17:04 12 Dezember 2017
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    Manöver der südkoreanischen und US-Armeen (Archivbild)

    USA will Krieg gegen Nordkorea – Russlands Militärstärke wird dies verhindern

    © AP Photo/ Pool/Ahn Young-joon
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Die Administration in den USA ändert sich zwar, doch der Umgang mit Moskau bleibt unverändert. Der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, Joseph Dunford, bezeichnete Russland bei einer Sicherheitskonferenz in Aspen erneut als große Bedrohung. Das gleiche sagte er über Nordkorea, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

    Gegen Nordkorea brauche es dringendste Maßnahmen, wobei das Pentagon Militäraktionen gegen Pjöngjang als Antwort auf das wachsende Atompotential nicht ausschließt.

    Es ist kein Geheimnis, dass Donald Trump gegenüber Nordkoreas Anführer Kim Jong-un persönliche Antipathien hat. Im April schickte Trump sogar eine Angriffsflugzeuggruppierung mit dem nuklearen Flugzeugträger „Carl Vinson“ an der Spitze vor die nordkoreanische Küste. Anschließend trafen zwei weitere Flugzeugträger mit Tomahawk-Marschflugkörpern vor der koreanischen Halbinsel ein. Allerdings wagte es das Weiße Haus damals nicht, Kampfhandlungen zu starten, obwohl die Frage nach der Zahl der herangezogenen Kräfte und Mitteln gelöst schien.

    Es ist nicht ausgeschlossen, dass es sich bei Trump, für den es äußerst wichtig war, seine Popularitätswerte im Lande zu steigern, um einen Bluff handelte. Laut einer anderen Version wollte Washington sich nicht in den Kampf gegen einen zwar kleinen, jedoch nuklearen Staat hineinziehen lassen. Allerdings zeigte Kim Jong-un keine Angst und testete sogar kurz danach die Hwasong-Rakete, die laut einigen Einschätzungen bis nach Kamtschatka fliegen kann.

    Russland zufolge fehlt der Hwasong-Rakete nicht mehr viel für eine Interkontinentalrakete (sie legte nur 930 Kilometer zurück). Auch die Amerikaner bezeichnen sie nicht als unmittelbare Bedrohung für ihr Land, doch ihre Stützpunkte in Südkorea und Japan befinden sich de facto in Reichweite der Rakete. Zudem baut Pjöngjang aktiv sein Raketen- und Atompotential aus, und es gibt keine Garantien dafür, dass Hwasong-14 nicht interkontinentale Parameter erreicht. Die Zeit spielt nicht für die USA und drängt sie zu ambivalenten Beschlüssen.

    Wird sich Trump dazu entschließen, es Harry Truman nachzumachen, der im August 1945 einen Atomangriff gegen Hiroshima und Nagasaki versetzen ließ?

    Dass die USA jetzt am Scheideweg bei der Nordkorea-Frage stehen, zeigt eine ziemlich offene Verkündigung Joseph Dunfords bei der Sicherheitskonferenz in Aspen: „Viele sprachen von der möglichen Anwendung von Militärstärke als etwas Unglaubliches. Ich würde es etwas anders formulieren: Es wäre schrecklich und hätte zu solchen unglaublichen menschlichen Opfern geführt, die niemand von uns gesehen hat.“

    Doch andererseits hebt er hervor, dass die Nutzung von militärischen Maßnahmen als Antwort auf die nuklearen Möglichkeiten Nordkoreas nicht als unglaublich erscheint: „Unglaublich ist zuzulassen, dass die Atomraketen Denver, Colorado treffen (…). Deswegen ist es meine Aufgabe, militärische Maßnahmen zu ergreifen, um dies nicht zuzulassen“, so Dunford.

    Russland entwickelte eine eigene Roadmap für die Deeskalation des Konfliktes, die einen schrittweisen Verzicht Nordkoreas und der USA auf Drohungen und Provokationen vorsieht. Laut dem stellvertretenden russischen Außenminister Igor Morgulow wurde der Plan unter Berücksichtigung der Ansichten Chinas geschaffen und ist de facto eine Antwort auf die Politik des Weißen Hauses, das sich Pjöngjang als eine der größten Zielscheiben aussuchte. Für eine friedliche Lösung ist auch der südkoreanische Präsident Moon-Jae In, weil er genau weiß, dass, falls sich die USA zu einem Gewaltszenario entschließen, vor allem die koreanische Halbinsel und ihre Einwohner davon betroffen sind.

    Falls sich die USA zum Einsatz von Atomwaffen gegen Nordkorea entschließen, sollte sich Russland nicht in den Konflikt einmischen, meint der Politologe Leonid Iwaschow. Auch Sergej Osnobichin vom Institut für strategische Einschätzungen ist dieser Meinung:

    „Ich bin mir sicher, dass wir nicht für Nordkorea eintreten werden, diese Zeiten sind vorbei.“

    Diese Zeiten sind natürlich vorbei, doch auf der koreanischen Halbinsel befinden sich so viele Atomobjekte und Atomwaffen, darunter US-Waffen, dass die USA im Falle der Entfachung von Kampfhandlungen, nicht Denver und Colorado, um die Dunford so besorgt ist, sondern Süd- und Nordkorea, Japan, bedeutende Gebiete Chinas und des russischen Fernen Ostens radioaktiv verseuchen werden. Falls Washington glaubt, dass Peking und Moskau das alles ruhig beobachten werden, irrt es sich.

    Das Atom- und Raketenpotential Nordkoreas ist für Trump natürlich keine militärische, sondern eine politische Frage. Wäre Washington sich sicher, dass Peking und Moskau in dieser Situation neutral bleiben, hätte es Nordkorea schon lange nicht mehr gegeben. Anscheinend gibt es keine 100-prozentige Sicherheit. Dunford bezeichnete Moskau traditionell als große Bedrohung für Washington: „Moskau hat ein Atompotential und kann im Cyberraum vorgehen (…). Unsere Aufgabe ist es, eine Konfrontation mit Russland nicht zuzulassen.“

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    Tags:
    Risiken, Atomwaffen, Experte, Folgen, Zuspitzung, Konflikt, Hwasong-14, Hwasong-12, Donald Trump, Japan, China, Russland, USA, Nordkorea
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