16:03 23 November 2017
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    Nord- und südkoreanische Soldaten an der Grenze zwischen den beiden Staaten

    Um Sanktionen zu vermeiden: Südkorea schlägt Nordkorea Friedensgespräche vor

    © AP Photo/ Lee Jin-man
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    Südkorea ist bereit zur Wiederaufnahme der Kontakte zu Nordkorea. Dazu sollen Vertreter der Verteidigungsministerien beider Länder entsprechende Verhandlungen aufnehmen. Im Falle einer positiven Reaktion Pjöngjangs könnten sie bereits am Freitag stattfinden, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

    Der am Montag in Seoul angekündigte Vorschlag über ein Treffen von Militärs des Nordens und Südens am Grenzposten Panmunjeom ist die Fortsetzung der Initiative des neuen südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in zur gegenseitigen Einstellung der Eskalation an der Trennlinie, die von ihm Anfang Juli gestartet  wurde. Mit seiner Bereitschaft zum Dialog mit Pjöngjang trotz der nordkoreanischen Raketentests versucht Seoul, die Verschärfung internationaler Sanktionen gegen Nordkorea zu verhindern, zu denen die USA, Japan und die EU aufrufen.

    Dass die im Mai an die Macht gekommene neue südkoreanische Administration voller Entschlossenheit ist, den Dialog mit Pjöngjang trotz der andauernden Eskalation der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel voranzutreiben, wurde am Montag von gleich zwei hochrangigen Vertretern der südkoreanischen Führung bekanntgegeben.

    „Wir haben dem Norden vorgeschlagen, Verhandlungen der Vertreter der Verteidigungsministerien durchzuführen, um alle feindlichen Handlungen zu stoppen, die die Spannungen an der Grenze verschärfen“, sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Südkoreas, Suh Choo-suk.

    Nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap kann das Treffen am Grenzposten Panmunjeom stattfinden, der nach dem Ende des Krieges 1950-1953 zum Symbol der Trennung der koreanischen Halbinsel in zwei feindliche Staaten wurde.

    Der letzte große Vorfall an der Trennlinie ereignete sich im August 2015. Damals beschoss nordkoreanische Artillerie Stellungen des südkoreanischen Militärs, das daraufhin das Gegenfeuer eröffnete. Im Laufe der vergangenen zwei Jahre gab es einen Nervenkrieg zwischen beiden Seiten, in diesem Jahr spitzte sich die Situation nach den Raketentests Pjöngjangs zu.

    Die Bereitschaft zur Wiederaufnahme eines Dialogs mit dem Norden erklärte am Montag auch der neue Vereinigungsminister Cho Myoung-Gyon, der vor der Machtübernahme durch Moon Jae-in als einer der wichtigsten Befürworter der Annäherung an Nordkorea galt.

    „Wir werden die Möglichkeit der Wiederaufnahme des Dialogs mit dem Norden in Betracht ziehen“, sagt er.

    Die in Seoul gemachten Verkündigungen konkretisieren die Thesen der Erklärung des südkoreanischen Präsidenten am 6. Juli während seines Deutschland-Besuchs, die für Aufsehen gesorgt hatte. Damals sagte er unter anderem, dass Seoul nicht den Zusammenbruch Nordkoreas anstrebe und nicht vorhabe, sich mit dem Norden zu vereinigen, indem dieser „geschluckt“ werde. Dabei hob er hervor, dass er bereit sei, sich mit dem nordkoreanischen Anführer Kim Jong-un zu jeder Zeit an jedem Ort zu treffen, falls es eine Chance für die Einstellung der Konfrontation auf der koreanischen Halbinsel gebe.

    Nach der Vorlegung eines Plans für die Normalisierung der Beziehungen mit Pjöngjang durch Südkorea wird der Erfolg seiner Initiativen in vielerlei Hinsicht von der Reaktion der nordkoreanischen Seite abhängen. Am Montag berichteten mehrere Quellen in Seoul über eine positive Reaktion Nordkoreas, allerdings folgte bislang keine umfassende Antwort aus Pjöngjang.

    Zuvor, bereits nach der versöhnenden Verkündigung des südkoreanischen Präsidenten in Deutschland, veröffentlichte die nordkoreanische Zeitung „Rodong Sinmun“ eine Erklärung eines Vertreters der nordkoreanischen Führung im typisch harten Ton. Darin hieß es, dass es für „Nordkorea, das den kontinentalen Teil der USA in Asche verwandeln kann, kein Problem sein wird, die Marionetten-Clique Südkoreas zu vernichten“.

    „Die neuen Friedensangebote Seouls sind ein ernsthafter Antrag, der im Ergebnis wohl ein positives Feedback Pjöngjangs finden wird. Zugleich wird vieles auch von den Handlungen anderer Akteure abhängen, vor allem der USA. Denn für Nordkorea ist es wichtig, via Kontakte mit dem Süden im Ergebnis einen Dialog mit Washington zu erreichen“, sagte der ehemalige russische Botschafter in Südkorea, Gleb Iwaschenzew.

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    Tags:
    Raketenschlag, Gefahr, Militär, Verhandlungen, Deeskalation, Dialog, Moon Jae-in, Südkorea, Nordkorea, USA
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