19:13 07 Juli 2020
SNA Radio
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    101221
    Abonnieren

    In Peking hat jüngst eine weitere russisch-chinesische Gesprächsrunde zum Thema strategische Stabilität stattgefunden. Von der russischen Seite nahm daran der Sekretär des Sicherheitsrats, Nikolai Patruschew, teil. Darüber schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag.

    Die Gespräche verliefen vor einem eher negativen internationalen Hintergrund: Russland erlebt gerade eine neue Anspannung der Beziehungen mit den USA und auch China ist in eine schwierige Situation geraten. Seine Wirtschaft hängt laut Experten wesentlich von den USA ab. US-Präsident Donald Trump will nach wie vor die Importzölle für chinesische Waren erhöhen. Zudem verlangt Washington von Peking solche Sanktionen gegen Nordkorea, die dessen Bevölkerung in einen Überlebenskampf zwingen könnte.

    Patruschew gehört bekanntlich zum nahen Umfeld des Präsidenten Wladimir Putin. Sein Bericht über die Ergebnisse seiner China-Reise könnte dem Kreml-Chef klar machen, inwieweit er mit Pekings Unterstützung in der Konfrontation mit den USA rechnen dürfte. Bei den Beratungen in China wurden auch Themen wie Bekämpfung des Terrorismus und die militärtechnische Kooperation erörtert.

    Wassili Kaschin vom russischen Institut für Orientalistik sagte:

    „Es wurden nicht unbedingt wichtige politische Vereinbarungen getroffen. Denn Patruschew ist für den Dialog mit einer ganzen Reihe von Ländern im Asien-Pazifik-Raum zuständig. (…) Ich denke, es fand ein Meinungsaustausch über den Zustand des Kampfes gegen die Kriminalität und den Terrorismus statt.“ 

    Die militärtechnische Kooperation zwischen Moskau und Peking erlebt einen Aufschwung. Verteidigungsminister Sergej Schoigu sagte kürzlich, dass Russland im vorigen Jahr Waffen nach China für mehr als drei Milliarden Dollar geliefert habe, wobei die Waffenexportbehörde Rosoboronexport Aufträge für mehr als acht Milliarden Dollar habe. Der Aufwärtstrend wird sich voraussichtlich fortsetzen. In diesem Jahr wird China mehrere Su-35-Kampfjets erhalten. Bald beginnen die Lieferungen von Raketenkomplexen S-400 an das Reich der Mitte.

    Patruschew könnte grundsätzlich auch die politischen und strategischen Aspekte der bilateralen militärtechnischen Kooperation mit den chinesischen Kollegen erörtert haben. Aber dafür haben die Seiten eine ganze Kommission mit den Verteidigungsministern an der Spitze, die sich damit ausführlich beschäftigt.

    Auf diesem Gebiet sei der Trend offensichtlich, sagte Experte Kaschin.

    „Sobald die USA Russland und China unter Druck setzen, unternehmen die beiden etwas, um ihr enges militärisches und politisches Zusammenwirken zu zeigen. Falls die Amerikaner ihren Druck weiter ausbauen, ließe sich sogar ein Bündnis (zwischen Moskau und Peking) nicht ausschließen. Vorerst ist das zwar eher unwahrscheinlich, aber die Amerikaner gehen sehr intensiv in diese Richtung. Sie verärgern gleichzeitig Moskau und Peking.“

    Ein Bündnis mit Russland könnten die Chinesen eher in einer außerordentlichen Situation akzeptieren, beispielsweise im Falle einer raschen Eskalation im Südchinesischen Meer oder einer großen Waffenlieferung an Taiwan, so dass sich die Kräftebalance in der Region verändern würde. Unter anderem warnte Peking mehrmals, dass für sie die Lieferung von amerikanischen THAAD-Raketenkomplexen an Taiwan die „rote Linie“ wäre.

    Die US-Zeitschrift „National Interest“ verwies jüngst darauf, dass in der Ostsee gerade ein russisch-chinesisches Marinemanöver verlaufe. Dadurch zeige der Kreml, dass er trotz der Isolation vom Westen auch Freunde hat, wenn auch keine Verbündeten.

    Eine vollwertige Allianz würde die schriftliche Verpflichtung zur gegenseitigen militärischen Unterstützung vorsehen. Vorerst wollen Moskau und Peking keine solchen Verpflichtungen übernehmen. Aber das faktische Kooperationsniveau zwischen ihren Streitkräften ist für Verbündete durchaus typisch.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Wie Russland und China US-Seeherrschaft herausfordern – „National Interest“
    Sputnik-Chefin zu Xi: China und Russland sind öfters Opfer von Informationsattacken
    Kein Stopp von Manövern: USA lehnen Angebot Russlands und Chinas für Nordkorea ab
    Russische Militärs inspizieren chinesisches Grenzregiment
    Russland und China wollen neue Raketenwaffen schaffen
    Tags:
    Waffenhandel, Bündnis, Militär, Konfrontation, S-400, Donald Trump, Nikolaj Patruschew, USA, China, Russland