15:33 19 September 2017
SNA Radio
    serbische Flagge, Belgrad, Serbien (Archivbild)

    Wo steht Serbien – auf der Seite des Westens oder Russlands?

    © AP Photo/ Darko Vojinovic
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Kommersant
    937191263

    Serbiens Präsident Alexandar Vucic trifft sich heute in Washington mit US-Vizepräsident Mike Pence. Der USA-Besuch des serbischen Staatsoberhaupts ist von prinzipieller Bedeutung. In Washington wird von ihm eine eindeutige Aussage über die Prioritäten der Außenpolitik Belgrads erwartet, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Montag.

    Der USA-Besuch von Alexandar Vucic ist der erste nach seinem Amtsantritt. Doch die Bedeutung der heutigen Gespräche des serbischen Präsidenten mit US-Vizepräsident Mike Pence ist nicht nur damit verbunden.

    Washington verheimlicht nicht, dass die Visite eine Art Zeitpunkt der Wahrheit sein soll. Unter den Bedingungen der andauernden Konfrontation zwischen Russland und dem Westen wird von Serbien, das die USA als wichtigstes Land auf dem Balkan bezeichnen, vor allem eine klare Antwort auf die Frage erwartet – auf welcher Seite es steht.

    Einer der führenden US-amerikanischen Balkan-Experten, Janusz Bugaiski, vom Zentrum für Analyse europäischer Politik ist überzeugt, dass für Serbien die Zeit gekommen ist, zu entscheiden, mit wem es ist – mit dem Westen oder mit Russland. In diesem Zusammenhang besteht die Bedeutung von Alexandar Vucics Besuch darin, dass er aus erster Hand klären kann, was die USA von der serbischen Führung erwarten.

    Laut „Kommersant“-Quellen in diplomatischen Kreisen auf dem Balkan können beim Treffen in Washington vor Serbien folgende Themen besprochen werden – die Pläne russischer Waffenlieferungen an Belgrad (sechs Kampfjets MiG-29, 30 Panzer T-72 und 30 Schützenpanzerwagen BRDM-2), die Aussichten der Bereitstellung des diplomatischen Status an das russische Personal des Humanitären Zentrums im serbischen Nis und die Abstimmung der Außenpolitik Serbiens mit dem Russland-Kurs der EU.

    Diese Informationen werden von der Ende vergangener Woche getroffenen Forderung des Repräsentantenhauses an das Pentagon bestätigt, regelmäßig Berichte über russisch-serbische Militärkooperation vorzulegen. Dies wurde vom Mitglied des außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses, Eliot Engel, mitgeteilt. Ihm zufolge bieten die Gespräche in Washington den USA eine sehr gute Möglichkeit, die Besorgnisse wegen Belgrads Kurs im Bereich der Sicherheitspolitik auszudrücken.

    Die USA äußern in letzter Zeit immer häufiger Besorgnisse über eine mögliche Umwandlung des russisch-serbischen Humanitären Zentrums in ein „Spionage-Zentrum“ bzw. einen Militärstützpunkt, wozu die Russen angeblich den diplomatischen Status fordern. Dies sagten unter anderem der direkt für den Balkan zuständige stellvertretende US-Außenminister Brian Hoyt Yee und der US-Botschafter in Belgrad, Kyle Scott.

    Um die Befürchtungen der Amerikaner aus dem Weg zu räumen, lud die Führung des Zentrums sie nach Nis ein. US-Diplomaten weilten dort in der vergangenen Woche. Daraufhin wurde im Zentrum berichtet, dass die Amerikaner erschöpfende Antworten auf alle Fragen erhielten und keine Anmerkungen machten. Ihr Besuch habe die absolute Transparenz des Zentrums bestätigt.

    Allerdings kam die US-Botschaft in Belgrad, deren Vertreter Nis besuchten, zu ganz anderen Schlussfolgerungen. In der Botschaft wurde bestätigt, dass die US-Diplomaten über die jetzige Tätigkeit des Zentrums informiert wurden, und gesagt, dass nichts gesehen wurde, was auf die Notwendigkeit des Erhalts eines diplomatischen Status für das Zentrum hinweist.

    „Beharrliche Forderungen des Status der Unantastbarkeit für das Personal und die Räume des Zentrums lösen nur Zweifel in Bezug auf langfristige Absichten zu diesem Objekt aus“, hieß es in der US-Botschaft.

    Laut den meisten serbischen Experten werden die Möglichkeiten, eine Politik der Balance zwischen Russland und dem Westen unter den jetzigen Bedingungen durchzuführen, immer eingeschränkter. Laut dem serbischen Politologen Dejan Vuk Stankovic muss der serbische Präsident in Washington sagen, wer Belgrad näher ist – der Westen oder Russland. Vucic habe sehr wenig Handlungsspielraum.

    „Präsident Vucic balanciert weiter ohne eindeutige Strategie in der Außenpolitik. Doch bereits in diesem Jahr muss Serbien eine Entscheidung treffen. Der Westen oder Russland – sowohl wegen der Entwicklung der Situation in der Region als auch wegen der Position der Weltakteure, die des ständige Lavierens Belgrads müde sind“, sagte der Belgrader Politologe Dusan Janjic.

    Zum Thema:

    Spähen bosnische Geheimdienste Führungen in Kroatien und Serbien aus?
    Serbien, Ungarn und Bulgarien wollen sich Gas-Route für die Zukunft sichern
    Belgrad will Verlegung von Turkish Stream durch Serbien
    Tags:
    T-72-Panzer, MiG-29, Treffen, EU, Mike Pence, Aleksandar Vučić, Russland, USA, Serbien
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren