15:04 18 Februar 2020
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    Der indische Ministerpräsident Narendra Modi hat in dieser Woche Israel eine offizielle Visite abgestattet und ist damit der erste Politiker in der Geschichte seines Landes, der den jüdischen Staat besucht hat, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Freitag.

    Damit wurde quasi die Wende in der Nahost-Politik einer der asiatischen Großmächte abgeschlossen.

    In Israel traf sich Modi mit seinem Amtskollegen Benjamin Netanjahu, dem Präsidenten Reuven Rivlin und dem Oppositionsführer Itzchak Herzog und besuchte das Memorial der Holocaust-Opfer „Yad Vashem“ und ein Denkmal für indische Soldaten. Darüber hinaus traf er sich mit Vertretern der Geschäftskreise und der indischen Diaspora, der etwa 100.000 Menschen angehören.

    Indien hatte das 1948 entstandene Israel im Jahr 1950 akzeptiert, drei Jahre nach dem Erlangen seiner eigenen Unabhängigkeit. Allerdings wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern erst 1992 aufgenommen.

    „Als einer der Führer der Bewegung blockfreier Staaten (…), die ausgeprägt antiimperialistisch eingestellt war, unterstützte Indien stets den Unabhängigkeitskampf Palästinas und setzte auf die Entwicklung der Beziehungen mit der arabischen Welt, was es unvermeidlich von Israel entfernte. Außerdem musste die indische Regierung immer die Meinung der eigenen muslimischen Minderheit berücksichtigen“, sagte der russische Indien-Kenner Boris Wolchonski und führte an, dass in Indien aktuell etwa 180 Millionen Muslime leben.

    Aber die Indische Volkspartei (BJP), an deren Spitze Modi stehe, setze auf die Bevölkerungsmehrheit, so dass die mögliche Unzufriedenheit der Muslime für sie keine besonders große Rolle spiele, vermutete der Experte.

    Hinzu komme, dass beide Länder es mit der größten Gefahr der Gegenwart zu tun haben, nämlich mit dem internationalen Terrorismus, dessen größte Stützpunkte ausgerechnet in islamischen Ländern liegen. „Indien und Israel gehören zu den Ländern, die von diesem globalen Übel am meisten getroffen sind. Und gemeinsame Gefahren tragen zur Annäherung in der internationalen Arena bei“, stellte Wolchonski fest.

    Es gibt einen weiteren sehr wichtigen Faktor, und zwar das immer größer werdende beiderseitige Interesse an der Entwicklung der militärtechnischen Beziehungen. Unter dem Motto „Make in India“ sei die Regierung Modi an führenden ausländischen Technologien sehr interessiert, so der Experte weiter. Und Israel habe nicht nur solche Technologien, sondern gehöre neben Russland und den USA zu den größten Partnern Neu-Delhis im Bereich der militärtechnischen Kooperation. Und Indien sei gleichzeitig der größte Importeur israelischer Waffen.

    Vor drei Monaten hatte die Korporation Israel Aerospace Industries einen Vertrag über die Lieferung von neusten Luft- und Raketenabwehrsystemen Barak 8 an die Land- und Seestreitkräfte Indiens verkündet. Der Deal wird auf etwa zwei Milliarden Dollar geschätzt.

    Vor diesem Hintergrund standen ausgerechnet die Perspektiven der militärtechnischen Kooperation im Mittelpunkt der Verhandlungen von Narendra Modi in Jerusalem. Die dabei unterzeichneten Verträge sehen die Lieferung von 8000 israelischen Anti-Panzer-Raketen Spike sowie die gemeinsame Produktion von Boden-Luft-Raketen MR-SAM vor, die Neu-Delhi für die Eindämmung Chinas und Pakistans braucht.

    Der Leiter des russischen Zentrums für Strategien- und Technologienanalysen, Ruslan Puchow, stellte fest, dass die intensive Entwicklung der militärtechnischen Kooperation zwischen Indien und Israel in die allgemeine Konzeption der strategischen Annäherung Israels und der USA passe, ohne deren Zustimmung die erwähnten Deals wohl nicht zustande gekommen wären.

    Denn Israel habe immerhin langfristige Verpflichtungen im Sinne der Verteidigungskooperation mit den USA und sei deswegen kein selbstständiger Teilnehmer des Waffenmarktes. Die meisten Schritte müsse Tel Aviv mit Washington absprechen. Deshalb entspreche die Annäherung Indiens und Israels objektiv den Interessen der Amerikaner, schlussfolgerte Experte Puchow.

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    Tags:
    Besuch, Waffenhandel, Holocaust, Reuven Rivlin, Narendra Modi, Indien, Israel, USA