17:28 14 November 2019
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    Krim überwindet Sanktionen de facto: Ausländische Firmen finden Lücken für Business

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    Westliche Unternehmen haben Lücken gefunden, um auf der Halbinsel Krim Geschäfte zu tätigen, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Internationale Firmen haben gelernt, wie sie die Export- und Investitionsverbote für die Krim umgehen können. Vor kurzem wurde gemeldet, dass globale Tourismus-Anbieter ihre Arbeit auf der Halbinsel aufnehmen. Sie definieren Krim als „grenzübergreifendes Gebilde, das weder Russland noch der Ukraine gehört“. Auf der Krim sind seit langem große ausländische Retailer tätig, die über ihre russischen Tochterfirmen dort aktiv sind.

    Die 2014 von der EU verhängten Sanktionen verbieten europäischen Firmen, auf der Krim im Bereich Tourismus tätig zu werden. Einige Reisebüros halten sich an dieses Verbot, aber nicht alle. Das Portal Booking.com bietet Reisenden mehr als 5000 Unterkünfte auf der Krim an. Wie die Deutsche Welle berichtet, sind die Sanktionen kein Hindernis für das niederländische Unternehmen. Es ist nicht die einzige Firma unter den internationalen Touristik-Dienstleistern auf der Krim. Dazu gehören auch das US-Portal Tripadvisor und die deutsche Firma Trivago. „Diese zwei Portale sind aber Suchmaschinen, die Preisangebote anderer Buchungsportale vergleichen und keine Tourismusleistungen erbringen“, so Deutsche Welle.

    Das europäische Reisebüro TUI hatte bereits früher begonnen, Reisen auf die Krim zu verkaufen – allerdings via Zwischenhändler. Das deutsche Reisebüro WELT, das auf Geschäftsreisen für ausländische Unternehmer und Touristen spezialisiert ist, bietet Hotelzimmer in Aluschta an.

    Dass die Sanktionen von Touristikfirmen so einfach umgangen werden können, erklären Juristen mit den verschwommenen Definitionen. Der Begriff „Tourismus“ sei sehr vage und kann sowohl weit wie eng gedeutet werden. Man könne die Hotels auf der Krim ganz legal anbieten, wenn es sich vorgeblich um eine Geschäftsreise handele, sagte der Partner der Anwaltskanzlei CMS, Thomas Geidemann.

    Nicht nur westliche Reisebüros umgehen die Sanktionen auf der Krim. Wie Reuters unter Berufung auf eigene Quellen berichtete, lieferte Russland Gasturbinen der deutschen Firma Siemens auf die Krim. Siemens ist es untersagt, Energietechnologien für europäische Firmen auf die Halbinsel zu liefern. Die beiden Turbinen SGT5-2000E sollen auf dem Seeweg auf die Krim gebracht worden sein und sind für das Wärmekraftwerk in Sewastopol bestimmt. Siemens berichtete am Donnerstag, dass keine Turbinen auf die Krim geliefert wurden, schloss jedoch einen Verkauf durch Dritte nicht aus.

    Europäische Unternehmer versuchten schon mehrmals, trotz der Sanktionen Projekte auf der Krim zu starten. Geschäftsleute aus Deutschland äußerten bereits im vergangenen Jahr ihre Bereitschaft, die Werften auf der Krim auszurüsten und dort sogar Produktionsstätten für Schiffe zu eröffnen. Italienische Unternehmer waren bereit, in die Entwicklung der Landwirtschaft, Viehwirtschaft sowie in den Aufbau von Unternehmen zur Müllentsorgung zu investieren. In diesem Jahr bestätigte die katarische Firma Premium Construction ihre Pläne, in Jalta ein Hotel im Wert von 100 Millionen US-Dollar zu bauen.

    Darüber hinaus setzen die französische Handelskette Auchan sowie die deutsche Metro de facto ihre Tätigkeit auf der Krim fort. Das Verbot für kommerzielle Tätigkeiten dehne sich zwar wirklich auf westliche Unternehmen aus, doch sie seien derzeit auf der Krim nicht präsent –für ihre Enkel-Firmen gebe es aber keine Verbote dieser Art, sagt der Analyst Alexej Antonow von Alor Broker.

    „Ausländische Firmen wittern Gewinne auf der Krim. Doch jetzt warten sie ab und machen ihre Handlungen nicht öffentlich, weil sie Sanktionen fürchten“, erklärt Wirtschaftsexpertin Olga Lebedinskaja. Im Ergebnis sei der einzige Effekt der Sanktionen – die Verlängerung der Kette der Lieferanten, jedoch nicht die völlige Einstellung der Lieferungen.

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    Tags:
    Entwicklung, Handel, Sanktionen, Krim, Russland