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09:20 18 Juli 2019
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    Wladimir Putin und Gazprom-Chef Aleksej Miller besuchen die Baustelle von Gaspipeline Turkish Stream

    Unbemerkt von den Medien: Gazprom baut an neuem Pipeline-Strang

    © Sputnik / Mikhail Klementiew
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    Wedomosti
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    Gazprom hat unbemerkt von der Öffentlichkeit mit der Verlegung des zweiten Strangs der Turkish-Stream-Pipeline zum Gastransit nach Europa begonnen, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Mittwoch.

    Über den Beginn der Bauarbeiten berichteten ein Vertragspartner eines Subunternehmens und ein Beamter. Laut einer dieser Quellen wurden auf dem Boden des Schwarzen Meeres bereits rund 20 bis 25 Kilometer Röhren verlegt. Die Arbeiten werden vom Rohrleger „Audacia“ der Schweizer Firma Allseas durchgeführt, die bei der Ausschreibung den Zuschlag bekommen hatte.

    Nach Angaben der Webseite marinetraffic.com befindet sich der Rohrleger jetzt mehrere Kilometer südlich des Dorfes Maly Utrisch. In den vergangenen Tagen bewegt sich Audacia mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 0,1-0,15 Knoten pro Stunde (4-5 Kilometer pro Tag) auf der Route, wo zuvor der erste Strang der Turkish Stream verlegt wurde. Das entspricht ungefähr der angekündigten Arbeitsgeschwindigkeit der Rohrverlegung.

    Laut Allseas kann Audacia bis zu 14.000 Tonnen Rohr an Bord nehmen. Mit dem Nachschub befassen sich die Frachtschiffe „Highland Navigator“ und „Baccara“. Laut marinetraffic.com absolvierten sie vom Abend des 17. Juli bis zum Abend des 18. Juli zwei Fahrten vom Hafen Anapas zur „Audacia“.

    Bislang hat Gazprom nur über den Bau des Unterwasserteils des ersten Stranges von Turkish Stream berichtet. Mit der Verlegung im nicht tiefen Abschnitt war ebenfalls „Audacia“ befasst. Am 23. Juni kam ein weiteres Schiff von Allseas dazu – der weltweit größte Rohrleger „Pioneering Spirit“, der Rohre in großer Tiefe verlegen kann. Die Arbeitsgeschwindigkeit des Schiffs liegt ebenfalls bei rund fünf Kilometern pro Tag.

    Der russische Energieminister Alexander Nowak sagte am 10. Juli, dass bereits rund 50 Kilometer Gaspipeline auf dem Boden des Schwarzen Meeres verlegt wurden. Er betonte, dass die Türkei noch keine endgültige Bestätigung für die Anlandepunkte der Pipeline auf ihrem Territorium gegeben hat, dies jedoch in der nächsten Zeit tun wird.

    Turkish Stream wurde zum Ersatz für das eingestellte Projekt South Stream ins Leben gerufen und sieht den Bau von zwei Strängen mit einer Kapazität von jeweils bis zu 15,75 Milliarden Kubikmeter vor – eine für die Türkei und die andere für den Gastransit nach Europa. Bislang wurde nur mit der Türkei ein Regierungsabkommen über Gaslieferungen durch den ersten Strang abgeschlossen.

    Ein Vertreter von Allseas berichtete, dass 100 Kilometer Pipeline gebaut wurden. Ob mit dem Bau des zweiten Strangs begonnen wurde, sagte er nicht. „Audacia“ erledigte die technischen Arbeiten, so ein Gazprom-Vertreter. Wie es in einem offiziellen Kommentar des Pressedienstes von Gazprom hieß, konzentriert sich die Firma auf dem Bau des ersten Strangs.

    „Gazprom investiert regelmäßig in die Infrastruktur für neue Projekte, bereits vor dem Abschluss der Lieferverträge mit den Verbrauchern“, sagte Dmitri Marintschenko von der Firma Fitch Ratings. So sei es auch mit der Erschließung der Vorkommen und dem Bau der Pipeline, die Nord Stream 2 bedienen sollen.

    Die Beschleunigung des Turkish-Stream-Projekts hänge mit der hohen Wahrscheinlichkeit neuer Russland-Sanktionen seitens der US-Behörden zusammen, meint Tatjana Mitrowa von der Businessschule Skolkovo. Im Gesetzentwurf werden Exportgaspipelines extra erwähnt. Vielleicht wolle Gazprom die Zeit maximal nutzen und möglichst viel bauen.

    Der Expertin zufolge muss Gazprom zwischen zwei Übeln wählen. Einerseits besteht das Risiko einer nicht kompletten Auslastung des zweiten Stranges und schwieriger Verhandlungen mit der Türkei und Europa. Andererseits gibt es das Risiko, überhaupt nichts bauen zu können, sollten die US-Sanktionen verabschiedet werden.

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    Tags:
    Fortschritte, Bauarbeiten, Gaspipeline, Sanktionen, Turkish Stream, Alexander Nowak, Türkei, Russland