21:32 23 November 2017
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    Fleischfabrik in Ungarn

    Europäer „zweiter Wahl“? - Lebensmittelqualität entzweit die EU

    © AFP 2017/ Attila Kisbenedek
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    Iswestija
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    Die Osteuropäer verlangen von der EU ein Verbot für Lieferungen von Produkten geringerer Qualität auf ihre Märkte, schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Montag.

    Die Landwirtschaftsministerien Tschechiens, Ungarns, Bulgariens und der Slowakei bestehen darauf, dass die EU-Kommission entsprechende Gesetze novelliert, damit Nahrungsmittelkonzerne nicht mehr Produkte von unterschiedlicher Qualität auf die westlichen und östlichen Märkte liefern.

    In letzter Zeit wurden in diesen Ländern mehrere Studien durchgeführt, bei denen festgestellt wurde, dass die Qualität der Lebensmittel und der Haushaltswaren unterschiedlich ist. So wurde in Tschechien in Nutella-Schokocreme zehn Prozent weniger Eiweiß entdeckt als in der Nutella in Deutschland. Die in Deutschland verkauften Fischstäbchen von Iglo enthalten wesentlich mehr Fleisch. Auch die Qualität des Waschpulvers von Persil ist unterschiedlich.

    Beim Pressedienst des tschechischen Landwirtschaftsministeriums kündigte man an, dass Minister Marian Jurecka schon am 17. Juli in einer Sitzung des EU-Rats die Ergebnisse dieser Studie erwähnen und die Lösung dieses Problems auf der gesetzgebenden Ebene verlangen werde.

    Zuvor hatte auch die zuständige slowakische Behörde festgestellt, dass 13 von insgesamt 22 geprüften Produkten, die auf dem slowakischen und österreichischen Markt verkauft werden, wesentliche qualitative Unterschiede aufweisen.

    Ähnliche Ergebnisse erbrachten auch Studien in Bulgarien und Ungarn. Der bulgarische Premier Boiko Borissow nannte dieses Problem „eine Lebensmittel-Apartheid“, und sein ungarischer Amtskollege Viktor Orban ist der Meinung, dass die Einwohner Osteuropas dadurch zu „Menschen zweiter Klasse“ gemacht werden.

    „Wir werden immer öfter mit der Situation konfrontiert, dass identische Waren in Deutschland eine bessere Qualität als beispielsweise in Tschechien oder Bulgarien haben und dabei sogar billiger sind“, sagte der tschechische EU-Parlamentarier Thomas Zdechovsky.

    „Deshalb wollen die Landwirtschaftsminister einiger Länder gemeinsam mit EU-Abgeordneten dieses Problem auf der EU-Ebene aufwerfen und Verhandlungen zur Novellierung der entsprechenden Gesetze beginnen. Wir wollen, dass die EU-Kommission sich bereits im Herbst mit dieser Frage beschäftigt. Es sollen auch konkrete Korporationen aufdeckt werden, die Produkte zweiter Sorte in die osteuropäischen Länder liefern.“

    Jetzt lassen die EU-Normen so etwas zu, allerdings mit einem entsprechenden Vermerk auf der Verpackung.

    Die Position der EU-Kommission zu dieser Frage ist nicht eindeutig. Die EU-Kommissarin für Justiz und Verbraucherschutz, Vera Jourova, meint, dass konkrete Hersteller unter Druck gesetzt werden sollten, wobei die Vorbereitung von neuen Gesetzen aber eher eine Zeitvergeudung wäre.

    „Noch im März hatten wir erklärt, dass diese oder jene Länder die Ergebnisse von konkreten Expertisen vorlegen sollten. Die bisher gesammelten Informationen zeugen nicht davon, dass das Problem der Lieferung von mangelhaften Waren nach Osteuropa systematisch ist“, so ein Sprecher der EU-Kommission.

    Das Problem der Warenqualität wird allmählich zu einem neuen Stein des Anstoßes für Brüssel und die osteuropäischen Länder. Ihre Vertreter weigern sich immer öfter, in der europäischen Arena eine Nebenrolle zu spielen, und verteidigen immer intensiver ihre Rechte.

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    Tags:
    Qualität, Mangel, Streit, Lebensmittel, EU-Kommission, EU, Slowakei, Ungarn, Tschechien, Bulgarien
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