06:38 25 Januar 2020
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    Die amerikanische Militärführung plädiert für den Ausbau der Kontakte mit den Kollegen aus Russland im Kontext der Terrorbekämpfung in Syrien. Das könnte die Beziehungen zwischen Moskau und Washington retten, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag.

    „Ich bestehe nach wie vor darauf (auf der Intensivierung der Kontakte), denn ich denke, dass offene Kommunikationskanäle zwischen den USA, Russland und China gut aus der Sicht der Beziehungen zwischen den Militärs wären“, sagte jüngst der Befehlshaber des Strategischen US-Kommandos (Stratcom), John Hyten. „Das würde uns gestatten, die Risiken zu reduzieren.“ Der General erläuterte, dass der Dialog zwischen den Generalstabschefs der USA und Russlands, Joseph Dunford und Valeri Gerassimow, „wirklich auf Syrien konzentriert“ sei.

    Zu dem möglichen Austritt der USA aus dem INF-Vertrag sagte Hyten, er glaube nicht, dass Washington dies tun sollte. „Wir wollen, dass wir und die Russen weiter Teilnehmer des INF-Vertrags bleiben und ihn erfüllen.“ Allerdings warf er Moskau vor, das Dokument verletzt zu haben. „Die USA erfüllen ihn, und Russland nicht, und wir wollen diese Situation verändern. Wie das zu erreichen ist, ist ein Thema für politische Diskussionen der politischen Führung, und ich werde meine militärischen Empfehlungen geben, wenn mich danach fragt.“

    Experten schließen nicht aus, dass ausgerechnet das Pentagon zum aussichtsreichsten Kommunikationsweg zwischen Moskau und Washington werden könnte, so dass die gegenseitigen Spannungen der letzten Zeit abgebaut werden.

    „Einerseits mögen die Militärs Klarheit. Sie wollen konkrete Demarkationslinien festlegen, damit niemand ums Leben kommt, und deshalb gibt es auf diesem Gebiet mehr Kommunikationschancen.“

    Das sagte der Leiter der Abteilung für Nahost-Studien beim russischen Institut für innovative Entwicklung, Anton Mardassow.

    „Andererseits aber (…) sind die Militärs bei ihren Überlegungen eher geradlinig. Während das russische Verteidigungsministerium zu einer strikten Verhaltenslinie  neigt, lässt das russische Außenministerium den gegenseitigen Dialog zu. In Amerika ist die Situation ähnlich. Da muss eine Balance her: Die Militärbehörden verhandeln miteinander, aber für sie ist auch die Beteiligung der diplomatischen und politischen Ebene wichtig, selbst wenn nur informell.“

    Die Situation in Syrien müsse immer wieder ausgeglichen werden, fuhr der Experte fort. Nach seinen Worten verhandeln Moskau und Washington ständig miteinander, auch wenn das nicht in den Medien intensiv beleuchtet werde. Sie „besprechen verschiedene Szenarien zur Überwindung des Konflikts“, wobei „diverse Trennungslinien festgelegt werden“.

    Die Koordinierung der Aktivitäten zwischen Moskau und Washington habe auch einen anderen Aspekt, so der Experte weiter. Das Zusammenwirken mit den USA und beispielsweise auch mit Israel sei für die russische Seite sehr wichtig, weil dadurch seine Kooperation mit dem Iran ausbalanciert werde. Der Syrien-Konflikt sei für Russland ein Anlass, die US-Amerikaner mit ihm verhandeln zu lassen, und zwar gleichberechtigt. „Natürlich betrifft das auch die militärische Ebene. Die Amerikaner verstehen das, sind mit einer solchen Formulierung nicht einverstanden. Gleichzeitig verstehen sie aber auch, dass es für die russische Seite wichtig ist, mit ihnen zusammenzuwirken, um ein Gegengewicht für ihre Kooperation mit dem Iran zu schaffen.“

    Westliche Experten räumen ein, dass das Niveau der russisch-amerikanischen Beziehungen jetzt etwas höher als unter Barack Obama ist. Wobei die Ideen zur Annäherung mit Russland vor allem US-Außenminister Rex Tillerson voranbringt. „Er ist derjenige, der die Zusammenarbeit mit Russland positiv betrachtet“, sagte Domitilla Sagramoso vom Londoner King’s College. Rein technisch sei das russisch-amerikanische Zusammenwirken durchaus eng, stellte sie fest. „Auf der strategischen Ebene ist die Situation aber anders.“ Eigentlich sei das Pentagon eher negativ zu Russland eingestellt, vor allem weil es sich Sorgen über seine wachsende militärische Kraft und seine geopolitischen Ambitionen mache. Andererseits spiele das Verteidigungsministerium keine entscheidende Rolle für Washingtons Russland-Politik und könne sie nicht prägen, ergänzte die Expertin.

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    Fortsetzung, INF-Vertrag, Zusammenarbeit, Kooperation, Pentagon, STRATCOM, Rex Tillerson, Syrien, USA, Russland