03:15 16 Dezember 2019
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    Symbolische Bauteile der Gaspipeline South Stream in Serbien (Archivbild)

    South Stream sucht neue Wege – Gazprom baut Pipeline in kleinerem Format

    © AFP 2019 / Andrej Isakovic
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    Gazprom hat seit einem Monat ohne laute Verkündigungen mit Bulgarien, Serbien und Ungarn Roadmaps zur Entwicklung von Gaspipelines für Lieferungen aus dem geplanten zweiten Strang von Turkish Stream unterzeichnet, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Damit wird de facto das 2013 auf Betreiben der EU-Kommission eingefrorene South-Stream-Projekt wiederbelebt, jedoch mit einer um das Vierfache geringeren Kapazität. Diese Variante ermöglicht es Gazprom zwar, die Balkan-Region mit Gas zu versorgen, wird aber mit einer anderen Gaslieferroute Gazproms konkurrieren – der Poseidon-Pipeline.

    Gazprom und die ungarische Regierung haben am Mittwoch eine Roadmap zur Entwicklung des Gasversorgungssystems unterzeichnet. Ähnliche Dokumente wurden im Juni mit Bulgarien und Serbien signiert. Der ungarische Außenminister Péter Szijjártó sagte nach den Verhandlungen direkt, dass es sich um die Lieferung von acht Milliarden Kubikmetern Gas aus der Turkish Stream seitens Serbiens handelt.

    Ungarn bekommt jetzt via Transit durch die Ukraine 5,7 Milliarden Kubikmeter Gas (Gesamtverbrauch – 11,1 Milliarden Kubikmeter). Gazproms Liefervertrag mit Ungarn endet 2019. Budapest will Garantien haben, dass es russisches Gas bekommen wird, wenn 2019 der Transitvertrag zwischen Gazprom und Naftogaz Ukrainy abläuft. Gazprom Export und die Hungarian Gas Trade Ltd. schlossen am Mittwoch eine Absichtserklärung zur Fortsetzung der langfristigen Kooperation ab. Laut einer „Kommersant“-Quelle ist in den Dokumenten eine mögliche Verlegung des Ortes der Gaseinspeisung von Beregdaroc an der Grenze zur Ukraine an die serbisch-ungarische Grenze vorgesehen.

    Die Route Bulgarien-Serbien-Ungarn entspricht faktisch dem größten Abschnitt der Strecke des Projekts South Stream, das im Dezember 2013 wegen der Position Bulgariens und des Drucks seitens Brüssels aufgehoben wurde.

    Der Unterschied besteht darin, dass die geplante Pipeline über das Schwarze Meer – jetzt Turkish Stream – nicht direkt nach Bulgarien, sondern in die Türkei verlegt wird. Zudem kann für den Balkan nur einer der zwei Stränge von Turkish Stream ausgerichtet werden, also 15,75 Milliarden Kubikmeter, was ein Viertel der Kapazität von South Stream ist. Nach den Angaben Bulgariens und Ungarns werden neue Kapazitäten von Gasversorgern der Länder gemäß dem Dritten Energiepaket geschaffen. Doch der serbische Präsident Alexandar Vucic sagte am 2. Juli, dass er mit Russlands Hilfe beim Bau der Transit-Pipeline rechnet (Serbien gehört nicht zur EU und wendet die Regeln des Dritten Energiepakets nicht an).

    Gazprom kann nicht gleichzeitig Gas aus dem zweiten Strang von Turkish Stream auf den Balkan pumpen und die Gaspipeline Poseidon zur Versorgung Süditaliens bauen. Nach „Kommersant“-Angaben sind die Balkan-Lieferungen wichtiger für Gazprom, weil Italien auch vom Norden via Nord Stream 2 beliefert werden kann, obwohl auch dies teuer ist. Doch Ungarn und Serbien können jetzt nur via Ukraine versorgt werden, was Gazprom zu Transitabkommen mit Kiew nach 2020 zwingt. Bislang wurde kein endgültiger Beschluss über die Richtung der weiteren Lieferungen aus dem zweiten Strang von Turkish Stream getroffen.

    „Ich denke, Gazprom erinnert sich gut daran, wie Bulgarien es 2013 im Stich ließ“, sagte Vitali Krjukow von Small Letters. Ein solches Projekt würde auf politische Probleme stoßen, unter seinen Teilnehmern gebe es keine einflussreichen Länder, um das Projekt vor Brüssel zu schützen, wie dies Deutschland in Bezug auf Nord Stream 2 tut. Die Balkan-Variante sei eher für die Diversifizierung der Risiken, darunter seitens der Türkei, notwendig.

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    Tags:
    Reanimierung, Bau, Gaspipeline, Turkish Stream, South Stream, Péter Szijjártó, Ungarn, Bulgarien, Serbien, Russland