06:19 22 November 2017
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    Raketenkomplexe S-400 auf dem Roten Platz in Moskau (Archivbild)

    Raketendeal mit Ankara: S-400 werden in volle Vertragsbereitschaft versetzt

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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am Dienstag im Parlament berichtet, dass Moskau mit Ankara einen Liefervertrag über S-400-Raketen abgeschlossen hat, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Laut Erdogan wurde das Dokument bereits unterzeichnet. Nach Angaben von „Kommersant“-Quellen in Russland ist der Vertrag aber immer noch nicht abgeschlossen. Sie nennen die Äußerung Erdogans einen politischen Schritt und einen Versuch, das Gewicht der Türkei in den Augen der USA zu erhöhen.

    „Wir haben jetzt mit Russland entsprechende Schritte unternommen, die Unterschriften stehen bereits, bald werden wir wohl S-400-Systeme in unserem Land haben“, zitiert die türkische Zeitung „Hürriyet“ Erdogan.

    Er nannte keine Details, hob jedoch hervor, dass die Seiten bald die gemeinsame Produktion von S-400-Raketen aufnehmen werden.

    Russlands föderaler Dienst für militärtechnische Kooperation und der Waffenexporteur Rosoboronexport nahmen keine Stellung zu diesen Informationen. Auch der Kreml äußerte sich nicht dazu. Laut „Kommersant“-Quellen ist das Dokument noch nicht unterzeichnet, befindet sich jedoch kurz vor dem Abschluss.

    Erste Informationen über die Absichten des türkischen Militärs, S-400-Raketen zu beziehen, tauchten 2016 auf. Später wurde diese Frage mehrmals auf der höchsten Ebene besprochen, darunter im März und im Mai 2017 bei Treffen zwischen Erdogan und Putin. Der Kreml-Chef sagte im Juni, dass Moskau bereit sei, die Türkei mit S-400-Raketen zu versorgen, die Frage der Produktionslokalisierung solle sich nach der Bereitschaft der örtlichen Rüstungsindustrie richten. Wie der Berater des Präsidenten für militärtechnische Kooperation, Wladimir Koschin, sagte, sei die Nato-Mitgliedschaft der Türkei kein Hindernis für die S-400-Lieferungen, der Vertrag sei bereits abgestimmt.

    Laut dem Chef von Rosoboronexport, Alexander Michejew, rechnet die russische Seite damit, den Vertrag bis Ende 2017 zu unterzeichnen. Der Leiter der Technologie-Holding Rostec, Sergej Tschemesow, sagte bei der Luftfahrtmesse MAKS 2017, dass die Aufnahme der Produktion von S-400-Raketen in der Türkei unmöglich sei. Wie Bloomberg zuvor unter Berufung auf eigene Quellen berichtete, handelt es sich um vier Divisionen im Gesamtwert von 2,5 Milliarden Dollar. Zwei Divisionen sollen innerhalb von zwei Jahren nach der Vertragsunterzeichnung geliefert, zwei weitere in der Türkei montiert werden.

    Der Leiter der US-Joint Chiefs of Staff, General Joseph Dunford, sagte in der vergangenen Woche, dass Washington über den Erwerb der russischen Flugabwehrsysteme S-400 besorgt sei. Zudem wurde zuvor ihre Kompatibilität mit der Nato-Technik infrage gestellt. Erdogan drückte Erstaunen aus und antwortete daraufhin, dass jedes Land notwendige Maßnahmen zur Gewährleistung der eigenen Sicherheit ergreife. „Wir wandten uns mehrmals mit einer ähnlichen Frage an die USA, hatten jedoch keinen Erfolg. Wir begannen, die Pläne zu den S-400-Raketen zu schmieden. Unsere Behörden führen Verhandlungen, und wir werden diesen Schritt gehen“, so Erdogan.

    Laut dem Experten des Russischen Rats für auswärtige Angelegenheiten, Timur Achmetow, können Erdogans Worte als Antwort an die USA eingestuft werden. „Die Verkündigungen Erdogans haben zum Ziel, die populistische Rhetorik gegenüber dem Westen fortzusetzen, indem die Türkei als Land dargestellt wird, das trotz Brüssel und Washington seinen eigenen Weg geht“, so der Experte. Zudem könnten diese Worte auch ein langfristiges Ziel haben. Das Vorhandensein einer angeblich realen strategischen Alternative für die Türkei wie eine Militärkooperation mit Russland kann Ankara zufolge die Bedeutung des Landes in den Augen der westlichen Partner erhöhen.

    Der türkische Politologe Ismet Konak sagte, dass Erdogans Verkündigung vor dem Hintergrund der präzedenzlosen Verschlechterung der Beziehungen der Türkei zu den westlichen Ländern, vor allem den USA, erfolgte. „Der Kauf von russischen S-400-Systemen wird die Spannungen in den Beziehungen zwischen Ankara und Washington weiter zuspitzen“, so der Experte.

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