17:20 25 September 2017
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    Militärpatrouille auf den Straßen von Brüssel (Archivbild)

    Terror in Europa: Wo ist es am sichersten?

    © AFP 2017/ BELGA/Hatim Kaghat
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Am 14. Juli ist ein Jahr seit dem Terroranschlag in Nizza vergangen. Zudem jähren sich im Juli die Vorfälle unter der Beteiligung von Einwanderern in Deutschland, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Diese Daten erinnern noch einmal daran, dass die Integration von eingewanderten Muslimen eine akute Frage bleibt.

    Nach zahlreichen Anschlägen verschärfte die EU die Kontrollen an ihren Außengrenzen und die Sicherheitsmaßnahmen in einzelnen Staaten. Der Flüchtlingsandrang ist deutlich geringer geworden als vor einem Jahr. Allerdings sind es nicht weniger Terroranschläge geworden. Sie werden oft von Menschen verübt, die in Europa geboren wurden bzw. seit langem in Europa leben. Berlin, London, Stockholm, Manchester – das sind nur die blutigsten Anschläge. Es gab auch viele kleinere Anschläge.

    Die Terroranschläge wurden mitunter möglich, weil die Behörden geschlampt haben. Das mussten viele Politiker einräumen. Das Entstehen von Einwanderer-Ghettos und die Unfähigkeit, der Anwerbung von Einwanderern Widerstand zu leisten, führten zu Anschlägen und dazu, dass Tausende Staatsbürger europäischer Länder in den Reihen des Islamischen Staates kämpfen.

    Zugleich unterscheidet sich das Gefahrenniveau in den einzelnen Staaten Europas. In Großbritannien ist es ziemlich hoch. Allein in diesem Jahr wurde dieses Land von zwei blutigen Anschlägen in London (22. März und 4. Juni) sowie von einem in Manchester (22. Mai) erschüttert. Das Land wurde Opfer seiner Politik der offenen Tür. Viele der Attentäter wurden in ihrer Heimat verfolgt. So wurde der Anschlag in Manchester vom Sohn eines Libyers verübt, dem in seinem Heimatland unter Gaddafi die Todesstrafe drohte.

    In London sind Dutzende Islamistische Organisationen tätig. In den nördlichen Gebieten der Hauptstadt gibt es Scharia-Patrouillen. Mehrere Vorstädte von Birmingham und Manchester erinnern eher an Pakistan. Die Briten haben mit den muslimischen Einwanderern kein Glück gehabt. Unter ihnen dominieren die Pakistaner, in deren Heimat der Islam sehr verschärft praktiziert wird und die Islamisten ganze Gebiete des Landes kontrollieren.

    Sehr schwierig ist die Situation auch in Frankreich, wovon die Terroranschläge in Paris vom 7. Januar und 13. November 2015, die schrecklichen Ereignisse in Nizza und eine Reihe kleinerer Vorfälle zeugen. Die Einwanderer in Frankreich vertreten weniger extremistische Ansichten des Islams  – Einwanderer aus Algerien, Marokko und Tunesien, die den größten Teil der einheimischen Muslime bilden, sind weniger religiös als die britischen Pakistaner. Allerdings gibt es auch hier Probleme. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass der Bevölkerungsanteil der Muslime in Frankreich am höchsten in Westeuropa ist (rund zehn Prozent). Mehrere Vororte von Paris und Marseille sind vorwiegend arabisch. Die Polizei ist einfach nicht imstande, sie zu kontrollieren.

    Muslime stehen im Schatten einer Moschee in Kosovo
    © AFP 2017/ Armend Nimani
    Das drittanfälligste Land Europas ist Belgien. Die meisten IS-Kämpfer (700) eines europäischen Landes kommen aus Belgien. Die Gefahr ist in vielerlei Hinsicht die Folge dessen, dass der belgische Staat äußerst schwach ist. Der Konflikt zwischen Wallonen und Flamen führte zur Entstehung einer Reihe von Polizeiverwaltungen, die sich gegenseitig im Weg stehen und die Situation kaum unter Kontrolle bringen können. Im Ergebnis kam es zum Terroranschlag vom 22. März 2016 in Brüssel. Zudem führen die Spuren der Pariser Terroranschläge in den Brüsseler Stadtteil Molenbeek, der als Hochburg des europäischen Dschihads gilt.

    Deutschland schien bis 2016 ein ruhiger Ort gewesen zu sein. Die Türken waren in die deutsche Gesellschaft besser integriert als die Araber in Frankreich und die Pakistaner in England. Doch die Silvesternacht in Köln mit einer Reihe von Vergewaltigungen wurde zum Vorspiel für eine Reihe von Vorfällen, deren Höhepunkt der Anschlag in Berlin am 19. Dezember war. Danach gab es keine solchen blutigen Vorfälle, doch das Sicherheitsgefühl ist deutlich geringer geworden.

    Vor dem Hintergrund anderer Länder sieht die Situation in Österreich und in der Schweiz wohl am ruhigsten aus. Die meisten Einwanderer in Österreich sind relativ unreligiöse Türken, Bosnier und Albaner. Zudem hat Österreich als erstes Land in der EU Staatsexamen für Mullahs eingeführt und ausländische Finanzierungen für die Moscheen verboten. Am härtesten ist die Einwanderer-Politik in der Schweiz, wo nach einem Referendum von 2009 der Bau von Minaretten verboten wurde. Zudem sind die Migrationsgesetze in der Schweiz viel härter als in den EU-Ländern. Es ist sehr schwer, eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen.  Die Sozialhilfe wird nach einigen Jahren gestrichen, Abschiebungen sind in diesem Fall keine Seltenheit.

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    Tags:
    Terroranschläge, Sicherheit, Terrorbekämpfung, Terrorismus, Großbritannien, Belgien, Europa
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