region direkt kooperieren würde, könnte man alles leichter kontrollieren. Die Behörden haben gar nicht vor, sich mit der Reintegration dieser Region zu befassen. Indem sie die bisherigen Verbindungen zerstören, tragen sie nur zur Entfernung des Donezbeckens vom Zentrum“, so der Abgeordnete.

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    Tags:
    Politik, Import, Kohlemangel, Oberste Rada, Petro Poroschenko, Donald Trump, Denis Puschilin, Donbass, Ukraine